Landwirtschaft

Nach Dürresommer: Mehr Bauern in NRW werden aufgeben

Die Maisernte im Rheinland ist noch nicht abgeschlossen. 40 Prozent Einbuße werden befürchtet.

Die Maisernte im Rheinland ist noch nicht abgeschlossen. 40 Prozent Einbuße werden befürchtet.

Foto: Marco Kneise

Im Rheinland.   Rheinische Landwirte fordern: Staat soll steuerliche Gewinnrücklagen in guten Jahren möglich machen und eine Dürreversicherung unterstützen.

Solide wirtschaftende Bauern haben von ihren Eltern gelernt: Man soll stets darauf achten, immer drei Ernten zu haben. Drei Ernten, wie bitte? „Eine steht auf dem Feld, eine liegt auf dem Speicher und die dritte liegt - in Form von Geld - auf der Bank“, erklärt Bernhard Conzen, der Rheinische Bauernpräsident. Wenn die Ernte freilich schon im dritten Jahr wegen Wetter-Unbill schlecht ausfällt, dann stößt auch diese Philosophie an ihre Grenzen. Im Sommer 2018 sind die Sorgen vieler Landwirte in der Region groß.

Über Ernte wurde am Dienstag auf dem Münsterplatz in Bonn viel gesprochen. Die Rheinischen Bauern waren mit einem Traktor vorgefahren, stellten Heuballen als Sitzgelegenheiten auf, reichten heimisches Obst und Gemüse und suchten unter dem Motto „Picknick in der Stadt“ das Gespräch mit Bürgern. Der diesjährige Trocken-Sommer war ein großes Thema. Hitze und Dürre haben nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums in Düsseldorf für Schäden von rund 200 Millionen Euro in der NRW-Landwirtschaft gesorgt.

Wie bekommt man die Rüben aus dem trockenen Boden?

„Vor allem späte Kulturen hat es erwischt“, sagt Conzen im Gespräch mit der NRZ. Mais und Kartoffeln sind noch nicht vollständig eingefahren, es wird im Rheinland mit Einbußen von 40 und bis 50 Prozent gerechnet. Viehhaltern fehlt Gras als Futter für ihre Tiere. Und ein Teil der Rübenbauern weiß bis jetzt noch nicht, wie er seine Rüben vom Acker bekommt – die tieferen Bodenschichten sind vielerorts immer noch knochentrocken.

Bund und Länder haben sich just in diesen Tagen verständigt, wie betroffene Landwirte staatliche Hilfen beantragen können. Sie benötigen einen Nachweis ihrer Banken, dass die Liquidität erschöpft ist (sprich: die finanziellen Mittel), sie müssen belegen, dass die Ernte 30 Prozent unter dem langjährigen Mittel ausfällt und sie müssen Nebeneinkünfte offenlegen. „Das sind hohe Hürden“, sagen Conzen und sein Vize Erich Gussen.

14 000 aktive Höfe gibt es im Rheinland noch. Bauernpräsident Conzen geht davon aus, dass in diesem und im nächsten Jahr mehr als die sonst landesweit üblichen zwei bis drei Prozent aufgeben werden. Vor allem Futterbaubetriebe werde es treffen, sicher auch Milchbauern. Beim Getreide hingegen waren die Schäden im Rheinland nicht so groß wie anderswo. Für Obstbauern war die Wärme sogar gut – wenn sie ihre Kulturen bewässern konnten.

Klar ist: Die Wetterextreme werden zusehends zur Herausforderung. „Wir wollen uns selbst helfen“, sagt Conzen. Der Staat solle die Bauern dabei unterstützen, indem er ihnen steuerliche Gewinnrücklagen ermögliche, wie sie in anderen Wirtschaftszweigen längst üblich seien. Auch eine staatlich unterstützte, sehr kostspielige Dürreversicherung würde helfen: „Andere EU-Länder haben das.“

>>> STEIGENDER MILCHPREIS ERWARTET

Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel werden demnächst wieder über die Preise von Milch & Co. verhandeln. Erwartet wird, dass die Erzeugerpreise steigen – also, dass es etwas mehr Geld für die Bauern gibt. Die durch den Trocken-Sommer angespannte Lage bei den Milchviehbetrieben, auch im Rheinland, spielt da eine große Rolle.

Die schlechte Ernte von Mais und Gras sorgt dafür, dass es weniger Futter gibt – und noch dazu von schlechterer Qualität. Die Tiere geben weniger Milch, zusätzliches Futtern muss teuer eingekauft werden. Zudem hatten sich Bauern angesichts der Trocken-Krise von einem Teil ihrer Kühe getrennt. Auch deshalb gibt es weniger Milch.

Aktuell erhalten die Bauern etwa 32 Cent pro Liter. Sie hoffen zum Jahresende auf sechs Cent mehr.

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