Große Koalition

Schlaflos in Berlin

Wenn die Autorin keine acht Stunden Schlaf bekommt, pro Nacht, nicht pro Woche, ist sie unausstehlich. Für die Politik wäre sie somit ungeeignet.

Ich sag jetzt hier mal nicht, ob ich die Kanzlerin mag oder nicht. Aber nach 24 Stunden Dauerverhandlungen vor die Kameras zu treten und fehlerfrei „Zukunftsinvestitionen durch Netzausbau für die Gigabit-Gesellschaft“ zu sagen, ringt einem zumindest Respekt ab.

Ich bin einmal vor langer Zeit 24 Stunden an Bord eines Flugzeuges wach geblieben, um etwas turbulent nach Australien zu fliegen und sah schon über Singapur aus wie meine eigene Großmutter.

In Sydney fiel ich während eines Sekundenschlafs mit dem Kopf in eine Pizza, und erst nach einer Woche war ich überhaupt in der Lage, Tag und Nacht zu unterscheiden. Und da war ich jung!

Nun hat die schlaflose Frau Merkel auch so ihre Tricks. Die Visagistin wurde geweckt, um ordentlich aufzulegen, und auch die Frisur sah aus, als hätte der Coiffeur die Rundbürste gerade noch rechtzeitig unter der forteilenden Kanzlerin wegziehen können. Ganz zu schweigen von der Wahl ihrer GroKo-Regierungsjacke – diesmal angemessen königsblau, die überall dort leuchtet, wo das Make-up nicht hinkommt.

Aber an ihren Verhandlungspartnern, allen voran Martin Schulz, sieht man dann doch, dass auch noch so erfolgreiche nächtliche Marathon-Sitzungen zunächst mal vor allem eines zeigen – einen Zombie-Teint mit dunkelrot-umflortem Leidensblick.

Was lehrt uns das? Politik an sich kann einfach nicht gesund sein. Aber wie bei so vielen anderen ungesunden Dingen im Leben – der Suchtfaktor ist hoch.

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