Cold Cases

1000 ungelöste Tötungsdelikte: Neue Hoffnung bei Aufklärung

Ein DNA-Labor: Weil die Untersuchungsmöglichkeiten mit der Zeit immer besser werden, ergeben sich neue Aufklärungsmöglichkeiten für bisher ungeklärte Kriminalfälle.

Ein DNA-Labor: Weil die Untersuchungsmöglichkeiten mit der Zeit immer besser werden, ergeben sich neue Aufklärungsmöglichkeiten für bisher ungeklärte Kriminalfälle.

Foto: Robert Michael / dpa

Düsseldorf.  Mit einer Datenbank zu ungeklärten Tötungsdelikten ist NRW Vorreiter. Vor allem DNA-Spuren bieten dank besserer Technik neue Ermittlungsansätze.

Experten des Landeskriminalamtes (LKA) nehmen seit Jahresbeginn 2018 noch einmal alte, ungeklärte Tötungsdelikte aus ganz Nordrhein-Westfalen in den Blick. Was Andreas Müller, Chef des Sachgebietes Operative Fallanalyse beim LKA, zu sagen hat, sollte noch nicht enttarnte Mörder und Totschläger unruhig machen: „Bei bisher 42 Prozent der geprüften Fälle sehen wir neue Aufklärungschancen.“

Mit dem Aufbau einer elektronischen Datenbank zu diesen sogenannten „Cold Cases“ ist NRW bundesweit Vorreiter. Etwa 1000 ungeklärte Tötungsdelikte gibt es in NRW, ausgehend vom Jahr 1970. Etwa 160 dieser alten Kriminalfälle sind mittlerweile - Stand November 2019 - in der neuen Datenbank eingespeist. Die Polizeibehörden vor Ort haben die Akten dazu elektronisch aufgearbeitet dem LKA zugeleitet. Müller und seine Leute, die sogenannten LKA-Profiler, haben diese 160 Fälle begutachtet, diskutiert, haben nochmal externe Experten zu Rate gezogen – und dann Empfehlungen an die Beamten vor Ort gegeben, wie Ermittlungen nochmal aufgegriffen werden können.

Mord verjährt nicht, Totschlag hingegen schon

Die Methoden der DNA-Analyse werden immer besser, aber auch die technischen Möglichkeiten bei der Untersuchung anderer Spuren wie Mikrofasern oder Lackreste schreiten voran. Und nicht zuletzt wächst der Erfahrungsschatz der Sachbearbeiter bei der Kriminalpolizei. „So können sich neue Ermittlungsansätze ergeben, die vor zehn, zwanzig oder 30 Jahren noch nicht bestanden haben“, sagte Müller, Erster Kriminalhauptkommissar. Die Zeit spielt also mit der fortschreitenden technischen Entwicklung für die Ermittler.

Aber die Zeit spielt auch gegen sie. Denn: Mord verjährt zwar nicht, Totschlag hingegen schon. Im Zuge von Ermittlungen kann sich ein bisher vermuteter Mord als Totschlag entpuppen, weil Mordmerkmale wie Habgier oder Heimtücke fehlen. Nach 20 Jahren können Täter dann nicht mehr belangt werden. Aktuell blicken Müller und seine zehn Kollegen deshalb besonders auf Fälle der Jahre 1999 bis 2005, damit etwaige Chancen zur Aufklärung nicht verstreichen.

„Jeder Mensch kann sein Leben nur einmal verlieren“

Seit Einführung des Cold-Cases Management des LKA haben mehrere Kreispolizeibehörden Ermittlungen zu ihren Cold Cases wiederaufgenommen, was explizit auf den neuen Umgang mit „Cold Cases“ in NRW zurückzuführen ist. Ein Fall aus Bonn (Tötungsdelikt an Claudia Otto) konnte mit Hilfe der LKA-Profiler bereits geklärt werden. Im Gespräch mit der Redaktion deutet Müller an, dass demnächst weitere hinzukommen könnten. Mehrere Fälle befinden sich offenbar in einer sehr aktiven Phase der Bearbeitung. Die Aufklärung von Tötungsdelikten sei ihm und den Kollegen im Sachgebiet wie vor Ort ein besonderes Anliegen. Immerhin handelt es sich um besonders schwerwiegende Verbrechen, denn: „Jeder Mensch kann sein Leben nur einmal verlieren“, sagt Andreas Müller.

Viel Arbeit wartet noch. Weitere elektronische Akten liegen bereits zur Prüfung beim LKA. Die Profiler in Düsseldorf wie auch die Kriminalisten vor Ort leisten die Überprüfung der ungeklärten Fälle neben dem ohnehin üppigen Tagesgeschehen. Andreas Müller betont das Teamwork: „Das ist hier der Schulterschluss zwischen den Mordermittlern vor Ort und den Fallermittlern beim LKA.“ Gemeinsam könne man zum Erfolg kommen.

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