Waldbesetzung

Hambacher Forst: Nur Räumung – oder schon Rodung?

Nur sehr zäh geht die Räumung der illegalen Baumhäuser im Hambacher Forst voran..

Nur sehr zäh geht die Räumung der illegalen Baumhäuser im Hambacher Forst voran..

Foto: Marcel Kusch/dpa

Kerpen/Kreis Düren.   Immer mehr und auch immer größere Bäume fallen, damit Einsatzkräfte zu den Waldbesetzern vordringen können. BUND hat die Gerichte angerufen.

Nur mühsam arbeiten sich die Einsatzkräfte voran. Nachdem am Donnerstag, dem Beginn des Einsatzes, nur vier der insgesamt 51 illegalen Baumhäuser im Hambacher Forst geräumt werden konnten, zeichnete sich ab, dass es auch gestern wohl nur drei werden würden. Wie lange sich der Einsatz insgesamt wohl hinzieht? Niemand weiß es. „Das wird Wochen dauern“, vermutete ein Sprecher der zuständigen Polizei Aachen gegenüber der NRZ.

Erneut waren starke Polizei-Kräfte in dem Wald. Beobachter gehen von etwa 2000 Beamten aus. Die NRW-Polizei hatte Unterstützung u. a. aus Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Aber nach wie vor befinden sich die Einsatzkräfte und die Arbeiter von RWE erst am Rande des Forstes, der dem nahenden Braunkohletagebau weichen soll. Mit schwerem Räumgerät arbeiten sie sich von Baumhaus zu Baumhaus vor.

Dafür müssen auch immer mehr Bäume fallen – erst nur kleine Jungbäume, aber längst auch größere und ältere. Dutzende dürften es wohl schon sein. Gestern kreisten Sägen. Umweltschützer registrieren das mit Grausen: „Wir fordern RWE und die zuständigen Behörden auf, diese drastischen Eingriffe sofort einzustellen“, sagte Holger Sticht, Landeschef des BUND. Die Umweltschützer sehen in der Räumung eine vorweggenommene Rodung und versuchen, sie gerichtlich zu stoppen.

Angekettet in einem Tunnel?

Naturschutzrechtlich sind Rodungen erst nach dem 1. Oktober zulässig. Weil das Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) aber noch über eine BUND-Beschwerde zum Tagebau Hambach entscheiden muss, hatte sich RWE bereit erklärt frühestens nach dem 14. Oktober mit den Rodungen zu beginnen.

„Was hier passiert, ist aus unserer Sicht ein klarer Verstoß gegen das Stillhalteabkommen“, so BUND-Landesvize Thomas Krämerkämper. Es würden tiefe und breite Schneisen in Wald geschlagen, der ein schutzwürdiger Lebensraum seltener Tierarten wie der Bechsteinfledermaus sei. Hier werden Fakten geschaffen, vermuten die Umweltschützer – Fakten, noch ehe das Gericht entschieden hat.

Bisher 17 Festnahmen

Aber nicht nur das Fällen von Bäumen, die im Weg stehen, ist ein Grund, warum die Einsatzkräfte so langsam vorankommen – gestern hatte sich auch eine Aktivistin kompliziert angekettet und musste gelöst werden. Zudem stand auch plötzlich die Möglichkeit im Raum, dass sich im Bereich des Hüttendorfes „Oaktown“ Aktivisten im Erdreich in Tunneln angekettet haben könnten. Andere Aktivisten hatten das zumindest behauptet. „Wir prüfen das und gehen da sehr sensibel mit um“, sagte der Polizeisprecher gegenüber der NRZ. Um das Leben etwaiger Menschen im Untergrund nicht zu gefährden, fuhren die schweren Hubwagen nicht weiter vor. Bis zum Abend gab es aber keine Bestätigung, ob die Tunnel wirklich existieren. Die Polizei wollte Spürhunde anfordern.

Die Bilanz seit Einsatzbeginn am Donnerstag: Bis gestern Abend gab es 17 Festnahmen, zwei Polizeibeamte wurden leicht verletzt. Für heute und morgen haben Aktivisten „Aktionen des massenhaften, zivilen Ungehorsams“ im Hambacher Forst angekündigt.

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