Schulserie

Das sagt eine fast pensionierte Lehrerin über ihren Beruf

Bald verlässt Frau B. das Klassenzimmer in den wohlverdienten Ruhestand.

Bald verlässt Frau B. das Klassenzimmer in den wohlverdienten Ruhestand.

Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.  Seit fast 40 Jahren ist Frau B. Grundschullehrerin. Bald geht sie in den Ruhestand. Was sie dann vermissen wird - und worauf sie sich freut.

Vieles hat sich verändert seit Frau B. Anfang der 1980er Jahre das erste Mal vor der Klasse stand. Aber eines ist in all den Jahren gleich geblieben: Frau B. ist gerne Lehrerin und kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen.

"Ich wollte schon immer Lehrerin werden. Schon als Kind wusste ich, das ist mein Beruf. Mein Großonkel war Volksschullehrer und als ich ein Kind war, habe ich ihn oft ins Klassenzimmer begleitet.

Als ich mit der Schule fertig war, habe ich studiert und meine ersten Praktika gemacht. Ich habe schnell gemerkt, dass ich einen guten Draht zu den Kindern hatte. Aber natürlich gab es auch Dinge, die nicht auf Anhieb funktioniert haben und die ich erst lernen musste, zum Beispiel das Planen einer Unterrichtsstunde. Auch in Sachen Disziplin musste ich erst eine Strategie finden, mit Kindern umzugehen, die in dem Bereich Probleme haben. Ein Rezept dabei ist, dass man konsequent bleiben muss.

Sind Kinder heute respektloser als früher?

Ich würde übrigens nicht sagen, dass es heute mehr Kinder gibt, die respektlos gegenüber uns Lehrern sind oder die Probleme haben, sich an Regeln zu halten. Kinder, die ausscheren, die gab es immer schon. Ich finde aber, dass solche Situationen heute viel schneller eskalieren. Vielleicht, weil das Aggressionspotenzial bei vielen Kindern höher ist und die Hemmschwelle, sich gehen zu lassen dafür niedriger?

Ein Problem ist heute auch, dass viele Kinder ihren Schulweg nicht mehr alleine bewältigen, sondern mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Diesen Kindern fehlt viel Selbstständigkeit. Überhaupt fällt mir auf, dass es heute mehr Eltern gibt als früher, denen es schwer fällt, sich ein von ihren Kindern zu lösen. Eigentlich komisch, denn heute ist ja oft die Zeit der Eltern viel knapper bemessen. In vielen Familien sind heute beide Elternteile berufstätig.

Viele Dinge haben sich im Laufe meiner Zeit als Lehrerin aber auch verbessert. Kinder, die heute in Schule kommen, können oft schon viel mehr, als das vor dreißig Jahren der Fall war. Fast alle können schon ihren Namen schreiben. Sie kennen viele Laute und die meisten Zahlen. Da leisten die KiTas heutzutage wirklich tolle Arbeit!

Inklusion: "Die Klassen sind zu groß und es gibt zu wenig Personal."

Der Gedanke der Inklusion ist an sich sehr gut. Die Bedingungen dafür sind aber leider noch nicht vorhanden. Um wirklich allen Schülern mit ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, sind die Klassen viel zu groß und es gibt viel zu wenig qualifiziertes Personal. Das können wir als Lehrer alleine gar nicht auffangen. Dazu kommt noch, dass wir Lehrer in den letzten Jahren viel mehr dokumentieren müssen, als das früher der Fall war. Das ist zum Teil auch sinnvoll, diese Zeit fehlt dann aber an anderer Stelle.

Diese Dinge werde ich im Ruhestand gar nicht vermissen, soviel ist sicher. Aber die Kinder werden mir natürlich fehlen. Und den gemeinsamen Arbeitsalltag mit meinen Kolleginnen und Kollegen werde ich sehr vermissen!"

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