Krankenhausschließungen

Starke Kritik an Studie: „Krankenhäuser sind Grundversorger“

Abriss eines Krankenhauses – in den Augen der Bertelsmann-Stiftung ist das viel häufiger nötig. In diesem Fall entstand am gleichen Ort ein jedoch ein Neubau.

Abriss eines Krankenhauses – in den Augen der Bertelsmann-Stiftung ist das viel häufiger nötig. In diesem Fall entstand am gleichen Ort ein jedoch ein Neubau.

Foto: Lars Heidrich

An Rhein und Ruhr.  Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zum Ergebnis, dass jede zweite Klinik überflüssig ist. Fachleute aus der Region: „Realitätsfern!“

Gesundheitsversorgung geht in Deutschland auch mit 650 statt mit 1400 Krankenhäusern – das legt eine Studie der Bertelsmannstiftung nahe. „Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung“, betonen die Autoren der vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (Iges) erstellten Studie.

„Zugänglichkeit und Qualität der Klinken stehen seit langem in einem Spannungsverhältnis“, sagte Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen. „Es geschieht auch schon einiges. Mit dem Krankenhausstrukturfonds werden die Zusammenlegung und die Schließung von Krankenhäusern finanziell unterstützt.“ Das scheint auch nötig: zum Jahreswechsel schließt in Düsseldorf-Kaiserswerth das Marienkrankenhaus und das Katholische Klinikum Essen plant einen Neubau, um drei alte Standorte zu schließen. Und erst vor Wochenfrist hatten die Katholischen Kliniken Oberhausen mit ihren drei Häusern Insolvenz angemeldet.

Oberhausen: Drei Kliniken in der Insolvenz – schnelle Reformen nötig

Christian Eckert von der dort eingeschalteten Beratungsfirma „WMC Healthcare“ aus München räumt ein: „Gerade in NRW und in dicht besiedelten Räumen haben wir oft eine Überversorgung.“ In Oberhausen sei dennoch nicht ausgemacht, wie es mit den Häusern weiter gehe. „Wir nehmen uns jetzt bis September Zeit für die Analyse“, sagt er. Dabei gelte es, genau die Dinge, die auch die Studie kritisiert, im Blick zu halten: Wo können die Häuser Qualität liefern, wo sind sie für die Grund- und Regelversorgung notwendig?“ Wie am Ende die drei Oberhausener Häuser sich aufstellen – und ob alle drei Standorte bleiben werden, lasse sich derzeit noch nicht sagen. „Wichtig ist aber auch, dass wir ein schnell ein Angebot machen, dass für Ärzte und Pflegekräfte attraktiv ist“, so Eckert. Bei lang andauernder Unsicherheit drohten diese sonst abzuwandern.

Klinikverbände im Land laufen mittlerweile bereits Sturm gegen die Bertelsmann-Studie. „Realitätsfern“, urteilt Elke Grote-Kühn, Geschäftsführerin des Verbandes Evangelischer Krankenhäuser Rheinland/Westfalen/Lippe. „So kann man am grünen Tisch planen. Aber die Strukturen in unserem Land sind historisch gewachsen. Wichtiger ist die Perspektive des Patienten.“. Die Diakonie als evangelischer Träger habe zudem bereits die Zahl der Kliniken in den letzten 20 Jahren um 16 auf nunmehr 71 Häuser reduziert.

„Das wird für die Patientinnen und Patienten Versorgung im Akkord bedeuten.“

Ingo Morell, stellvertretender Vorsitzender des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland kritisiert den Vorschlag der Studie ebenfalls: „Das wird für die Patientinnen und Patienten Versorgung im Akkord bedeuten.“ Auch Häuser der Grund- und Regelversorgung leisteten hohe Qualität und einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge.

Zu den kleineren Häusern gehören beispielsweise die Krankenhäuser in Emmerich und Wesel, die sich im Verbund „Prohomine“ zusammengeschlossen haben – und 2013 ihre Klinik in Rees aufgaben. „Gerade im ländlichen Raum sind Krankenhäuser Anker einer funktionierenden Gesundheitsversorgung“, so Sprecher Gerd Heiming. Sechs Zentren des Verbundes mit 700 Betten seien zertifiziert, das erreiche man nur mit hoher Qualität. Die Wirbelsäulenchirurgie in Emmerich sei in NRW die größte nicht-universitäre Einrichtung dieser Art. Zudem sei „Prohomine“ mit 3000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Region.

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