Brand-Katastrophe

Nach Notre-Dame: Wie sicher sind die deutschen Kirchen?

Der Kölner Dom hat einen Dachstuhl aus Eisen und soll dadurch besser gegen Feuer geschützt sein.

Der Kölner Dom hat einen Dachstuhl aus Eisen und soll dadurch besser gegen Feuer geschützt sein.

Foto: Oliver Berg

Essen.   Nach dem verheerenden Feuer in der Kathedrale Notre-Dame fragen sich viele Menschen im Revier: Kann das auch bei uns passieren?

Köln, Aachen, Münster, Essen – in allen großen Städten des Landes, in denen ein Dom steht, haben Dombaumeister und Feuerwehrleute am Dienstag besorgt auf die Trümmer von Notre-Dame geblickt und gefragt: „Kann sich so eine Katastrophe aus bei uns ereignen?“

Natürlich hat Barbara Schock-Werner die Bilder aus Paris gesehen, ganz entsetzt darüber, wie schnell sich die Flammen durch den hölzernen Dachstuhl von Notre-Dame gefressen haben. „Das hat mich überrascht.“ Dabei kennt die 71-Jährige sich aus. Bis 2012 war sie Dombaumeisterin des Kölner Doms. „Aber dort“, glaubt sie, „könnte so etwas nicht passieren.“

Steigleitungen bringen Wasser in die Höhe

Anders als Notre-Dame nämlich hat der Dom in Köln einen Dachstuhl aus Eisen. „Da hat sich im 19. Jahrhundert der damalige Architekt Ernst Friederich Zwirner durchgesetzt – unter anderem mit dem Argument, dass das im Brandfall sicherer wäre“. Ist es auch. „Im Vergleich zu einem hölzernen brennt ein eiserner Dachstuhl nicht direkt“, bestätigt der amtierende Kölner Dombaumeister Peter Füssenich. Wenn aber ein großes Feuer auf ihn einwirke, habe das trotzdem Folgen. „Dann verzieht sich das Metall.“

So weit aber will es die Feuerwehr in Köln gar nicht erst kommen lassen. „Ein Brand im Dom löst die höchste Alarmstufe aus“, sagt Marc David, Sprecher der Feuerwehr. Vier komplette Löschzüge rücken dann aus, fahren zu vorgegebenen, stets freigehaltenen Plätzen rund um die gigantische Kirche. Tausende Liter Wasser haben sie an Bord. Reicht das nicht, werden die Hydranten rund um den Dom angezapft. Außerdem gibt es Steigleitungen, durch die Wasser im Brandfall in die Höhe gepumpt werden kann. Dann nutze man die historisch gewachsenen Elemente des Bauwerks, um in das Dach des Domes einzusteigen.

Kölner Wehrmänner müssen den Dom kennen

Auch im Kirchenschiff selbst kann es zu einem Feuer kommen. „Denken sie nur an die Bänke“, sagt Schock-Werner. „Oder an die große Orgel aus Holz und Blei. Die brennt wie Zunder.“ Von eine großflächigen Sprinkleranlage für den Kölner Dom hält sie dennoch nichts. „Das Wasser kann größeren Schaden anrichten als das Feuer.“ Selbst Rauchmelder sind für das gotische Gebäude nur bedingt geeignet. Für viele andere Kirchen gilt das übrigens auch: Etwas zu viel den Weihrauch geschwenkt, schon gehen die Rauchmelder los.

Es geht aber nicht nur darum, die Flammen zu löschen, es geht auch darum, Menschenleben und Kunstwerke aus dem Kirchenschiff zu retten. Deshalb muss jeder Kölner Feuerwehrmann der großen Wachen einmal im Jahr rein in den Dom, für Schock-Werner ein „großes 3D-Labyrinth“. „Da muss man sich orientieren können.“ Auch um die unersetzlichen Schätze in spezielle, feuerfeste Tücher zu wickeln, die – für Besucher unsichtbar – in der Nähe der Kunstwerke lagern.

Ähnlich wie Notre-Dame hat auch der Dom in Aachen einen hölzernen Dachstuhl. „Da ist das Brandrisiko grundsätzlich natürlich höher“, weiß der dortige Dombaumeister Helmut Maintz „Aber wir sind auch gut vorbereitet“, so Brandamtmann Bernd Spykers, bei der Aachener Feuerwehr unter anderem für die Sicherheit in und um den Dom zuständig. Brandmelde- und Sprinkleranlage sollen Flammen im Keim ersticken und arbeiten angeblich so punktuell, dass das Wasser keine größeren Schäden anrichtet. Zumal die Gewölbe mit einer dünnen Estrich-Schicht abgedeckt sind, über die das Löschwasser in Rohre läuft und nach draußen geleitet wird. „Alles was möglich ist, wurde getan“, sagt Spykers. Und Maintz ergänzt: „Es gibt keinen Grund zur Panik.“

Feuerwehr in Essen hat spezielle Einsatzpläne

Grund zur Panik sieht auch die Feuerwehr in Essen nicht. Sie hat ebenfalls spezielle Einsatzpläne, um ein Feuer im Dom zu bekämpfen und die Schätze – allen voran die „Goldene Madonna“ zu retten. Und für den Paulusdom in Münster versichert Dombaumeisterin Anette Brachthäuser, die brandschutztechnische Ausstattung werde regelmäßig gewartet und sei seit einer Sanierung vor wenigen Jahren „auf aktuellem Stand“.

Für altgediente Feuerwehrleute wie Spykers ist das allerdings kein Grund zur Entwarnung. Nicht in Münster, nicht bei ihm in Aachen, nirgendwo. „Es passieren“, hat er im Laufe der Jahre festgestellt, „immer wieder Dinge, mit denen vorher einfach niemand gerechnet hat.“

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