Umwelt

Gegen das Wildpinkeln: Düsseldorf behält Öko-Urinale im Auge

In manchen Städten kann Wildpinkeln teuer werden.

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In manchen Städten kann Wildpinkeln teuer werden. Foto: dpa

Essen.  In Paris können Passanten ihre Notdurft ab sofort in neue Öko-Urinale verrichten. Die Landeshauptstadt verfolgt den Testlauf mit Interesse.

Für den einen pure Erleichterung in höchster Not, für andere Erregung öffentlichen Ärgernisses: Wildpinkeln gilt in Deutschland nicht nur als Unsitte, sondern im Extremfall auch als Straftat. Der Rahmen möglicher Sanktionen reicht von einem Bußgeld in geringer Höhe bis zu einer schmerzhaften Geldstrafe im vierstelligen Bereich, starke Geruchsbelästigungen an einigen Plätzen gibt es obendrauf. Um das für alle sichtbare Urinieren am zu jeder Tageszeit stark frequentierten Pariser Bahnhof Gare De Lyon einzudämmen, hat die französische Hauptstadt nun eine ungewöhnliche Maßnahme ergriffen.

Ein Entwicklerduo des Industriedesign-Unternehmens „Faltazi“ aus Nantes kreierte das sogenannte „Uritrottoir“ (frei übersetzt: Bürgersteigurinal), welches zunächst für eine Testphase in mehrfacher Ausführung in der Umgebung des Bahnhofs aufgehangen wurde.

Blumenkästen als kostensparende Methode

Der einem Blumenkasten nicht unähnlich sehende Behälter ist mit einem Nährboden, Thymian, Rosmarin, Streu, Sägespänen und einem Reservoir ausgestattet. Bei Nutzung des „Uritrottoirs“ entsteht im Behälter Kompost, gleichzeitig wird der Geruch des Urins neutralisiert. 3000 Euro kostet ein Exemplar, die Stadt Paris spart dafür die ständige Bezahlung von Reinigungspersonal.

Eine Option für die meisten Großstädte an Rhein und Ruhr scheinen die knallroten Kästen allerdings nicht zu sein. Polizisten und Mitarbeiter der Ordnungsämter in den sieben bevölkerungsreichsten Städten des Ruhrgebiets haben im vergangenen Jahr jeweils höchstens eine dreistellige Anzahl an Wildpinklern erwischt. Selbst in einer Stadt wie Essen mit über einer halben Million Einwohnern wurden 2016 lediglich 73 Bußgelder ausgestellt. Ein Wert, welcher in der kommunalen Kasse bei einer Bußgeldhöhe von 50 Euro pro Fall nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Pressesprecherin Silke Lenz ergänzt: „Wildpinkler sind in der Regel häufig alkoholisiert, so dass wir davon ausgehen, dass in dem Zustand keine Öko-Urinale genutzt werden.“

Deutlich erhöhte Anzahl bei großen Veranstaltungen

Anders argumentiert die Pressestelle der Stadt Dortmund: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass stationär eingerichtete Toiletten immer wieder Vandalismus zum Opfer fallen, was erneuten finanziellen Aufwand bedeutet und optisch nicht zur Attraktivitätssteigerung des Stadtbildes beiträgt.“

Wenig verwunderlich: Bei Großveranstaltungen wie Musikfestivals, Karnevalsumzügen oder Fußballspielen steigt die Anzahl der „auf frischer Tat Ertappten“ deutlich. Örtlichkeiten, an denen wiederholt Personen wild urinierend angetroffen werden, sind den meisten Städten allerdings nicht bekannt.

Düsseldorfer Altstadt ist eine Problemzone

Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens wird sich hingegen mit der Resultaten des Pariser Experiments auseinandersetzen. Mitarbeiter von Ordnungsamt und Polizei erwischten 2016 immerhin 757 Wildpinkler, ein im Vergleich zu den Ruhrgebietskommunen recht hoher Wert. Ein Schwerpunkt ist hier der Altstadtbereich rund um die Bolkerstraße.

Ein Sprecher der Stadt: „Wildpinkeln“ ist in Düsseldorf leider ein bekanntes Problem. Die Öko-Urinale, die aktuell in Paris erprobt werden, könnten das Problem möglicherweise eindämmen. Die Stadt wird sich mit dem Ergebnis der Testphase befassen.“ Durch solch eine Testphase hatte sich in den letzten Jahren bundesweit in vielen Städten bereits das Projekt „Nette Toilette“ etabliert, bei dem Gastwirte die eigenen Ladentoiletten für Passanten freigeben.

Deutsche Bahn bevorzugt den Bau regulärer Toilettenanlagen

Insbesondere an den Großbahnhöfen im Rhein-Ruhr-Raum und deren Vorplätzen klagen Fahrgäste und Passanten jedoch häufig über intensiven Urin-Gestank. Ein Problem, welches in der Regel nicht in den Betreuungsbereich der Städte, sondern den der Deutschen Bahn fällt. Diese beschäftigt sich im Rahmen ihres Projekts "Zukunft Bahn" in Nordrhein-Westfalen jedoch lieber mit der Renovierung von insgesamt 13 regulären Toilettenanlagen. Als nächstes werden noch im laufenden Quartal die Anlagen an den Hauptbahnhöfen in Münster und Oberhausen fertiggestellt. "Ein solches Projekt wie das in Paris ist bei der Deutschen Bahn in NRW nicht geplant", teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mit.

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