Laufen und Wandern

Die Treppe

So sieht die Himmelsleiter aus der Entfernung aus. Imposant.

So sieht die Himmelsleiter aus der Entfernung aus. Imposant.

Foto: NRZ

Neukirchen-Vluyn.   359 Stufen, immer geradeaus. Aber keine Bange, man kann die Halde Norddeutschland auch gemütlich hochwandern. Der Lohn: ein traumhafter Blick über den Niederrhein. Vom Haldentop in Neukirchen-Vluyn

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Es gibt eigentlich nichts, was einfacher ist, als die Wegbeschreibung unserer ersten Laufstrecke. Geradeaus und immer nach oben. Allerdings knallt diese Route so richtig schön rein, wie es der Volksmund nicht nur unter Sportlern sagt. Gemeint ist die Himmelsleiter der 102 Meter hohen Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn. Die Treppe.

Gefürchtet bei zahlreichen Mitgliedern der umliegenden Sportvereine von Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort und Moers.

Gefürchtet auch bei Wanderern und Spaziergängern, die auf einen atemberaubenden Ausblick über einen Teil des Niederrheins partout nicht verzichten wollen. Gefürchtet auch bei Familienvätern, die ihren Nachwuchs und schweißtreibend auf dieser Strecke tragen müssen. Egal ob auf- oder abwärts.

Trainingsstrecke für Sportprofis

Dabei ist es nicht einmal ein Neukirchen-Vluyner, der die Himmelsleiter mit ihren Vorzügen, Nachteilen, Eigenarten und Aufteilung der zu absolvierenden 52 Höhenmeter kennt wie kaum ein anderer. Torsten Voss heißt er, wurde am 24. März 1963 in Güstrow geboren, als es noch zwei „Deutschlands“ gab, wurde 1987 in Rom Weltmeister im Zehnkampf und holte ein Jahr später in dieser Leichtathletik-Mehrkampf-Disziplin Silber bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul.

Dazu kamen bei Weltmeisterschaften noch zwei Bronze (1995, 1996), einmal Silber (1997), sowie bei Europameisterschaften zweimal Gold (1998, 2001), einmal Silber (1996) und dreimal Bronze (1997, 1999, 2002) dazu. Die sechs Medaillen holte Voss allerdings als Anschieber im Bob von bei Harald Czudaj, Wolfgang Hoppe, Dirk Wiese und Matthias Benesch. Natürlich ist Torsten Voss aber nicht mit dem Bob die Himmelsleiter runter gefahren.

Die 359 Stufen hat der vielseitige Top-Sportler in einer ganz anderen Funktion genutzt. Als Zehnkampf-Trainer beim SC Bayer 05 Uerdingen. Und da gehörte auch Michael Schrader zu seinen Schützlingen. Bevor der 2010 Deutscher Meister wurde und 2013 WM-Silber holte, stand er auf der Treppe. „Wir haben dort Grundlagenausdauer, Sprungkraftausdauer und auch Schnellkraft trainiert“, erinnert sich Voss. Immerhin sei die Himmelsleiter gerade beim Sprungtraining gelenkschonend, wenn die Stufen von unten nach oben genommen werden. „Das verkürzt eben den Weg, bis man wieder aufkommt“, begründet Voss.

Er kennt die fünf einzelnen Treppenbereiche aus dem Effeff. Kann etwas über das Anforderungsprofil der einzelnen Abschnitte erzählen, über die Längen, Steigungen und entsprechend übers Gefälle. Allerdings sind diese exakten Angaben eher etwas für Leistungssportler als für Spaziergänger. Die können die Himmelsleiter aber auch bewältigen, sollten sich genügend Zeit und Pausen dafür gönnen. Und wenn es allzu schwierig ist, bietet die Halde Norddeutschland auch Wege außen herum, der zwar deutlich länger, aber bei weitem nicht so steil sind wie die Treppe.

Panoramaweg für Wanderer

Die schwierigste davon ist etwa sieben Kilometer lang, der einfachste deutlich kürzer, führt aber auch nicht zum „Gipfel“. Doch das lohnt sich allemal. Und wer beim Weitblick nicht ruhig stehen bleiben möchte, kann den 600 Meter langen Panoramaweg nutzen.

Für den Kamp-Lintforter Hannes Hücklekemkes, dem früheren Bundestrainer der weiblichen U18- bis U23-Hürdensprinterinnen und aktueller Trainer vom „Team Niederrhein“, ist die Himmelsleiter kein gutes Pflaster zum Training. Aber nicht, weil er Torsten Voss widersprechen möchte. „Ich finde es schwierig, sich auf darauf zu konzentrieren, die Stufen kontrolliert zu laufen“, spricht er das Verletzungsrisiko beim Training an.
Die Halde Norddeutschland heißt zwar so, liegt aber ganz im Westen Deutschlands, im Neukirchen-Vluyner Stadteil Dong, im Dreieck zwischen Kamp-Lintfort und Moers, direkt an der Autobahn A57. Nach der Abfahrt Moers-Hülsdonk/Neukirchen-Vluyn geht es über die L474 Richtung Rheurdt. Auf der rechten Seite liegt der ausgeschilderte Parkplatz – Ausgangspunkt zum Aufstieg.

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