Extra Drei

Ein Balkon für Jamaika

Balkone sind nicht nur schön, sondern auch für überraschend viel nützlich. Für wichtige Reden zum Beispiel, oder um politische Zeichen zu setzen.

Der Balkon an sich ist eine schöne Erfindung: man kann Pflanzen draufstellen und nett drauf sitzen. Er ist pflegeleicht und sogar als Urlaubsort geeignet. In Großbritannien, dessen Bewohner nicht erst seit ihrem Brexit-Votum als besonders skurriles Völkchen gelten, hat der Balkon eine ungleich repräsentativere Funktion. Bei besonders wichtigen Adels-Ereignissen versammelt sich darauf Familie Königs und winkt den royalen Fans – früher Untertanen genannt – würdevoll zu. Die zeitgeschichtlich Interessierten unter uns erinnern sich zudem noch an die legendäre Rede von Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag, die den Anfang vom Ende der DDR markierte.

Jetzt blicken wieder alle auf einen Balkon. Es ist ein Jamaika-Balkon, obwohl er in Berlin steht. Und es geht auf ihm weniger würdevoll als dienstlich-leger zu. Meistens wird dort kollektiv rumgestanden, und die versammelte Hauptstadtpresse darf argusäugig beobachten, wer da grade mit wem zusammen raucht, wer wen zur Begrüßung umarmt oder sich besonders angeregt unterhält. Auf so einem semi-offiziellen Balkon können politische Signale gesetzt werden. Also: Interpretieren wir den gelben Blazer von Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt als eine modische Vorliebe für leuchtende Farben oder als Annäherungsgeste an die FDP?

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