Einzelhandel

Greenpeace demonstriert in 52 Städten gegen "Billigfleisch"

Ein Metzger zerlegt Schweinekeulen (Symbolbild). 92,5% des von Supermärkten und Discountern unter Eigenmarken angebotenen Fleisches stammt laut Greenpeace von Tieren der Haltungsformen 1 und 2.

Ein Metzger zerlegt Schweinekeulen (Symbolbild). 92,5% des von Supermärkten und Discountern unter Eigenmarken angebotenen Fleisches stammt laut Greenpeace von Tieren der Haltungsformen 1 und 2.

Foto: Jan Woitas / dpa

An Rhein und Ruhr.  Aktivisten wollen Supermarktkunden an diesem Samstag über Tierwohlaspekte und die Folgekosten der Fleischerzeugung aufklären.

58,6 Kilo Fleisch verzehrt - rein statistisch - jeder Bürger in Deutschland. Auch wenn in diesem Jahr viel über Tierwohl gesprochen wurde, eine "Borchert-Kommission" ihre Ergebnisse zum Umbau der Nutztierhaltung vorlegte - und große Fleischbetriebe in der Coronakrise in der Kritik standen: 92,5% des Fleisches, das Discounter und Handelsketten als Eigenmarken anbieten, ist laut einer Abfrage der Organisation Greenpeace "Billigfleisch" der Haltungsformen 1 und 2.

Gegenüber einer Abfrage zu Jahresbeginn habe sich damit wenig bis gar nichts geändert, resümierte Stefanie Töwe, Agrarexpertin von Greenpeace, auf Nachfrage der Redaktion (16. Oktober 2020). "Bei den Diskussionen um Fleischerzeugung hat sich der Einzelhandel in diesem Jahr wegducken können, obwohl er als 'letztes Glied in der Kette' ein ganz wichtiges Element in der Preisgestaltung darstellt", stellte Töwe fest.

"Ein Schwein muss eigentlich acht Stunden wühlen können"

Greenpeace-Aktivisten wollen an diesem Samstag (17. Oktober 2020) in bundesweit 52 Städten demonstrieren und Supermarkt-Kunden ansprechen. In NRW sind Aktionen geplant in Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bonn, Dortmund, Essen, Köln, Paderborn und Wuppertal. Neben Tierwohlaspekten soll es darum gehen, dass Discounterpreise von z. B. 4.98 Euro fürs Kilo Schweine-Nackensteaks Folgekosten der Fleischerzeugung für die Umwelt gar nicht widerspiegelten. Zum Vergleich: Fürs Kilo Nackensteaks in Bio-Qualität waren beim gleichen Discounter zwölf Euro fällig.

Die Haltungsformen 1 und 2 reflektieren laut Greenpeace lediglich gesetzliche Mindeststandards - oder liegen nur unwesentlich darüber. "Einem Schwein stehen in Haltungsform 1 lediglich 0,75 qm Platz zur Verfügung, in Form zwei ist es ein DIN/A 4-Blatt mehr", sagte Töwe. Greenpeace und andere halten die beiden Haltungsformen sogar für tierschutzwidrig, weil sie zu wenig Platz böten und den Tieren nicht gerecht würden. "Ein Schwein muss eigentlich acht Stunden am Tag wühlen können und Liege- und Kotplatz voneinander getrennt haben", sagte Töwe.

Greenpeace: Fleisch aus Haltungsstufe 1 schnell aus den Regalen

Für die Abfrage hatte Greenpeace bei Kaufland, Aldi, Edeka, Lidl, Netto, Rewe und Penny schriftlich angefragt und überall auch detaillierte Antworten bekommen, was Töwe gegenüber der Redaktion ausdrücklich lobte. Fleisch der besseren Haltungsformen drei (2,8%) und vier (4,2%) wurde den Angaben zufolge kaum angeboten. Über die schriftliche Abfrage hinaus besuchten Greenpeace-Aktivisten auch bundesweit 297 Filialen und stellten den Angaben zufolge fest, dass an den Bedientheken die Haltungsform bei Schweinefleisch kaum gekennzeichnet wurde. Töwe will die Besuche als "Stichproben" verstanden wissen.

Während Lidl, Rewe und Penny zusagten, Schweinefleisch der Haltungsform 1 bis zum Jahr 2022 aus Regalen und Theken zu nehmen gab es laut Greenpeace von Netto, Edeka und Kaufland dazu keine Festlegung. Aldi will den Angaben zufolge 2021 damit beginnen, dieses Schweinefleisch nicht mehr anzubieten ("Phaseout ab 2021"). Beim Rindfleisch kündigten mehrere Ketten das bis zum Jahr 2025 an, beziehungsweise bis 2030. Geflügelfleisch wird laut Abfrage schon jetzt nicht mehr in Haltungsform 1 angeboten, Form 2 mit einen Anteil von 93,7% dominiert das Angebot.

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