Kohlekompromiss

Geht Datteln IV doch noch ans Netz? Umweltschützer empört

Wegen einer langen Geschichte von Pannen hatte das Manager Magazin mal gefragt, ob Datteln IV (Foto) zum „BER der Kohle“ werde – eine Anspielung auf die Verzögerungen beim Flughafenbau in Berlin. 2020 soll der umstrittene Meiler nun ans Netz – trotz Kohleausstieg.

Wegen einer langen Geschichte von Pannen hatte das Manager Magazin mal gefragt, ob Datteln IV (Foto) zum „BER der Kohle“ werde – eine Anspielung auf die Verzögerungen beim Flughafenbau in Berlin. 2020 soll der umstrittene Meiler nun ans Netz – trotz Kohleausstieg.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Kreis Recklinghausen.  Trotz des geplanten Kohleausstiegs geht mit Datteln IV womöglich ein neues großes Kohlekraftwerk ans Netz. Der BUND warnt vor „einem Sündenfall“.

Umweltschützer sehen den Kompromiss zum Kohleausstieg in Gefahr, wenn im nächsten Jahr mit dem umstrittenen Meiler Datteln IV tatsächlich noch ein Kohlekraftwerk neu ans Netz gehen sollte. „Die Klimaziele würden in noch weitere Ferne rücken“, warnte Dirk Jansen vom Umweltverband BUND an diesem Sonntag (3. November 2019) im Gespräch mit der Redaktion.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete vor wenigen Tagen, dass das Bundeswirtschaftsministerium mit Betreiber Uniper keine Gespräche mehr über eine viele Millionen Euro teure Entschädigungslösung führe. „Datteln IV kann in Betrieb gehen“, wurde ein namentlich nicht genannter Regierungsvertreter zitiert. Stattdessen sollten mehr alte Kohlemeiler vom Netz genommen werden.

Kohlekommission empfahl Verhandlungslösung

Die Agentur DPA berichtete, dass laut Strombörse EEX der erste Schritt der sogenannten Netzsynchronisation für Datteln IV für Januar vorgesehen sei. Uniper wolle den Meiler im Sommer 2020 in Betrieb nehmen. Spätestens 2038 muss Datteln IV aber laut Kompromiss zum Kohleausstieg vom Netz.

Dirk Jansen vom BUND in Nordrhein-Westfalen hält die sich abzeichnende Inbetriebnahme von Datteln IV für einen „fatales Signal“. Für „bereits gebaute, aber noch nicht im Betrieb befindliche Kraftwerke“ hatte die Kohlekommission eine Verhandlungslösung mit den Eigentümern gefordert, damit die Meiler nicht mehr ans Netz gehen: ein ausschließlich auf Datteln IV gemünzter Passus.

Jährlich bis zu 8,4 Millionen Tonnen CO2

Das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands sollte bereits 2011 ans Netz gehen. Wegen schwerer Planungsmängel und technischer Probleme verzögerte sich die Inbetriebnahme von Datteln IV immer wieder. Der aus Eon hervorgegangene Betreiber hat 1,5 Milliarden Euro in die 1100 Megawatt-Anlage investiert, die auch Strom für die Bahn AG erzeugen soll. Umweltschützer und Anwohner sind juristisch gegen das Projekt vorgegangen. Aktuell schwebt noch rund ein halbes Dutzend Klagen. Die Verfahren ruhen, weil sie von gerichtlichen Entscheidungen zum benachbarten Kraftwerk Lünen abhängen.

Umweltschützer hoffen, dass es doch noch zu einer Verhandlungslösung für Datteln IV kommt. Dirk Jansen vom BUND erinnerte daran, dass die Bundesregierung den Kohlekompromiss doch 1:1 umzusetzen wolle. Eine Inbetriebnahme wäre „ein Sündenfall und wir befürchten, dass weitere folgen könnten, wenn es um die Abschaltung von Kraftwerken geht“. Für Datteln IV seien jährliche Emissionen von bis zu 8,4 Millionen Tonnen des Klimagases CO2 beantragt.

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