Anschlag auf Naki

Nach Mordversuch: Türkische Nationalisten drohen Deniz Naki

Deniz Naki (m.) im vergangenen November während eines Pressestatements im türkischen Diyarbakir.

Deniz Naki (m.) im vergangenen November während eines Pressestatements im türkischen Diyarbakir.

Foto: Str / dpa

Essen.  Auf Facebook droht der ultra-nationalistische Verein Turan e.V. dem kurdischen Fußballer Deniz Naki damit, dass noch nicht aller Tage Abend sei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nach den Schüssen auf den deutsch-türkischen Fußballspieler Deniz Naki auf der Autobahn A4 steht der 28-Jährige unter Polizeischutz. Naki halte sich an einem verborgenen Ort auf, hatte sein Anwalt Soran Haldi Mizrak am Dienstag erklärt. Dass der einstige Profi des St. Pauli mit kurdischen Wurzeln nach wie vor im Fokus nationalistischer Türken steht, zeigt auch ein Facebook-Post der ultra-rechten Gruppe "Turan", die auch in NRW zahlreiche Ableger hat.

In einem am Montag veröffentlichten aber mittlerweile offenbar gelöschten Post wurde Nakis Überleben bedauert. Der Fußballer wurde beleidigt, als "PKK-Terrorist" bezeichnet und ihm wurde damit gedroht, dass auch noch andere Tage folgen werden. In den Kommentaren unter dem Post hieß es unter anderem: "Eines Tages wird die Kugel schon ihren Adressaten finden."

Die Turan-Bewegung gibt sich als „Kulturverein“ aus. Um ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu demonstrieren, tragen die Mitglieder mitunter auch Kutten und treten wie eine Straßengang auf. Ableger gibt es unter anderem in Moers, Krefeld, Köln und Dortmund. Der Verein selbst gibt vor, unpolitisch zu sein und nur benachteiligte türkische Jugendliche etwa durch Hausaufgabenhilfe oder sportliche Angebote fördern zu wollen. Eigentliches Ziel ist aber ein politisches, nämlich ein Großreich aller Turkvölker von Zentralasien bis zum Balkan. Das identische Ziel verfolgen auch die „Grauen Wölfe“, die der Verfassungsschutz bereits seit einigen Jahren unter Beobachtung hat.

Die deutschen Sicherheitsbehörden jedenfalls haben die rechtsnationalistischen Türken wegen ihrer politischen und rassistischen Betätigung bereits im Blick und würden genau beobachten, wie sich die Vereine entwickeln.

Ermittlungen gegen Unbekannt nach Anschlag auf Deniz Naki

Indes ermittelt die Aachener Staatsanwaltschaft nach dem Anschlag auf Deniz Naki weiterhin wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt. „Ich glaube, dass es hier um eine politische Sache geht“, hatte Naki nach dem Angriff gesagt. „Ich bin in der Türkei eine laufende Zielscheibe, weil ich mich pro-kurdisch äußere.“ Er wisse nicht, ob die Schüsse ein Mordanschlag oder eine Warnung gewesen seien.

Naki will in die Türkei zurückkehren

Es gehe Naki „gut“ nach dem Schock, sagte sein Anwalt. Aber er habe Angst um sein Leben. „Er ist nicht sicher in Deutschland momentan.“

Dem Anwalt zufolge will sich der ehemalige Stürmer des FC St. Pauli und SC Paderborn nicht unterkriegen lassen. „Er hat entschieden, mit seiner Familie wieder in die Türkei zurückzukehren“, sagt Mizrak. Naki steht dort beim Drittligisten Amed SK in der Kurdenmetropole Diyarbakir unter Vertrag. Als die Schüsse auf seinen Wagen fielen, war er privat im Raum Düren - zwischen Aachen und Köln - unterwegs, wo er geboren wurde und aufgewachsen ist. (mit dpa)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (8) Kommentar schreiben