NRZ-Bankgeheimnis

Als ich plötzlich mit Greta durch eine endlose Wüste lief

Gestern in der Wüste. Greta erschien unserem Reporter Matthias Maruhn.

Gestern in der Wüste. Greta erschien unserem Reporter Matthias Maruhn.

Foto: Rottmann/Fischer/dpa

Ein kleiner Albtraum zu den Feiertagen: Wie sich ein Reporter doch tatsächlich für seine Jugendsünden in Sachen Umweltschutz rechtfertigen muss

Die Sonne brennt mir Löcher in Haut und Hirn. Das letzte Wasser ist getrunken, und ich torkele, als ob es Schnaps gewesen wär. Dann sehe ich die Bank. Eine Bank in diesem wüsten Nichts? Ich lasse mich dankbar fallen und höre über mir eine Stimme. Sie gehört einer sehr jungen Frau mit Zöpfen. Ich kenne sie. Du bist doch diese Greta, das Umwelt-Mädchen aus Norwegen, richtig? „Aus Schweden. Ich erscheine dir in diesem Traum als schlechtes Gewissen.“ Ich denke an die Lenor-Werbung meiner Jugend, sag aber nichts, da sie die gewiss nicht kennt. Nun gut, aber warum muss der Traum denn in so einer verdammten Wüste spielen? „Es soll schon ein Albtraum sein. In einer feindlichen Welt, wie ihr sie gerade schafft. Und weil du, mein alter Freund, auch nicht genug für unsere Umwelt getan hast, oder?“ Ich stutze. Äh. Ich hab mehrfach die Grünen gewählt, wende ich halbherzig ein. Sie macht ein Gesicht wie auf dem kleinen Foto. Ich schweige dann mal besser.

Mit dem R 4 Kastenwagen quer durch Europa

Greta nimmt die beiden Enden ihrer Zöpfe, hält sie aneinander und vor meinen Augen flirrt die heiße Luft, wird zu einem Hologramm. Ich sehe ein Auto, einen R 4 Kastenwagen, der Fahrer bin ich. Ganz jung. Ich stecke mir eine Zigarette an der vorherigen an, schnipse die Kippe aus dem Fenster und sage zum Beifahrer: „Lämpchen leuchtet schon wieder rot. Die Karre verbraucht locker zwei Liter Öl.“ Greta zieht für mich Bilanz: Du bist damals in den 70ern mit deinen Karren hunderttausend Kilometer quer durch Europa gefahren. Aus Jux und Dollerei“ Hm. Kommt hin. Ich war jung, wir nannten es Urlaub. Später handelte ich durchaus umweltbewusster...

Greta schaltet mit den Zöpfen um. Neuer Film. Wieder ich, etwa 45 Jahre alt, ich sitze im Flugzeug, trinke Tomatensaft und mache ein wichtiges Gesicht. Wieviel Kilometer, frage ich ergeben. „Gut 300.000 bist du um die Welt gejettet, mein dickes Klimakillerchen. Komm mal mit, ich hab noch was Schönes für dich.“ Ich stehe neugierig auf und abrupt am Rand eines Grand Canyons. Himmel, was ist das? „Dein ökologischer Fußabdruck.“ Also, jetzt übertreibt sie aber. Ich hab Müll getrennt, früh Energiesparlämpchen reingedreht, überhaupt, was kann ich kleines Licht schon ausrichten im Vergleich zum Ami oder zum Chinesen. Greta dreht sich um. „Ich bin nicht naiv. Albtraum heißt auf englisch nightmare, auf chinesisch Meng Yan. Ein gutes schlechtes Gewissen spricht viele Sprachen. Ich spuke in jedermanns Kopf. Früher oder später.“

Die Tiere, die ich in die Pfanne gehauen habe

Wir kommen an eine Weggabelung. „Jetzt musst du dich entscheiden.“ Ich schaue nach rechts. Staubig sieht es aus. Knochen bleichen in der Sonne. Ich erkenne die Kadaver von Kühen, Schweinen, vielen Hühnern. Lass mich raten, die Tiere, die ich in die Pfanne gehauen habe, stimmt’s? Sie nickt. Ich blicke nach links. Am Horizont ist Grün zu sehen. Bäume, Gras, ein See, das Gesicht meiner Frau... Aber nein, das Gesicht ist real. Meine Frau rüttelt an meiner Schulter. „Du hast im Schlaf gesprochen. Von einer Frau. Von einer Greta, Bürschchen.“ Sie grinst. Ich setze mich auf. Ich muss dir schnell die Essenz meines Traums erzählen, bevor ich alles vergessen habe. Also: An der Weggabelung müssen wir nach... Verdammt.

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