Equitana

Auf dieser Messe dreht sich alles ums Pferd

Dressurreiten einmal ganz anders kann man bei der „Working Equitation“ verfolgen.

Dressurreiten einmal ganz anders kann man bei der „Working Equitation“ verfolgen.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Wenn Reitsportfans im Einkaufsrausch sind: 200.000 Besucher werden bis Sonntag auf der weltgrößten Pferdemesse Equitana in Essen erwartet.

Es sind Hunderttausende von motorisierten Pferdestärken, die sich an diesem Sonntagmorgen rund um das Essener Messegelände nur im Schritt-Tempo vorwärts bewegen. Es ist wieder Equitana – die weltgrößte Messe für Pferdefreunde –, und dann geht wegen des Andrangs rund um die Messe traditionell alles sehr, sehr langsam. Die echten Pferde stehen rechts und links der Straße in mobilen Ställen und warten auf ihre Auftritte in den Hallen.

Leckerlis in Lila und Rosa

Traumpferde, allesamt. Elegante, sensible Riesen mit dunklen, seelenvollen Augen, langen Wimpern und Nüstern, die sich anfühlen wie Samt. Man muss kein geborener Pferdenarr sein, pardon Pferdenärrin – der Reitsport ist ganz klar eine Frauendomäne – , um sich für diese Tiere zu begeistern. 1,25 Millionen Menschen in Deutschland betreiben Reitsport, 900 000 besitzen ein Pferd, der Frauenanteil liegt bei fast 80 Prozent.

Gefühlt sind an diesem Tag sämtliche Pferdebesitzer Deutschlands nebst Anhang in Essen und wühlen sich durch Ständer mit schicken, peppigen und eleganten Reitjacken, Handschuhen, Helmen, Socken, Stiefeln, decken sich ein mit Halftern und Gamaschen, Pferdedecken, Sattelunterlagen, Zügeln, Spezialfuttermischungen für Problempferde, Putzboxen, Pferdeleckerlis in Lila, Blau und Rosa und Handtaschen mit Pferdemotiven. Ein Riesenkaufhaus für Pferdefans. Mädchen jeden Alters im Shoppingrausch!

Johanna (14) und ihre elfjährige Schwester Lena sind zwei von ihnen. Reitsportbegeistert sind sie. „Pferdeverrückt“, sagt ihr Vater und rollt mit den Augen. Aus Lippstadt ist die Familie angereist, denn Johanna hat nächste Woche Geburtstag und will schon mal ein paar Geschenke auswählen. „Hier ist vieles preiswerter, deswegen kann ich mehr aussuchen“, schwärmt sie, bevor es an den nächsten Verkaufsstand geht. Haben die beiden denn ein eigenes Pferd? „Nein, ein Pflegepferd“, so Lena. Sie grinst: „Und zu Hause ein Holzpferd.“

Apropos: Gemessen an der schier unüberblickbaren Menge von Accessoires, Zubehör und Equipment und an den Menschenmassen, die sich an Produkten und Anbietern vorbeischieben, erscheint die Anzahl der Pferde im Hallentrubel fast überschaubar – obwohl bis zum kommenden Sonntag 1000 Rösser aus 40 Rassen zu erleben sein werden. Auf zweien von ihnen demonstrieren zwei sehr coole Typen „Working Equitation“, bei dem Dressurreiten auf traditionelle Arbeitsreitweisen trifft. „Das probier ich mit meinem Pferd bald auch mal aus“, lässt sich eine Reiterin beim Zuschauen von der Show-Vorführung inspirieren.

Ein Cowboy aus Siegen

Ein paar Hallen weiter darf man sich in einen Westernstreifen versetzt fühlen. Klaus Wetzel und seine Kollegen mit Cowboyhut, Lederweste und Karohemden schwingen lässig ihre Lassos und können stundenlang davon erzählen, wie man wilde Rinder einfängt oder in Koppeln treibt, natürlich alles zu Pferde. Ranch Roping heißt dieser Trend. Die Wurfgrundlagen übt man übrigens erst mal an einem Rindermodell aus Holz, was den Vorteil hat, dass es nicht wegrennt. Ansonsten sieht das Ganze sehr nach Multitaskingansprüchen aus. „Kann man aber in ein paar Stunden lernen“, versichert der „Cowboy“ aus Siegen.

Allerdings sollte man da auf dem Pferd garantiert die richtige Sitzhaltung haben. Und die kann man auf Sir Wilson überprüfen lassen. Sir Wilson hat sehr sensible Sensoren und ist mit einem Computer verbunden – er ist ein Reitsimulator, um den sich längere Schlangen bilden. Er gehört Sheron Adam aus München, und gerade zeigt Sir Wilson an, dass die Reiterin auf ihm einen leichten Linksdrall hat. Sheron Adam gibt der Frau Tipps und korrigiert ihre Haltung.

Adam, eigentlich Stewardess, kam nach einem schweren Reitunfall auf die Idee, so etwas anzubieten. Der Simulator trainiere nicht nur die Muskeln, sondern auch Balance und Konzentration. Echte Tiere gibt es allerdings auch an ihrem Stand: ihre beiden Yorkshire-Terrier, die das Equitana-Geschehen ganz gelassen verschlafen.

>>INFO: BIS „26. MÄRZ GEÖFFNET

Die Equitana ist bis zum kommenden Sonntag, 26. März, in der Messe Essen (Norbertstraße) zu erleben. Geöffnet ist sie täglich von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet wochentags an der Tageskasse 20 Euro (erm. 15 Euro), am Samstag und Sonntag 24 Euro (erm. 20 Euro). Kinder von 6 bis 15 Jahren zahlen 11, bzw 15 Euro. Dazu gibt es Abendshows und Sonderveranstaltungen mit extra Eintritt: Die Hop Top Show „Passepartout“ (22., 24. 25. März), einen Ausbildungsabend mit der bekannten Dressurreiterin Ingrid Klimke (20. März), die Voltigiershow „Volti-Magic (26. März) und eine Begegnung mit dem Horsemanship-Trainer Pat Parelli (23. März).

Nähere Infos: http://www.equitana.com

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben