Klimaprotest

Greenpeace-Aktivisten seilen sich am Kraftwerk Neurath ab

Das Kraftwerk Neurath: Mit einem CO2-Ausstoß von 32 Millionen Tonnen pro Jahr gehört es laut Greenpeace zu den klimaschädlichsten Meilern in Europa.

Das Kraftwerk Neurath: Mit einem CO2-Ausstoß von 32 Millionen Tonnen pro Jahr gehört es laut Greenpeace zu den klimaschädlichsten Meilern in Europa.

Foto: Oliver Berg / dpa

Rhein-Kreis Neuss.  Die Umweltorganisation Greenpeace drängt auf das erste Abschalten alter Braunkohleblöcke noch in 2019. Aktivisten besetzten Kühlturm von Neurath.

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Mit einer aufsehenerregenden Aktion am Braunkohlekraftwerk Neurath in Grevenbroich will die Umweltorganisation Greenpeace Druck machen, dass der Kohlekompromiss umgesetzt wird. Ein Dutzend Aktivisten hat sich an diesem Montag (18. November 2019) vom riesigen Kühlturm des Blockes A abgeseilt. In etwa 70 Metern Höhe entrollten sie ein „Abschalten“-Banner und pinselten ein großes, rotes „X“ auf den Turm.

Dem Vernehmen nach waren die Aktivisten über eine Steigleiter an mehreren Podesten auf den Turm hinaufgelangt. Neben dem Banner hatten sie 70 Liter Farbe dabei. Die Aktion zog sich etwas hin. „Wir haben etwas widrige Umstände“, sagte Karsten Smid von Greenpeace mit Blick auf Wind und Wetter. Ein RWE-Sprecher verurteilte die Aktion: „Diese Leute bringen sich in Gefahr!“

Der Kraftwerksbetrieb war den Angaben zufolge nicht beeinträchtigt. Laut Greenpeace waren insgesamt 25 Aktivisten auf dem Turm gewesen.. Polizei und Feuerwehr waren vor Ort. Polizisten nahmen die Personalien der Aktivisten auf, als diese am Nachmittag vom Kühlturm stiegen. RWE stellte Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

„Ein Hauen und Stechen“ bei den Abschaltverhandlungen

Klimaexperte Smid erinnerte im Gespräch mit der Redaktion daran, dass der Anfang des Jahres von der Kohlekommission vorgelegte Ausstiegskompromiss das schrittweise Abschalten von 3,1 Gigawatt Braunkohlekapazitäten schon bis zum Jahr 2022 vorsieht. Zehn Monate später sei aber immer noch kein einziger Block stillgelegt. Stattdessen verhandele Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit den Energiekonzernen immer noch über den Abschaltplan: „Da gibt es ein Hauen und Stechen!“

Laut Smid muss es bei den Abschaltungen bis 2022 um sieben ältere Braunkohlekraftwerksblöcke in NRW gehen. Konkret müssten noch in diesem Jahr die Blöcke A und B des Kraftwerks Neurath vom Netz ebenso wie der Block in C in Niederaußem. Mit einem CO2-Ausstoß von 32 Millionen Tonnen pro Jahr gehört das Kraftwerk Neurath zu den klimaschädlichsten Anlagen Europas. Der RWE-Sprecher erklärte dazu, im Kohlekompromiss sei von Abschaltungen noch in diesem Jahr nicht Rede. Lediglich die Marke „bis 2022“ werde genannt. Wie das konkret umzusetzen zu sei, darüber werde derzeit verhandelt, Die ganze Aktion sei von Greenpeace „völlig deplatziert“ gewesen, so der RWE-Sprecher.

Aktivisten wurden gegen 8.50 Uhr entdeckt

Greenpeace hatte sich Neurath schon mehrfach für Aktionen ausgesucht. Im November 2017 zum Beispiel projizierten Aktivisten den Schriftzug „Kohle zerstört unsere Zukunft“ auf den Kühlturm. Vor mehreren Jahren gab es auch schon mal eine Kühlturmbesetzung. Die Aktivisten müssen mit einer Strafanzeige rechnen, sagte der RWE-Sprecher. Entdeckt worden seien sie gegen 8.50 Uhr. Schon vorher sei aber klar gewesen, dass „da was im Busch ist“. Gegen sechs Uhr morgens habe man betriebsfremde Personen an einem Verteilerkreis vor dem Kraftwerk gesehen.

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