Arbeitsmarkt

Wirtschaft in NRW sorgt sich um Fachkräfte

Die Auftragsbücher sind voll. Viele Firmen schauen zuversichtlich in das neue Jahr.

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Die Auftragsbücher sind voll. Viele Firmen schauen zuversichtlich in das neue Jahr. Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.   Firmen haben Personalsorgen und melden immer mehr offene Stellen. Die Arbeitslosigkeit lag im Dezember so tief wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Angesichts brummender Konjunktur wachsen in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft die Personalsorgen. „Die größte Gefahr für den Aufschwung ist der Fachkräftemangel. Immer häufiger stoßen unsere Mitgliedsfirmen an Produktionsgrenzen“, meint Henner Puppel, Vorsitzender des Essener Unternehmer Verbandes (EUV). Landesweit zählte die Arbeitsagentur im Dezember 162 562 offene Stellen – satte 18,7% mehr als vor Jahresfrist.

Puppel stützt sich auf eine Konjunkturumfrage unter 2300 Unternehmen aus der Ruhrregion, bei der mehr als jeder zweite Betrieb, Fachkräftemangel als „ernstes Problem“ benannt hatte. Bei einer ähnlichen Umfrage des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft

(BVMV) hatten zuvor 41% der befragten NRW-Mitglieder erklärt, dass sie 2017 Aufträge ablehnen mussten, weil Personal fehlte.

Mit mehr als zuletzt 6,84 Mio Menschen gibt es in NRW so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie nie zuvor. Erstmals seit zehn Jahren ist die Arbeitslosigkeit hier auch zum Jahresende gesunken. Wie die Arbeitsagentur berichtete, waren im Dezember 662 423 Menschen erwerbslos gemeldet – 5909 weniger als im Vormonat. So niedrig war der Monatswert seit 1992 nicht mehr. Die Quote lag unverändert bei 7% (bundesweit: 5,3%). „Das ist das erfreuliche Ende eines guten Jahres am Arbeitsmarkt in NRW“, so Christiane Schönefeld, die Chefin der Regionalagentur für Arbeit. Der Dezember ist sonst eher durch Zuwächse geprägt, weil etwa auf dem Bau weniger gearbeitet wird.

Strukturwandel nicht verdaut

Mit Blick aufs Gesamtjahr 2017 meinte Schönefeld: „Viele Menschen sind erfolgreich ihren Weg gegangen, haben Arbeit gefunden.“ Firmen meldeten in den zwölf Monaten insgesamt 518 031 Stellenangebote. Besonders viel Personal wird aktuell gesucht in den Bereichen Zeitarbeit, Handel und KFZ-Werkstätten, Gesundheits- und Sozialwesen, Freie Berufe, Verarbeitendes Gewerbe und auf dem Bau.

Nach wie vor profitieren aber nicht alle vom Aufschwung am Arbeitsmarkt. Das Ruhrgebiet etwa hat den Strukturwandel weiter noch nicht verdaut. Die Quote liegt mit 9,7% deutlich über dem Landesschnitt. NRW-weit gibt es zudem knapp 293 000 Langzeitarbeitslose. Über 80 000 von ihnen sind schon vier Jahre und länger ohne Arbeit.

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