Lärm

Streit um Tierlärm: Wie laut dürfen Seelöwen nachts sein?

Seelöwen sitzen im Kölner Zoo in ihrem Gehege, im Hintergrund stehen Wohnhäuser.

Foto: Henning Kaiser

Seelöwen sitzen im Kölner Zoo in ihrem Gehege, im Hintergrund stehen Wohnhäuser. Foto: Henning Kaiser

Köln/Duisburg.   Eine Anwohnerin hat sich bei der Bezirksregierung über nächtliches Bellen und Grunzen der Seelöwen beschwert. Zoo Duisburg hat keine Probleme.

Das hätten sich die kalifornischen Seelöwinnen Astrid, Amelie, Lina und Mia und der vier Jahre alte Jungbulle Oz aus dem altehrwürdigen Kölner Zoo nicht träumen lassen – dass sie ins Zentrum einer behördlichen Lärmschutz-Untersuchung geraten. Weil sich eine Zoo-Anwohnerin in ihrer Nachtruhe gestört fühlt, wird die Lautstärke der Tiere seit einiger Zeit von der dafür zuständigen Bezirksregierung Köln geprüft, wie jetzt bekannt wurde.

Lärmpegelmessungen hätten tatsächlich eine erhöhte Belastung ergeben, bestätigte gestern Behörden-Sprecher Andre Kiese. Es werde bereits überlegt, welche Maßnahmen der Zoo dagegen ergreifen könnte.

Tatsache ist – es handelt sich um die erste Beschwerde dieser Art in dem Großstadt-Zoo der Domstadt, wie Zoosprecher Christoph Schütt betont. 70 Kilometer weiter, im Zoo Duisburg, hat man bereits von dem Vorgang gehört und kommentiert ihn mit einem Kopfschütteln: „Ein Zoo ist ein Zoo und da gehören Tiere dazu, die riechen oder Geräusche machen“, stellt eine Zoo-Sprecherin fest.

Zoo am Autobahnkreuz Kaiserberg

In Duisburg habe es noch keine Beschwerde gegeben, allenfalls ein einsames Open-Air-Konzert sei vor Jahren mal auf Ablehnung gestoßen: „Wir liegen natürlich auch am Autobahnkreuz Kaiserberg, wenn sich hier jemand über Lärm beschweren könnte, dann höchstens wir“, sagt die Sprecherin. Ähnlich sieht es beim Krefelder Zoo aus – umgeben von Parkplätzen, mehrspurigen Straßen und einem Stadion wohnt dort kaum jemand.

Zurück nach Köln – 1860 wurde der Kölner Zoo gegründet, damals noch mitten auf der grünen Wiese. Nun stehen ringsum Häuser, darunter auch die Wohnung der Beschwerdeführerin, nicht weit vom Gehege der von den Zoofans heiß geliebten Seelöwen entfernt.

Zoosprecher Christoph Schütt hätte sich gewünscht, dass die Beschwerde „in direktem Dialog“ an den Zoo getragen worden wäre, statt zuerst einen behördlichen Akt in Gang zu setzen: „Wir haben nämlich zu den Anwohnern eigentlich ein sehr gutes Verhältnis.“

„Wahrscheinlich knuffen sie sich im Schlaf“

Was die intelligenten Seelöwen, die tagsüber ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm absolvieren, nachts dazu bringt, ihr kehliges Knurren und Bellen ertönen zu lassen, darüber kann Schütt nur spekulieren: „Wahrscheinlich knuffen sie sich im Schlaf mal an und meckern dann“, sagt er. Geschlechtsreif sei Jungbulle Oz jedenfalls noch nicht, es könne sich also nicht etwa um Paarungsgeräusche handeln.

Tatsache ist, betont Behördensprecher Kiese, dass die Lärmbelastung in Spitzen 54 Dezibel (etwa so laut wie ein normales Gespräch) beträgt, erlaubt sind in Wohngebieten nachts 45 Dezibel. Kiese nimmt die Anwohnerin in Schutz: „Sie hat zunächst nur angefragt, ob man etwas dagegen tun könne, sie will keinesfalls dem Zoo oder den Tieren schaden!“ Fraglich sei, warum die in einer Höhle schlafenden Tiere nachts so unruhig seien und ob nicht beispielsweise ein Vorhang aus Plastikfahnen den Schall milderte. Der Tierpark will jetzt eine Kamera installieren, um die Tiere nachts zu beobachten.

Auch ein Pfau darf mal laut sein

Für Köln klingt das nach einer einvernehmlichen Lösung, aber manch eine der gleichwohl seltenen Zoo-Beschwerden landet vor Gericht. 2014 verklagte ein Anwohner den Odenkirchener Tierpark in Mönchengladbach auf „Unterlassung der Pfaugeräusche“ – und verlor 2016, nach zwei Jahren mit Ortsterminen, Gutachten, Messungen und Zeugenanhörungen.

Denn obwohl auch diese in Spitzen den zulässigen Grenzwert überschritten, befand das Amtsgericht in Rheurdt, dass die Geräusche des Pfaus zu erdulden seien und seine Unterbringung im Freien zur artgerechten Haltung gehöre. Die Kosten trug der Kläger.

>>>>Tiergeräusche vor Gericht

Ob krähender Hahn oder bellender Hund – lärmende Tiere rauben manchem Nachbarn den letzten Nerv. Einige Fälle landen gar vor Gericht. Hier einige Beispiele:

Kakadus: Eine Tierfreundin darf trotz eines städtischen Verbots eine Schar munter zwitschernder Kakadus in ihrer Wohnung halten. Die Verfügung der Stadt Geldern sei mit einer falschen Rechtsgrundlage begründet, entscheidet das Oberverwaltungsgericht in Münster Anfang 2016.

Meerschweinchen: Laut quiekende Meerschweinchen in einer Zuchtanlage der Universität Münster treiben eine Anwohnerin zur Verzweiflung. Das Verwaltungsgericht gibt ihr 2013 Recht: Zwei Meter Abstand zwischen ihrer Grundstücksgrenze und den Käfigen seien zu wenig – die Nager müssten umziehen.

Hund: Nachbarn des veterinärmedizinischen Instituts der Uni in Berlin scheitern 2014 mit einer Klage vor Gericht. Sie fühlen sich von Hundegebell gestört. Es gebe keine erhebliche Belästigung im Sinne des Immissionsschutzgesetzes, urteilen die Richter.

Brieftauben: Richter verbieten 2012 einem Mann aus Germersheim, mehrere Dutzend Brieftauben in einer Wohngegend zu halten. Die dortigen Bewohner hätten einen Anspruch darauf, von Störungen wie Lärm und Taubenkot nicht belästigt zu werden.

Papageien: Kreischende Papageien sind den Nachbarn nur zwei Stunden am Tag zumutbar. Das entscheidet das Landgericht Hannover im Jahr 2009. Ein Mann hatte geklagt, weil die Vögel in einer Außenvoliere „ohrenbetäubenden Lärm“ machten.

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