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Zugverkehr im VRR - Das ewige Pünktlichkeits-Problem bleibt

Immer noch gibt es im VRR-Gebiet erhebliche Defizite bei der Pünktlichkeit.

Foto: Matthias Graben

Immer noch gibt es im VRR-Gebiet erhebliche Defizite bei der Pünktlichkeit.

An Rhein und Ruhr.   Baustellen, Überholmanöver, zu lange Ein- und Ausstiegszeiten: Im VRR-Regionalverkehr bleibt die Pünktlichkeit weiterhin auf der Strecke.

Martin Husmann ist beruflich gewissermaßen auf der Zielgeraden angekommen; Ende 2018 geht der seit 15 Jahren für den Schienennahverkehr zuständige Vorstand des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) in den Ruhestand. Aber viele Dinge, die er anschieben wollte, sind zumindest auch 2017 noch nicht in die Gänge gekommen.

Sicher, es gibt – seinem Mantra folgend – deutlich mehr Wettbewerb auf der Schiene im VRR-Gebiet. Die Bahn ist keineswegs mehr Platzhirsch bei den S-Bahnen und Regionalzügen. Inzwischen sind sieben verschiedene Verkehrsunternehmen zwischen Lünen und Langenfeld mit ihren Zügen am Start. Zuletzt etablierte sich am Niederrhein das Unternehmen Vias, das zwischen Bedburg und Düsseldorf sowie zwischen Dalheim und Mönchengladbach fährt. „Das ist“, findet Husmann, „problemlos gelaufen.“ Und im Dezember startet ja auch die erste RRX-Linie, betrieben von Abellio.

Beim Nachtangebot gibt es ebenfalls Lichtblicke: Es wurde bis deutlich nach Mitternacht ausgeweitet – eine „klare Qualitätsverbesserung“, findet Husmann. Jedoch räumt er ein, dass es noch hakt bei der Anbindung an städtische Busse.

Was der VRR-Chef mit Blick auf den Qualitätsbericht vorträgt, treibt ihm jedoch Zornesröte ins Gesicht. Die Pünktlichkeit hat über alle Linien gesehen nachgelassen. Besonders schlimm traf es wieder mal die wichtigen Linien: Vor allem der RE1 und die RE5 bummeln ihrem Fahrplan mit unschöner Regelmäßigkeit hinterher.

Die Gründe für das Pünktlichkeitsproblem, von dem eigentlich nur die S-Bahnen ausgenommen sind (im Schnitt eine Minute zu spät), sind mannigfaltig. Zum einen gibt es viele Baustellen, die wegen der lange vernachlässigten Infrastruktur jetzt in Massen den Verkehr aufhalten. Zudem sorgen nach VRR-Einschätzung die Betriebsleiter der Bahn für Verspätungen der Regionalzüge, weil sie ICE-Zügen die Überholspur übermäßig oft freigeben. Die Lage beim Lokführermangel hat sich nach Husmanns Angaben etwas entspannt. Dafür gibt es aber ein neues Praxis-Problem: lange Ein- und Ausstiegszeiten, weil die Züge überfüllt sind.

„Werkstattproblem“ bei der Bahn

Gerade DB Regio sei 2017 viel zu oft mit weniger Waggons unterwegs als eigentlich vertraglich geregelt. Das nehme in Stoßzeiten mitunter dramatische Züge an – wenn in einem Regionalexpress schon unter normalen Umständen mehr als 1000 Fahrgäste einsteigen, aber nur 720 Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Husmann hat gerade bei der Deutschen Bahn in diesem Zusammenhang ein „Werkstattproblem“ ausgemacht. Es gebe tarifvertragliche Regeln, wonach bestimmte Mitarbeiter nur bestimmte Zugtypen warten dürfen. Die Folge: Es kann passieren, das ein Waggon oder ein Zug in die Werkstatthalle rollt, aber es kümmert sich keiner der durchaus vorhandenen Mitarbeiter um ihn.

Wieder mehr Fahrgäste

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) meldet einmal mehr steigende Fahrgastzahlen. Im vergangenen Jahr konnte die Zahl der zurückgelegten Fahrten demnach auf 1,151 Milliarden gesteigert werden – ein Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings liege man damit etwas unter dem bundesweiten Zuwachs bei den Fahrgastzahlen bei Bussen und Bahnen, hieß es gestern bei der Präsentation der Bilanz.

Die Einnahmen durch Fahrscheine stiegen im Vergleich zu 2016 um 2,1 Prozent auf insgesamt 1,264 Milliarden Euro. Der VRR hatte damit, verglichen mit dem Vorjahr, rund 26 Millionen Euro mehr in der Kasse. Nach wie vor spülen Stammkunden das Gros der Einnahmen in die VRR-Kasse. Deren Anteil liegt bei 76 Prozent. Jeder vierte Bürger im VRR-Terrain sei Dauerkunde, stellte der Verbund weiter fest.

Der für Tarifangelegenheiten zuständige VRR-Vorstand José Luis Castrillo betonte, nach der Testphase für das elektronische Nextticket werde spätestens im Herbst entschieden, wie es bei diesem Angebot weitergehe.

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