Extra 3

Kohl wird jetzt cool

So deftig wie in der Feldküche von Andreas Günzel darf der Grünkohl in den USA nicht serviert werden - die Hipster mümmeln die Blätter lieber roh.

Foto: Fischer

So deftig wie in der Feldküche von Andreas Günzel darf der Grünkohl in den USA nicht serviert werden - die Hipster mümmeln die Blätter lieber roh. Foto: Fischer

Die Amerikaner finden unseren guten alten Grünkohl glamourös. Angeblich hat das Gemüse heilende Wirkung - wenn man alle Kalorien vernichtet.

Falls Sie demnächst bei Tante Gisela zum Grünkohl-Essen eingeladen sind, kleiden Sie sich bitte nach der neuesten Mode: Sie sind ab sofort ein Hipster! Nein, wir wollen Sie nicht verkohlen. Das tiefgrüne Traditionsgemüse wird seit einiger Zeit zum Trendgericht hochgekocht.

Amerikanische Fitness-Gurus haben unseren guten alten Grünkohl zum „Superfood“ erklärt. Die „stärkste Vitamin-C-Bombe der Welt“ hilft nach Meinung der Gemüse-Gläubigen gegen Krebs, Diabetes, Demenz, Depressionen (Donald Trump würden viele gern mit auflisten, aber gegen den ist kein Kraut gewachsen). Jedenfalls serviert man Grünkohl, englisch „Kale“, in New Yorker Szene-Lokalen, Popstars tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Kale!“, sogenannte „Kalevangelisten“ fordern den „Nationalen Grünkohltag“, und selbst seriöse US-Zeitungen verbreiteten Panik, weil durch die brodelnde Nachfrage eine Kale-Knappheit drohte.

Die Amerikaner verzehren die bitteren Blätter übrigens roh, in Smoothies oder als Salat. Tante Giselas Gänseschmalz passt nicht zum neuen Glamour. So ist unser Hausmanns-Kohl nun ausgemergelt zum Karriere-Kale. Neuerdings verdorrt er auch bei 140 Grad im Ofen zu hippen Grüncool-Chips - das Rezept landet sicher in dem noch ungeschriebenen Kochbuch: Das jüngste Gericht.

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