Nahverkehr

Flickenteppich mit System: So tickt der Nahverkehr im Revier

Essen.  13 kommunale Betriebe teilen den Nahverkehr der oft beschworenen „Metropole Ruhr“ unter sich auf. Wir erklären, welches System dahintersteckt.

Eine Grafik sagt mehr als Tausend Worte: Wer auf das obige Bild blickt, weiß sofort, warum in der Debatte um den Nahverkehr im Ruhrgebiet so oft von Flickenteppich und Kleinstaaterei die Rede ist. Sage und schreibe 13 kommunale Betriebe teilen den Nahverkehr der oft beschworenen „Metropole Ruhr“ unter sich auf. Weitere sechs Bahnunternehmen befahren das regionale Schienennetz, das sie sich zudem noch mit dem Fernverkehr teilen müssen.

Zu allem Überfluss sind die örtlichen Stadt- und Straßenbahnen auf verschiedenen Gleisbreiten unterwegs – sogar innerhalb einer Stadt. „Alles Sünden der Vergangenheit“, die die Zusammenarbeit der Nahverkehrsbetriebe erschwere, sagte dazu einmal der scheidende Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), Martin Husmann. Immerhin: Mit dem VRR gibt es sie, die ordnende Hand im Nahverkehr an Ruhr und Rhein.

VRR ist nicht deckungsgleich mit dem Ruhrgebiet

Der 1980 gegründete VRR sorgt nicht nur für ein einheitliches Tarifsystem in einem Verbundgebiet, das mit rund acht Millionen Einwohner den Vergleich mit London oder Paris nicht scheuen muss. Er organisiert auch den städteübergreifenden Regionalverkehr auf der Schiene, ohne den die rund eine Million Binnen-Pendler im Revier vollkommen aufgeschmissen wären (und das Autobahnnetz sicher Tag für Tag zusammenbrechen würde): Alle S-Bahnlinien, Regionalexpresse und -Bahnen fahren im Auftrag des Verbundes.

Alles Sünden der Vergangenheit.

Martin Husmann, VRR-Vorstandssprecher, über die Zersplitterung der Region im Nahverkehr

Was den Flickenteppich-Effekt noch etwas größer macht: Das VRR-Gebiet ist nicht einmal deckungsgleich mit dem Ruhrgebiet. Im Westen reicht die Tarifzone bis zur niederländischen Grenze, im Süden bis Dormagen. Im Osten aber gehören die Revierstadt Hamm und der Kreis Unna schon zum Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL).

Mit rund 1,15 Milliarden Fahrgästen im Jahr ist der VRR allerdings der größte Nahverkehrsverbund Europas. Doch anders als etwa die im zweitgrößten deutschen Ballungsraum operierende Berliner Verkehrsgesellschaft ist der Verkehrsverbund kein operatives Unternehmen, sondern eine Art Dach-Organisation für seine Mitgliedsunternehmen. Die wiederum sind allesamt eigenständig und kommen zusammen auf knapp 15 000 Beschäftigte: Bus- und Straßenbahnfahrern, Verwaltungsangestellten und Technikern.

VRR testet digitales Ticket im Nahverkehr

Der VRR testet für 18 Monate im gesamten VRR-Gebiet das elektronische nextTicket.
VRR testet digitales Ticket im Nahverkehr

170 Mitarbeiter in der VRR-Zentrale

In der VRR-Zentrale arbeiten dagegen gerade einmal 170 Mitarbeiter. Dennoch läuft auf ein paar Büro-Etagen in einem schmucklosen Gelsenkirchener Innenstadtgebäude, vieles zusammen. Etwa das Geld: 1,24 Milliarden Euro an Ticketerlösen bilanzierte der VRR im Auftrag seiner Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr.

Auskömmlich sind die Einnahmen jedoch nicht. Der in Deutschland mit dem Anspruch flächendeckender Grundversorgung und sozialverträglicher Ticketpreise antretende ÖPNV kommt gewöhnlich ohne öffentliche Mittel nicht aus. Rund 556 Millionen Euro Zuschuss mussten die 24 VRR-Städte und -Kreise laut VRR-Verbund-Bilanz 2016 zahlen.

Wo die Essener hinpendeln - und wer nach Essen pendelt

Die Karte zeigt, wie viele Pendler täglich von Essen in andere Städte und von anderen Städten nach Essen fahren (Quelle: IT NRW, Stichtag: 30. Juni 2016). Darstellung zu klein? Hier finden Sie die Karte in groß. Nicht ihre Stadt? Wir haben die Pendlerströme auch für die folgenden Städte visualisiert: Mülheim, Gelsenkirchen, Oberhausen, Dortmund, Duisburg.

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