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Könnten Wölfe am Niederrhein heimisch werden?

Das Archivfoto zeigt einen Wolf – aber nicht den in Duisburg gesichteten.

Foto: Getty

Das Archivfoto zeigt einen Wolf – aber nicht den in Duisburg gesichteten.

Am Niederrhein.   Experten halten andere NRW-Gebiete aus Raubtiersicht für verheißungsvoller. Eine Ansiedlung hier schließen sie aber ausdrücklich nicht aus.

Im Winter und zu Beginn des Frühjahrs machen sich Jungwölfe auf die Reise, verlassen ihre Rudel und suchen eigene Reviere. Immer wieder durchstreifen Wölfe aus anderen Bundesländern dabei auch Nordrhein-Westfalen, wo der Beutegreifer bis dato immer noch als ausgestorben gilt.

Und: Immer wieder scheint es Wölfe auch an den Niederrhein zu ziehen.Am 24. Februar ist ein Wolf von einer Wildkamera in der Walsumer Rheinaue fotografiert worden. Bereits zwei Tage vorher fotografierte ein Privatmann im Hünxer Wald einen Wolf. Experten haben die Aufnahmen begutachtet. „Es steht zu vermuten, dass es sich um dasselbe Tier handelt“, sagt Matthias Kaiser vom Landesumweltamt (Lanuv). Für NRW waren es die bestätigten Wolfssichtungen Nr. 3 und 4 seit Jahresbeginn. Zuvor war ein Wolf im Münsterland und in Rees gesichtet worden.

Der Reeser Wolf (von dem Kaiser nicht sicher, dass es auch der aus der Rheinaue und aus Hünxe ist) soll auch einen Tag später in Wesel-Bislich gesichtet worden sein. Aktuell wird geprüft, ob ein Wolf für Schafrisse im Südkreis Kleve in Kerken verantwortlich ist und bestätigt ist, dass im Dezember eine Wölfin den Kreis Kleve durchquerte, um sich schließlich in Belgien niederzulassen. Zuvor hatte bereits im Jahr 2016 ein Wolf in Hamminkeln Ziegen gerissen.

Rückzugsorte sind für Wölfe ganz wichtig

Immer wieder Niederrhein. Als sesshaft gilt ein Wolf, wenn er sich nach sechs Monaten immer noch im selben Gebiet aufhält. Das ist bei den NRW-Sichtungen der letzten Jahre bisher in keinem Fall so gewesen. Aber, wäre das am Niederrhein denkbar? „Gute Frage“, meint Lanuv-Experte Kaiser im NRZ-Gespräch. Ausschließen will er es ausdrücklich nicht. Kaiser verweist auf den Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen, der ja auch nicht für große Wälder bekannt ist und wo sich trotzdem ein Wolfsrudel angesiedelt hat.

Aber: Die Wölfe bei Cuxhaven haben in ihrem Gebiet u. a. einen Truppenübungsplatz als Rückzugsort. Solche Rückzugsorte abseits des Menschen seien - neben einem ausreichenden Nahrungsangebot - für Wölfe ganz wichtig. Experte Kaiser hält deshalb in NRW andere Orte aus Wolfssicht für verheißungsvoller als den Niederrhein – den weitläufigen Truppenübungsplatz Senne nördlich von Paderborn etwa. „Wenn man da noch ein bisschen Umland zurechnet, kommt man auch auf die 150 Quadratkilometer, die ein Wolfsrudel als Reviergröße benötigt“, meint der Lanuv-Fachmann.

Stichwort Nahrungsangebot: Ein Wolf kann bis zu acht oder zehn Kilo Fleisch verputzen, wenn er etwa ein Reh erbeutet hat. „Danach sind Fastentage angesagt“, sagt Katharina Stenglein, Fachfrau beim Naturschutzverband Nabu. Sie hat die Wolfsnachweise am Niederrhein sehr aufmerksam verfolgt und schließt ebenfalls ausdrücklich nicht aus, dass sich ein Wolf in der Region niederlasse. Stenglein gibt aber zu bedenken: Ob sich der Beutegreifer niederlasse oder nicht, hänge auch davon ab, ob er einen Partner findet – „und als Partnerbörse hat sich NRW zumindest bisher nicht bewährt...“

ZWEI MEINUNGEN ZUM WOLF

Josef Tumbrinck, 53 Jahre, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu):„Es ist gut, wenn der Wolf zurückkehrt. Er gehört hier in NRW zur natürlichen Lebensgemeinschaft eigentlich dazu, als Top-Beutegreifer spielt er eine Rolle im Ökosystem. Die Probleme der Weidetierhalter müssen wir gemeinsam lösen. Wir Menschen müssen insgesamt wieder lernen mit dem Wolf zu leben. Angst ist falsch, aber klar: Respekt sollte man haben. Die meisten von uns werden aber niemals einen Wolf zu sehen bekommen. Solange aber keine Wölfe hier sesshaft geworden sind und auch noch keine Jungen haben, reden wir weiter über eine ausgestorbene Tierart.“

Maik Dünow, 43 Jahre, Berufsschäfer aus Wesel: „Na, super! Rheinaue Walsum und Hünxer Wald – das sind genau meine Gebiete, da bin ich mit meinen 800 Muttertieren unterwegs . Klar - die größeren Probleme haben wir Schafhalter mit freilaufenden Hunden... Aber die sind tagsüber unterwegs und meistens kommt dann doch irgendwo noch ein Herrchen hinterher. So ein Wolf ist unberechenbar. Er kommt nachts, da kann ich meine Tiere nicht schützen. Ein Albtraum! Und wenn dann auch noch Schafe ausbrechen, hier auf Straßen oder Gleise laufen, weiß doch keiner, wie das versichert ist. Als wenn wir Schafhalter nicht schon genug Probleme hätten!“

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