Immer wieder Rufe: „Raus aus Kohle“

Im Rheinland.   Die Anti-Braunkohle-Demonstration endet auf dem Feld. Ein Pulk löst sich aus der Masse, beginnt zu laufen, über die weite Fläche dem Krater vom Braunkohletagebau Hambach entgegen. Dort, wo eigentlich gestern die Abschlusskundgebung sein sollte, ruft eine Frau ins Mikrofon: „What do you want?“ (Was wollt Ihr?) Andere skandieren „Ende Gelände“, während sich der nächste Pulk in Richtung Tagebaukante löst. Einige Aktivisten tragen rote Fahnen, die Frau am Mikro wünscht auf Englisch viel Glück.

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Die Anti-Braunkohle-Demonstration endet auf dem Feld. Ein Pulk löst sich aus der Masse, beginnt zu laufen, über die weite Fläche dem Krater vom Braunkohletagebau Hambach entgegen. Dort, wo eigentlich gestern die Abschlusskundgebung sein sollte, ruft eine Frau ins Mikrofon: „What do you want?“ (Was wollt Ihr?) Andere skandieren „Ende Gelände“, während sich der nächste Pulk in Richtung Tagebaukante löst. Einige Aktivisten tragen rote Fahnen, die Frau am Mikro wünscht auf Englisch viel Glück.

Es kommt zu Rangeleien, an der Kante war Polizei aufgezogen. Beamte setzen Pfefferspray ein. Der nächste Pulk ist unterwegs – hunderte Menschen drängen in den riesigen Krater, den gefährlichen Steilhang hinab. Ein Mann wird festgenommen, sonst sei es aber weitgehend friedlich geblieben, teilt die Polizei später mit.

Im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Bonn demonstrierten die Umweltaktivisten von Ende Gelände gestern am Tagebau für den sofortigen Kohleausstieg. Das Verstromen von Braunkohle gilt als klimaschädlichste Form der Stromgewinnung. Tagebaubetreiber RWE stellt dagegen fest: „In der Debatte über Klimaschutz sollte es um Fakten gehen.“ Der Energiekonzern werde bis 2030 bis zu 50 Prozent seiner CO2-Emissionen reduzieren.

Bei 32 Kilometer Abbruchkante sei es unmöglich, ein Eindringen in den Tagebau komplett zu verhindern, sagte Polizeisprecher Paul Kemen. Den Aktivisten drohen Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs. Sie juckt das nicht: „Wenn die Gesetze die Zerstörung von Lebensgrundlagen schützen, dann müssen wir uns über sie hinwegsetzen“, stellt eine Sprecherin von Ende Gelände fest. Während der nächsten Tage wird die Polizei am Tagebau weiter Präsenz zeigen.

Besuch aus dem Südpazifikwarnt vor steigenden Meeren

Besuch von weit her zeigt sich im Rheinischen Revier solidarisch mit den Umweltschützern. Der Südpazifik gehört zu den Regionen, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sind. Regentropfen seien die Tränen der geschundenen Erde, sagt einer gestern von ihnen in strömendem Regen. Die „Pacific Climate Warriors“ wollen der Welt bei der Klimakonferenz erzählen, was es für sie bedeute, wenn der Meeresspiegel weiter steige.

Ein Tag zuvor hatten schon Tausende in Bonn für den Kohleausstieg demonstriert – friedlich. Sie zogen unter blauem Himmel ins ehemalige Bundesviertel. Dort findet ab heute die Weltklimakonferenz statt, zu der etwa 25 000 Menschen anreisen. Zu den Blickfängen gehörte eine große Erdkugel von Greenpeace, auf der Kohlekraftwerke eine dunkelgraue Wolke mit dem Gesicht von Kanzlerin Merkel (CDU) ausstießen. Darunter stand die Forderung: „Raus aus der Kohle!“ Einer der Demo-Einlader ist der Umweltverband BUND. Dessen Landeschef Holger Sticht freut sich gerade auch über die vielen Familien, die gekommen sind, und nennt die Demo „ein herausragendes Signal“. Angemeldet waren 9000 Teilnehmer.

Bei der Polizei in NRW sind am Wochenende wieder Tausende Überstunden angefallen, weitere werden im Verlauf der Klimakonferenz folgen. Adi Plickert, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, lobte gestern auch mal das Innenministerium: Die seit April geltende neue Regel, das an jedem Wochenende ein Zug (36 Beamte) jeder Einsatzhundertschaft frei habe, werde bisher trotz aller Herausforderungen eingehalten – das sei aber auch bitter nötig.

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