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Sperrung Essen-Duisburg: Das müssen Bahn-Kunden jetzt wissen

An mehr als 1000 großen Baustellen rücken an Rhein und Ruhr die Arbeiter an. Die Bahn hat große Pläne.

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An mehr als 1000 großen Baustellen rücken an Rhein und Ruhr die Arbeiter an. Die Bahn hat große Pläne. Foto: dpa

Essen/Duisburg.  Die Streckensperrung zwischen Essen und Duisburg wird in den Osterferien für Probleme sorgen. Die Bahn setzt auf Information und viele Busse.

Das mulmige Gefühl ist den Planungstruppen um NRW-Bahnchef Werner Lübberink anzumerken. Seit Monaten basteln sie an einer der massivsten Bahn-Streckensperrungen der jüngeren Vergangenheit – und bald wird’s ernst: Zwischen Essen und Duisburg, wo täglich rund 700 Züge unterwegs sind, geht in den Osterferien nichts mehr. Der Neubau der Thyssenbrücke auf Mülheimer Stadtgebiet steht an, am Gleisbett muss gebuddelt werden, es laufen die Vorarbeiten für das Elektronische Stellwerk in Duisburg. Acht einzelne Teilprojekte sollen zwischen dem 23. März und 8. April in einem Rutsch abgearbeitet werden. Fürs Reisen in der Region gleicht das einem geplanten Gau...

Lübberinks Planertruppe will die Folgen zumindest abfedern. Sie haben gestern in Duisburg die Marschroute vorgestellt, wie die Verspätungen und Zugausfälle wenigstens ansatzweise aufgefangen werden sollen.

Der Fernverkehr?

Wird großräumig umgeleitet. Die ICE- und IC-Züge fahren über Gelsenkirchen (ohne Halt) oder über die Wupperstrecke. Das verlängert Fahrten Richtung Berlin beispielsweise um einiges. Und wer sonst bequem im Ruhrgebiet (Bochum, Essen, Mülheim) zusteigen konnte, muss sehen, wo er bleibt.

Der Regionalverkehr?

Gelsenkirchen wird während der Sperrung ein wichtiges Drehkreuze für Pendler. Dorthin werden die wichtigen Linien RE1 und RE6 umgeleitet. In Gelsenkirchen kommen Reisende dann weiter nach Essen (RE2, RE42, S2). Die S1 wird gekappt und endet, aus Dortmund kommend, schon in Essen. Die S3 fährt nicht zwischen Essen und Oberhausen, die S9 nicht zwischen Essen und Bottrop. Zusätzlich fährt jedoch stündlich ein Pendelzug zwischen Essen und Dortmund.

Wie kommen Reisende in dem gesperrten Abschnitt weiter?

Vor allem wohl mit Bussen, zum Teil mit Stadtbahnen. Es fahren Schnellbusse zwischen Essen und Duisburg (10-15 Minuten-Takt) mit nur einem Halt in Mülheim Hauptbahnhof und solche, die quasi S-Bahn spielen: Sie sind alle 20 Minuten unterwegs und klappern dabei die Stationen der S-Bahn ab. In Essen Hauptbahnhof sind stündlich 18 Abfahrten vorgesehen.

Die Bahn verspricht, die Reisenden im großen Stil zu informieren: sowohl online als auch am Bahnsteig und ab 1. März per Hotline (0202-51562515). Bei VRR-Fahrscheinen wolle man sich kulant zeigen, wenn durch die Umwege eigentlich gültige Ticketbereiche verlassen werden, hieß es. Versprochen sind zusätzliches Servicepersonal, sechs zusätzliche Infopunkte und ordentliche Ausschilderungen. Ob das den vieltausendfachen Ärger über die verlängerten Fahrzeiten mindert...? Man darf gespannt sein. Zumal es mit der Sperrung in den Osterferien keineswegs getan ist. Auch in den Herbstferien, vom 13. Oktober bis 28. Oktober, bleibt dieser Abschnitt dicht. Und der Zugverkehr muss dort wohl sogar während der kompletten Sommerferien 2019 ruhen. Die Zeiten der mulmigen Gefühle für Lübberink und Co. Planer sind also lange nicht vorbei.

Neue Gleise und alte Flöze

An mehr als 1000 Stellen in NRW wird die Bahn 2018 buddeln. Nur die wenigsten haben ähnlich dramatische Auswirkungen auf das Zugangebot wie die Sperrung zwischen Essen und Duisburg. Allerdings stehen weitere Projekte auf dem Plan, die die Reisenden ebenfalls teils hart treffen werden oder von erheblicher Bedeutung sind. Ein Überblick:

Die Gleiserneuerung zwischen Düsseldorf und Köln-Mülheimdauert sechs Wochen – vom 9. April bis 19. Mai. 20 Kilometer Schiene sind reif zur Sanierung. Der Fernverkehr wird in dieser Zeit umgeleitet, die wichtigen RE-Linien fahren nur eingeschränkt. Heißt: Die RE5 fällt zwischen Leverkusen und Düsseldorf aus. Reisende müssen die RE1 nehmen, die in diesem Bereich über die S-Bahngleise rumpelt. Und: Auf der S1 gibt es deshalb einen Zug pro Stunde weniger.

Zwischen Oberhausen und Dinslakenlaufen zwischen März und November Brücken- und Bahnsteigarbeiten. Fahrgäste müssen hier mit Sperrungen (meist am Wochenende) oder Verspätungen (wegen eingleisiger Strecke) rechnen.

Die Reparaturen an der Strecke der S6 ziehen sich länger hin als gedacht. Nach Angaben von NRW-Infrastrukturchef Gerd Matschke sind zwar sieben der neun entdeckten Flöze unter der Trasse inzwischen verfüllt. Jedoch werde die Strecke wohl nicht vor Mitte April freigegeben werden können.

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