Lebensmittel

Döner darf im Imbiss oft gar nicht „Döner“ heißen

Symbolbild. Der Begriff Döner bedeutet Drehspieß. Doch im Lebensmittelrecht gibt es gravierende Unterschiede.

Symbolbild. Der Begriff Döner bedeutet Drehspieß. Doch im Lebensmittelrecht gibt es gravierende Unterschiede.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Essen.  Was in Döner steckt, ist genau geregelt. Viele Imbisse dürfen Döner unter diesem Namen gar nicht anbieten. Kontrollaktion zeigte viele Verstöße.

In vielen Imbissbuden im thüringischen Weimar dürften Kunden demnächst verwirrt auf die Speisekarten blicken: Statt „Döner“ werden sie dort „Drehspieß“ lesen. Lebensmittelkontrolleure in der Stadt hatten jüngst in vielen Betrieben festgestellt, dass der dort servierte „Döner“ nicht den Vorschriften entspricht und umzubenennen ist. Das ist auch in NRW passiert.

Bei einer NRW-weiten Schwerpunkt-Kontrolle der örtlichen Verbraucherschutzbehörden war in einem Drittel aller kontrollierten Imbiss-Betriebe die Auszeichnung "Döner" falsch. Dies teilte das Landesamt für Umwelt und Verbraucherschutz jetzt auf Nachfrage mit. Das gesamte Ergebniss der Kontrollaktion müsse jedoch noch ausgewertet werden, hieß es.

Döner gehört neben Currywurst, Schnitzel oder Hamburgern beim Fast Food zu den beliebtesten Mahlzeiten bundesweit. „Der Ursprung liegt sicherlich in Anatolien“, schreibt ein Döner-Produzent aus Mönchengladbach. „Döner“ leite sich vom türkischen Verb „dönmek“ ab und bedeutet „sich drehen“; Kebap bedeutet gebratenes Fleisch - zusammengesetzt steht Döner Kebap also für „sich drehender Spieß mit Fleisch“.

Ein Döner besteht zum Großteil aus Fleischstücken

Wenn Döner letztlich „Drehspieß“ bedeutet, mag es verwunderlich wirken, dass Lebensmittelkontrollbehörden gar von Verbrauchertäuschung sprechen, wenn Döner nicht dem Original Rezept entspricht. Doch was den Namen Döner Kebap bei uns tragen darf, ist genau geregelt.

In den fast 70 Seiten umfassenden „Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse“ im deutschen „ Lebensmittelbuch “ ist seit 1997 auch festgehalten, was als Döner zu verstehen ist: Ein Fleischspieß bestehend aus Fleischstücken von Schaf oder Rind, Huhn oder Pute, die zu höchstens 60 Prozent als Hackfleisch verarbeitet und beim Geflügel höchstens 18 Prozent Haut beinhalten dürfen. Dieses Fleisch darf nur mit Salz, Eiern, Gewürzen, Öl, Zwiebeln, Milch und Joghurt abgeschmeckt sein.

Wie der „Döner“ zum „Drehspieß“ wird

Wird mehr Hackfleisch verwendet, muss Döner als „Hackfleischzubereitung am Spieß“ ausgewiesen sein, oder als „Drehspieß“; was der Wortbedeutung nach keinen Unterschied zum Begriff Döner macht. Zusatzstoffe, wie etwa Phosphat, geben dem „Drehspieß“ eine bessere Konsistenz, sind aber im „Döner“ laut Lebensmittelbuch untersagt.

Der wesentliche Unterschied zwischen Döner und Drehspieß ist ein anderer, sagt ein Experte: Es geht ums Geld. Ein original Döner ist im Gegensatz zu einem Drehspieß um 50 bis 60 Prozent teurer, sagt der Betriebsleiter eines Dönerherstellers in Moers, der seinen und den Firmennamen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte. Der Hersteller gehört nach eigenen Angaben zu den größten Döner-Produzenten bundesweit, mit mehreren Dutzend Tonnen Tagesproduktion. Vertrieben werden Dönerspieße von Moers aus europaweit, darunter in Spanien, Italien und Österreich.

In Imbissen steht oft „Döner“ auf der Karte, der keiner ist

Beim Moerser Hersteller geht der Betriebsleiter davon aus, dass es „so gut wie keinen Produzenten bei uns gibt, der einen Leitsatz-konformen Döner herstellt“. Gleichwohl: In Imbissen stehe in der Regel „Döner“ auf der Karte, „weil sich der Begriff bei uns einfach eingebürgert hat“.

Bei dem Moerser Produzenten sei jedoch klar, dass man nicht Gefahr laufen wolle, behördliche Vorgaben zu missachten. Deshalb ist das Unternehmen mit Blick auf sein Produktangebot konsequent: Der Begriff „Döner“ taucht nur im Firmennamen auf, aber nicht auf der Produktliste. Im Programm gibt’s nur „Drehspieß“, in zehn Varianten mit verschiedenen Gewürznoten und Fleischsorten - und die in unterschiedlicher Ausführung von „fein-“ über „grob zerkleinert“ bis zu „ganzen Stücken“. Inwieweit Imbissbetreiber die Bezeichnung „Drehspieß“ übernehmen, liege in deren Verantwortung, heißt es bei dem Produzenten.

Warum ein „Drehspieß“ saftiger als ein Döner sein kann

In Schwerpunkt-Kontrollen hatten Lebensmittelbehörden zuletzt auch in NRW verstärkt Döner-Imbisse untersucht. Insgesamt waren 311 Imbissbetriebe landesweit durch örtliche Ämter besucht worden, die dort unter anderem Fleischproben nahmen. In 100 Betrieben war Döner jeweils falsch ausgezeichnet und entsprach nicht den Leitsätzen. Die Kontrollen waren vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für das Jahr 2018 den Behörden in allen Bundesländern nahe gelegt worden waren. Die offiziellen Ergebnisse stehen jedoch noch aus, hieß es dort. Bundesweit gibt es laut Hotel- und Gaststättenverband insgesamt 35.000 "Imbissstuben"; laut Zahlen von Fleisch-Produzenten sind davon 18.000 Betriebe, die Döner anbieten.

Ob Verbraucher tatsächlich getäuscht werden, wenn sie Döner bestellen, aber „Drehspieß“ bekommen, dürfte in erster Linie eine lebensmittelrechtliche Frage sein; und eine wirtschaftliche mit Blick auf Imbissbetreiber. Geschmacklich dagegen dürften „Drehspieße“ aus Sicht von Hans Peter Riedmiller sogar im Vorteil sein. Riedmiller ist Lebensmittelkontrolleur und Vorsitzender des Verbandes der Lebensmittelkontrolleure in NRW. Er meint: „Ein Hackfleischspieß kann saftiger sein als ein Spieß aus Fleischstücken“. Der Grund: „Hackfleisch bindet mehr die Feuchtigkeit“.

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