Schutz vor Einbrechern

Jetzt prüfen: Ist Ihr Zuhause ausreichend gesichert?

Ist das Haus einbruchsicher? Uwe Müller von der Polizei in Essen findet die Schwachstellen.

Ist das Haus einbruchsicher? Uwe Müller von der Polizei in Essen findet die Schwachstellen.

Foto: MATTHIAS GRABEN

An Rhein und Ruhr.   Sind Ihre vier Wände ausreichend geschützt? Ein Experte gibt Tipps, wie Sie Ihr Zuhause vor Einbrechern absichern können.

Uwe Müller ist beim Land NRW angestellt. Er ist kein Polizist, kein Beamter, sondern „Regierungsbeschäftigter“, wie er selbst sagt. Trotzdem hat er eine Visitenkarte, auf der das Wort „Polizei“ neben einem Bild des Polizeisterns gedruckt ist. Und das aus gutem Grund. Denn Müller arbeitet „seit 18 Jahren in der Einbruchprävention“ – einfacher formuliert: Er guckt sich Häuser an, nimmt sie genau unter die Lupe, um herauszufinden, ob Einbrecher leichtes Spiel haben könnten. Ist Oma ihr klein Häuschen ausreichend gesichert? Gerade jetzt, zu Beginn der dunkeln Jahreszeit?

Bei unserem Ortstermin guckt Uwe Müller skeptisch. Gerade hat er eine Schwachstelle entdeckt. Er steht draußen, unmittelbar neben der Haustür, und inspiziert einen Schlitz, durch den die Zeitungen und die tägliche Post ins Haus geworfen werden können. „Hier komme ich von außen mit einem Draht durch, mit dem ich innen ruckzuck die Haustürklinke runterziehen kann“, tadelt der Spezialist. „Ein gefundenes Fressen für Einbrecher.“

Für unseren Fotografen ist die Szene vor allem ein tolles Motiv. Er bittet Uwe Müller, noch einmal durch den Briefschlitz in den Flur der Doppelhaushälfte zu gucken. Eine schöne Illustration für eine förmliche Einladung an alle ungebetenen Gäste. „Wenn die Einbrecher so leicht ins Haus kommen“, bilanziert Müller, „können Sie nicht mal nachweisen, dass ein Versicherungsfall vorliegt.“

Der Hauseigentümer schaut betreten und macht sich Notizen. Er schreibt: „Erstens: Neuen Briefkasten kaufen und draußen anbringen. Zweitens: Briefkastenschlitz dauerhaft entfernen. Drittens: Haustüre immer abschließen.“ Der Gastgeber, der uns freundlicherweise erlaubt hat, über die Sicherheitsuntersuchung zu schreiben, darf sich allerdings auch über Lob in Sachen Haustür freuen.

„Hier haben wir Schließriegel, Hinterbandsicherungen, das Türblatt ist stabil, astrein“, stellt Uwe Müller im Stakkato fest. „Da gibt’s nichts zu meckern.“ Wohl aber an dem kleinen Fenster, das wenige Meter entfernt offen steht, um für frische Luft im Gäste-WC zu sorgen. „Wenn einer den Scherenbeschlag oben am Fenster von außen weghaut, ist er drin“, warnt der Experte. Sein Ratschlag: „Da gehört eigentlich ein Gitter vor.“

Für Wohnungen zuständig

Neuer Briefkasten, neues Gitter, insgesamt kann schnell eine ordentliche Summe zusammen kommen. Uwe Müller weiß das natürlich: „Ich bemühe mich herauszufinden, mit wem ich es zu tun habe und welches Sicherheitsbedürfnis vorliegt“, betont der Experte. „Wenn 2500 Euro investiert werden müssten, dann kann ich das doch niemanden empfehlen, der mit jedem Cent rechnen muss.“

Müller arbeitet seit über 40 Jahren für die Polizei, „seit 18 Jahren mit dem Schwerpunkt Einbruchprävention“, zuständig für Häuser, aber auch für Wohnungen. Der Unterschied ist, dass Bürger, die Fragen zu Wohnungen haben, nur selten vor Ort besucht werden. Das spart Zeit und Kilometer. „Für eine qualifizierte Beratung ist eine Ortsbesichtigung in der Regel nicht erforderlich“, so Müller. „Die Probleme sind meistens ähnlich und selten so komplex wie bei Häusern.“

Vom WC-Fenster der Doppelhaushälfte sind es nur Schritte bis zum nächsten Zimmerfenster. Hier, im Wohnzimmer, exakt an dieser Stelle, haben Einbrecher vor zwei Jahren ganze Arbeit geleistet. Der Rahmen stellte sich als ein schnell zu bewältigendes Hindernis heraus. Mit einem Stemmeisen kämpften sich die Diebe den Weg frei ins Haus.

Ob ein solcher Besuch jetzt wieder möglich wäre? Eher nicht, antwortet Uwe Müller. „Das Fenster ist am Griff abschließbar, hier sind acht Pilzköpfe und genügend passende Verschlussstücke, das ist schon in Ordnung so.“ Nach dem Einbruch hat der Eigentümer nachrüsten lassen, offenbar zur Zufriedenheit des Experten.

An anderen Stellen fällt das Urteil weniger wohlwollend aus. Die Schlafzimmerfenster in der ersten Etage seien „eine Einladung.“ Kein Schloss, keine Pilzköpfe, keine Verschlussstücke – und zu allem Übel kann eine kleine Außenmauer als Steighilfe dienen. „Null Einbruchschutz, das öffne ich in 30 Sekunden.“ Note: Sechs, hier muss was passieren.

Genau wie im Keller. Dort fehle eine Querstange vor dem Fenster, und das Gitter über dem Kellerschacht sei nicht ausreichend befestigt. „Mechanische Sicherungen sollten an oberster Stelle stehen“, findet Uwe Müller. „Mit einer soliden Grundsicherung stoppt man mindestens 75 Prozent der Täter.“ Extrem teuer werde es erst, wenn man „in Richtung 100 Prozent kommen will“, dann steigen die Kosten nicht mehr, „sie explodieren.“

>>> Die Zahl der Einbrüche sinkt:

Die Zahl der Einbruchsdelikte in NRW, so die Bezeichnung des Innenministeriums, wird monatlich veröffentlicht. Die aktuellsten zahlen stammen aus dem September. In diesem Monat sind 4452 Fälle bekannt geworden, eingerechnet sind 1855 Versuche. Im September 2017 waren es noch 5405 Fälle, inklusive 2283 Versuche.

Wer wissen will, wie er seine eigenen vier Wände wirkungsvoll schützen kann, sollte sich an eine kriminalpolizeichliche Beratungsstelle wenden und sich dort kostenlos beraten lassen. Adressen erhalten Sie bei jeder Polizeidienststelle.

Durch richtige Sicherungstechnik können viele Einbrüche verhindert werden. Im Internet unter www.k-einbruch.de erhalten Sie Sicherheitstipps, zugleich erfahren Sie aber auch, wie der Staat Einbruchschutz fördert.

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