Admiral-Scheer-Brücke

Die einst schönste Brücke über den Rhein: in Homberg

Die ehemalige Admiral-Scheer-Brücke, der Vorgängerin der heutigen Friedrich-Ebert-Brücke über den Rhein in Duisburg.

Die ehemalige Admiral-Scheer-Brücke, der Vorgängerin der heutigen Friedrich-Ebert-Brücke über den Rhein in Duisburg.

Foto: Freundeskreis Historisches Homberg

Am Niederrhein.  Heute gibt es die Friedrich-Ebert-Brücke. Früher gab es die Admiral-Scheer-Brücke. Zwischen Homberg und Ruhrort. Werner Böcking erinnert sich.

Eine gewaltige Detonation vom 4. auf den 5. März 1945 setzte die Menschen in Angst und Schrecken. Deutsche Soldaten sprengten auf ihrem Rückzug von Holland her die einmalig schöne Rheinbrücke von Homberg nach Duisburg-Ruhrort.

Die Admiral-Scheer-Brücke stand von 1907 bis 1945. Nach ihrem Einsturz war meine kaufmännische Lehre in Duisburg beendet.

Schiffsfähren über den Rhein waren so schnell nicht zur Stelle. Die mussten erst eingerichtet werden. Als sie dann später fuhren, die „Ruhrort“, die „Niederrhein“, musste sich erst alles einpendeln, ehe wieder normale Verhältnisse eintraten. Aber es waren reine Personenfähren, und die Baerler Bauern konnten weder Pferdekarren noch Autos herüberbringen, um den Ruhrorter Markt zu beleben.

Entsprechende Verhandlungen über den Bau der Brücke gingen auf das Jahr 1872 zurück. Der Homberger Bürgermeister Lauer war der führende Mensch. Sein Amtskollege Weinhagen war von gleicher Gesinnung. Am 14. Februar 1896 wurde ein Gesuch nach Berlin geschickt und um Zustimmung gebeten.

Der noch erhaltene Hebeturm in Homberg zeugt noch heute von einstiger Trajekttätigkeit zwischen beiden Ufern. Ruhrort hat seinen Turm 1992 abgerissen. Der Untergrund war zu schlecht.

Zwischen beiden Türmen waren einst zwei Dampffähren in Betrieb, die Gespanne transportierten. So konnte 1904 mit dem Brückenbau begonnen werden. Auch eine Straßenbahn sollte die neue Brücke befahren, um beide Städte besser zu verbinden.

38 Jahre wurde die Admiral-Scheer-Brücke genutzt, dann fiel sie dem Kriegsende des „tausendjährigen Reiches“ zum Opfer. Sie hatte damals 6.607.002,00 Reichsmark gekostet. In Worten: mehr als sechs Millionen Reichsmark.

Ich kannte zwar den Namengeber der Brücke, aber was es mit dem Militär-Menschen genau auf sich hatte, wusste ich lange Zeit nicht. Endlich wollte ich es herausbekommen.

Wer war Admiral Scheer?

Bei einem Blick in einen alten Duden der 1970er Jahre kam ich nicht weit. Da las man: „Scheer, Reinhard, geb. 1863, gest. 1928, dt. Admiral, 1916 Chef der Hochseeflotte, 1918 Chef des Admiralstabs, kämpfte erfolgreich in der Skagerrakschlacht.“

Das war sehr knapp, aber besser wie nichts. Es gibt sogar ein Foto von ihm, das ihn als einen modernen Offizier zeigt. Erst in meinem 89. Lebensjahr wurde es mir möglich, seinen Lebenslauf näher zu erforschen – auch ohne Internet. Junge Leute machen es sich einfacher, für mich in diese neue Technik nichts mehr.

Das war die Vergangenheit und es gilt, einen kleinen Nachtrag beizufügen, der mich persönlich betrifft.

Da mein Vater im Februar 1936 an doppelter Lungenentzündung erkrankte und am elften Tag in Ruhrort starb, war ich mit sieben Jahren schutzlos dieser Welt ausgeliefert.

Wir mussten die schöne Werkswohnung verlassen, wo wir uns in dem großen Park so wohl fühlten, weil Mutter die Putzstelle nicht bekam, was andere Frauen verhinderten und manches mehr. Wir zogen wieder herüber nach Homberg-Essenberg, dem Ort meiner Geburt, um dort in zwei Zimmern zur Miete zu wohnen.

Haus statt Boot

Da von Vaters Tod noch etwas Geld ausstand, überlegte meine Mutter, wie man es am besten anlegen konnte: Bruder Albert ein neues Schiff kaufen, oder ein Haus bauen?

Albert war wie Vater Schiffer von Beruf, und er war bei Vaters Tod einer der ersten Soldaten des Dritten Reiches. Er wurde in Regensburg Pionier wie sein Vater. Da aber drei Jahre später wieder Krieg ausbrach, wäre ein Schiff nutzlos gewesen.

Mutter entschied ein Haus zu bauen. Da hatten wir alle was von. Es wurde in Homberg auf der Bergstraße in zwei Jahren erstellt. 1938 zogen wir ein. Ich freute mich, in einem so schönen neuen Haus zu wohnen. Hier konnte ich meinen Ruderrenner benutzen, da die andere Bürgersteigseite bereits plattiert war.

Ich hatte mit meinen neun Jahren den Garten zu ordnen, musste Kohle in den Keller fahren oder schaufeln und war vollauf beschäftigt. Oftmals fuhr ich mit dem Ruderrenner nach Ruhrort, um bei der Familie Frütel anzuklopfen, deren Mann mein Vater in Arbeit brachte, als die Zeiten schlecht waren.

Ich hütete dieses Spielzeug wie meinen Augapfel. In der Fernsehsendung des ZDF, „Bares für Rares“, wurde 2018 ein solcher Ruderrenner gezeigt, noch gut erhalten. So habe ich meinen alten Spielgefährten aus den 1930er Jahren nochmals kennengelernt.

>> INFO: Über unseren Gastautor

31 Bücher, mehr als 460 Geschichten und 860 Gedichte: Werner Böcking, 90, ist der Niederrhein-Chronist. Eine Auswahl: „Die Römer am Niederrhein“, Klartext-Verlag, Essen (1974) – Standardwerk, fünfte Auflage. „Schiffe auf dem Rhein in drei Jahrtausenden“, Steiger-Verlag,Moers (1979) – noch ein Standardwerk. „Fähre im Nebel und andere niederrheinische Erzählungen“,Boss-Verlag, Kleve(1984) – ein Muss für Anrheiner. „Xanten – Bildereiner alten Stadt“,Boss, Kleve (1989) – über seine zweite Heimat. „In das Licht des Lebens“,Boss-Verlag, Kleve (2009) –Autobiografie. „Gustav Ruhnau. Leben und Werk“, Books on Demand(2010) – „mein bestes Buch“. Erhältlich im Handel oder übers Antiquariat.

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