Gedenken

Steinmeier zum 9. November: „Es lebe die deutsche Republik!“

Steinmeier: 9. November - Licht und Schatten deutscher Geschichte

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach im Bundestag über den Schicksalstag Deutscher Geschichte. Am 9. November jährt sich unter anderem die Ausrufung der Weimarer Republik, die Reichpogromnacht und der Fall der Mauer.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach im Bundestag über den Schicksalstag Deutscher Geschichte. Am 9. November jährt sich unter anderem die Ausrufung der Weimarer Republik, die Reichpogromnacht und der Fall der Mauer.

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Berlin  Reichspogromnacht, Novemberrevolution, Mauerfall. Der 9. November ist „Schicksalstag der Deutschen“. Ein Überblick über die Ereignisse.

Der 9. November ist ein historisches Datum für die Geschichte Deutschlands – und dies in vielfacher Hinsicht. Hier ein Überblick über Ereignisse, die sich an diesem Freitag jähren und die zum Teil fundamentale Bedeutung bis in die heutige Zeit hinein haben.

• Erste deutsche Republik: Am 9. November 1918 rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstagsgebäudes in Berlin die erste deutsche Republik aus. Die sogenannte Novemberrevolution führte das Deutsche Reich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Abschied vom Kaisertum von einer konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarisch-demokratische Republik.

Steinmeier: „Es lebe die deutsche Republik!“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte am Freitag im Bundestag die Ausrufung der Republik am 9. November 1918 als „Meilenstein der deutschen Demokratiegeschichte“. Und weiter: „Es lebe die deutsche Republik! Es lebe unsere Demokratie.“

Der 9. November 1918 habe in der Erinnerungskultur nie den Platz gefunden, der ihm zustehe, sagte Steinmeier. Die Weimarer Republik werde fast nie von ihrem Anfang her gedacht, sondern meist ausgehend von ihrem Ende im Jahr 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Steinmeier sagte, der 9. November sei ein ambivalenter Tag, er stehe „für Licht und Schatten“. Die Novemberpogrome von 1938 markierten „den unvergleichlichen Bruch der Zivilisation, für den Absturz Deutschlands in die Barbarei“. Die Verantwortung dafür kenne keinen Schlussstrich.

Lesen Sie hier die komplette Rede des Bundespräsidenten im Wortlaut.

• Hitlerputsch: Am 9. November 1923 scheiterte der sogenannte Hitlerputsch in München. Ziel war die „nationale Revolution“, also die Absetzung der Bayerischen Regierung und der Reichsregierung.

• Reichpogromnacht: Eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte: Am 9. November 1938 inszenierten die Nationalsozialisten die reichsweiten Pogrome gegen die Juden. Synagogen und jüdische Geschäfte standen in Flammen. Die gewaltsame Verfolgung und spätere Vernichtung der jüdischen Bevölkerung nahm damit ihren Anfang.

Gedenken an anti-jüdische Pogrome - "Die Schutzmänner grinsten nur"

Margit Siebner war am 9. November 1938 ein zehnjähriges Mädchen. Die Tochter eines jüdischen Vaters und einer nicht-jüdischen Mutter erlebte die Novemberpogrome vor 80 Jahren in Berlin mit - und schaut mir Sorge auf die Gegenwart.
Gedenken an anti-jüdische Pogrome - "Die Schutzmänner grinsten nur"

• Mauerfall: Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Das SED-Regime in der DDR fiel in den folgenden Wochen in sich zusammen. Ein Jahr später war Deutschland wiedervereinigt. Der Fall der Mauer markiert nicht nur das Ende der DDR, sondern der kommunistischen Diktaturen in Ost-Europa insgesamt.

Gedenkstunde im Bundestag zum 9. November

Auch der Bundestag gedenkt an diesem Freitag der Ereignisse. Vor allem geht es dabei um die Ausrufung der Republik 1918 und der Reichspogromnacht 1938.

Schäuble: „An diesem Datum verdichtet sich deutsche Geschichte“

Zum Auftakt der Gedenkstunde warnte am Freitagmorgen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) vor wachsendem Antisemitismus. Aktuelle Übergriffe auf Menschen jüdischen Glaubens zeigten, wie nötig deren besonderer Schutz im 21. Jahrhundert immer noch sei, sagte Schäuble.: „Die Firnis der Zivilisation ist dünn.“

„Gefährden wir Frieden und Freiheit nicht, niemals wieder“, warnte der CDU-Politiker. Das sei die beständige Mahnung des 9. November.

Schäuble zum „Schicksalstag“ 9. November wörtlich: „An diesem Datum verdichtet sich deutsche Geschichte. Das Tragische und das Glück, der vergebliche Versuch und das Gelingen, Freude und Schuld: All das gehört zusammen. Untrennbar.“

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, bezeichnete hat antisemitische und ausländerfeindlichen Angriffe als „Schande“ für Deutschland. Es sei ein Skandal, dass etwa jede zweite Woche eine Synagoge oder eine Moschee mit Hassparolen beschmiert oder - noch schlimmer- angegriffen werde, sagte Schuster am Freitag in Berlin laut Redemanuskript anlässlich einer Gedenkstunde für die Pogromnacht vor 80 Jahren.

Menschen, die Flüchtlinge, Muslime oder Juden angriffen, würden aus dem Hintergrund angestachelt und aufgehetzt. „Eine Partei, die im Bundestag am ganz äußeren rechten Rand sitzt, hat diese Hetze perfektioniert“, sagte Schuster in Anspielung auf die AfD. „Sie sind die geistigen Brandstifter.“ (W.B./dpa)

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