NRZ-Bankgeheimnis

Bankgeheimnis: Als Mephisto mit Gretchen in die Kneipe kam

Matthias Maruhn und Leonard Lansink.

Matthias Maruhn und Leonard Lansink.

Foto: Gerd Bertelmann

Der Schauspieler Leonard Lansink (62) schaute in einer Drehpause kurz in der alten Heimat vorbei und sprach über seine Studienjahre in Essen.

Drehpause bei „Wilsberg“, da ist er mal eben nach Essen gekommen, der alten Zeiten wegen, wie nett. Wir setzen uns am Isenbergplatz auf eine Bank, im Hintergrund der Häuserblock, in dem er vor knapp 40 Jahren gelebt hat. Über diese Zeit will ich mit ihm auch reden. „Deine Kindheit hast du ja schon bei Lanz und in anderen Talkshows geschildert, also dass deine Mutter dich im Krankenhaus zurückgelassen hat, diese Geschichte.“

„Stimmt, ich bin bei Omma und Oppa in Gelsenkirchen groß geworden.“ Später dann hat’s ihn nach Essen verschlagen, am Tage Schauspielstudium an der Folkwang-Schule. Und abends ab in die Kneipe. Am Tresen haben wir uns dann ja auch getroffen.

Café Click und der Flipper

Wir fingern mal beide in unserem inneren Archiv. Thema Gastronomie Ende der 70er, Anfang der 80er: Goldene Stadt war wichtig. Der Flipper vor allem. Regenbogen. Alexander. Café Click. Gar lustig war das junge Leben. Er hebt die Hand, beschwichtigend.

„Das klingt jetzt wilder als es war.“ Er guckt mich an. „Du hast doch auch schon für die Zeitung gearbeitet damals.“ Stimmt. „Wir haben doch zum Beispiel so gut wie nie Schnaps getrunken, nur Bier. Und mit Drogen hatte ich nie was am Hut. Auch bei der Kifferei habe ich nicht mitgemacht. Zweimal habe ich am Joint gezogen. Jedes Mal bin ich kurz darauf eingeschlafen. Rausgeschmissen Geld.“

Außergewöhnliche Frisur

Was mir damals an Lansink gefiel, war sein Mut, eine leicht bekloppte und außergewöhnliche Frisur zu tragen. „Du hattest so einen Mephisto-Schnitt, mit einem Keil auf der Stirn.“ Ingo Appelt sah 20 Jahre später mal so ähnlich aus.

Da grinst er doch. „Na gut, ich war ja auch Mephisto. Meine Rolle. Ich hatte das Mobile Einsatz Theater mitgegründet. Und wir brachten den Ur-Faust auf die Bretter. Und dann blieb ich einfach mehrere Jahre bei dieser Frisur. Vielleicht aus Nostalgie, vielleicht aus Faulheit.“

Schwarzes Fahrrad

Mir fällt noch etwas ein: „Ich konnte schon immer von außen sehen, ob du in der Kneipe warst. Dann stand nämlich dein schwarzes Fahrrad vor der Tür.“ Über dem Vorderrad waren mehrere Bretter mit Scharnieren verbunden angebracht, die man zu einer kleinen Bühne ausklappen konnte.

„Super-Idee von mir. Nur leider nicht zu gebrauchen. das Fahrrad war so schwer, da kam ich nicht mal den kleinsten Berg mit hoch. Aber da ich nie den Führerschein gemacht habe, bin ich damit um die Ecke. Nicht zuletzt war das ja eine gute Werbung fürs Theater.“

20 Jahre Wilsberg

Und nicht zuletzt hast du dich ja zu jener Zeit nachhaltig in mein Leben eingemischt. „Wie bitte?“ Es war April ‘82 und ich stand damals verlässlich in einer Kneipe namens „Haus Mühlmann“ gleich rechts, vis-à-vis des Zapfhahns. Du kamst also rein, hallo, hallo, und hattest Gretchen von den Faust-Proben im Schlepptau. Sie langweilte sich dann längere Zeit neben mir und stellte eher mitleidig, weil sonst niemand mit mir sprach, die Gretchen-Frage: „Spielst du in einer irischen Folkband?“ „Nein“, sagte ich und heiratete sie schon bald.

„Stimmt“, sagt der Lansink, „hatte ich fast vergessen.“ So, er muss zurück zum Dreh. Wann kommt denn die nächste Folge? „Jetzt am Samstag.“ Wie lange willst du denn noch dieser Wilsberg sein? „Wieso, sind doch erst 20 Jahre.“ Da hat er auch wieder recht. 20 Jahre sind nichts.

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