Atomstreit

USA-Iran-Konflikt: Wer kämpft in Nahost gegen wen?

Iranische Soldaten patrouillieren in der Straße von Hormus: Der Konflikt mit den USA hat sich zuletzt wieder zugespitzt.

Iranische Soldaten patrouillieren in der Straße von Hormus: Der Konflikt mit den USA hat sich zuletzt wieder zugespitzt.

Foto: Ahmad Halabisaz / dpa

Berlin/Tunis.  Der Konflikt zwischen den USA und Iran spitzt sich wieder zu. Wo liegen die Ursachen und wer verfolgt welche Interessen? Ein Überblick.

Die Spannungen im ohnehin aufgeheizten Nahen Osten nehmen zu. Außenminister Heiko Maas warnte angesichts der Konfrontation zwischen den USA und dem Iran vor einem Flächenbrand. Wie verlaufen die Frontlinien in der Pulverfass-Region? Wer sind die großen Spieler? Welche Interessen haben sie?

Ein Überblick:

USA: US-Präsident Donald Trump will das Regime in Teheran in die Knie zwingen. Er wirft dem Iran nicht nur den geheimen Bau von Atomwaffen vor. Er kreidet ihm auch an, den Terror zu unterstützen, die Region zu destabilisieren und mit seinem Raketenprogramm gegen UN-Auflagen zu verstoßen. Trump hatte deshalb vor einem Jahr den internationalen Nuklearvertrag mit dem Iran aufgekündigt. Anfang Mai 2019 traten die bislang schärfsten US-Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

Trump will die iranischen Exporte von Öl und Metallprodukten gegen null fahren und verfolgt eine Strategie des maximalen Drucks. Zur

und das Kriegsschiff USS „Arlington“ Richtung Persischer Golf entsandt. Die Amerikaner haben im Nahen Osten knapp 40.000 Soldaten stationiert. Die Sicherung Arabiens, wo ein Großteil des globalen Öls produziert wird, gehört traditionell zu den wichtigsten strategischen Interessen der USA.

Iran: Der Iran hat – wie Saudi-Arabien – den Ehrgeiz, zur Regionalmacht Nummer eins zu werden. Der politische Konflikt ist auch religiös unterlegt: Der Iran versteht sich als Schutzmacht der Schiiten, Saudi-Arabien als Vormacht der Sunniten. Schiiten und Sunniten vertreten die zwei großen Glaubensrichtungen des Islams. Trotz gewaltiger Öl- und Gasvorkommen hat das Regime in Teheran ein Problem: Die Produktionsanlagen sind veraltet, die Wirtschaft liegt seit Jahren danieder. Vor diesem Hintergrund unterzeichnete der Iran 2015 das internationale Nu­klearabkommen.

Die Hoffnung: Durch den Wegfall der Sanktionen sollten neue Gelder für Investitionen ins Land kommen. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) bestätigte dem Iran, sich strikt an die Vorgaben zu halten. Doch Trump lässt dies kalt. Kritiker werfen dem Iran vor, der militärischen Übermacht der USA zwar nicht direkt Paroli bieten zu können. Dafür verfüge es aber über ein Potenzial an asymmetrischer Vergeltung.

Kurz: Teheran könne durch vergleichsweise kleine Sabotageakte eine große Wirkung auslösen. So werfen US-Geheimdienste den vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen vor, kürzlich eine

beschädigt zu haben. Botschaft: Das globale Energiesystem ist höchst verwundbar.


Der US-iranische Konflikt: Nur wenige Ereignisse haben sich so in die kollektive Psyche Amerikas eingegraben wie die Besetzung der US-Botschaft durch radikale Studenten in Teheran 1979. Die Wurzeln der amerikanisch-iranischen Feindschaft reichen nahezu sieben Jahrzehnte zurück. Denn für viele Iraner ist der 1953 vom Weißen Haus inszenierte „Regime Change“ noch unvergessen. Die CIA hat zusammen mit dem britischen MI5 den ersten vom Volk gewählten Regierungschef Mohammad Mossadeq gestürzt und Schah Reza Pahlevi an die Macht geputscht.

Auch Interessant:

Nach dem Sturz des Schahs 1979 brach Washington seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Im Krieg zwischen Irak und Iran von 1980 bis 1988 unterstützten die USA mehr oder weniger offen Saddam Hussein. Diese Erfahrungen veranlassten die iranische Führung Anfang der 90er-Jahre, grünes Licht für eine militärische Nutzung der Atomenergie zu geben. Der UN-Weltsicherheitsrat verhängte umfassende Sanktionen gegen Teheran, das sich 2015 schließlich zu einem langjährigen Verzicht auf Urananreicherung bereit erklärte.

Irans Verbündete: Das Regime in Teheran baut in der Region an einer schiitischen „Achse des Widerstands“ gegen Saudi-Arabien, Israel und die USA. Sie umfasst den Irak (mit einer schiitischen Bevölkerungsmehrheit), Syrien (wird von den Alawiten regiert, einer Abspaltung der Schiiten) und den Libanon. Dort hat die schiitische Hisbollah-Miliz großen Einfluss.

Der Iran ist in der Region stark militärisch aktiv. Revolutionsgarden kämpfen an der Seite von Syriens Diktator Baschar al-Assad. Darüber hinaus finanziert Teheran schiitische Milizen in Syrien und im Irak. Die Hisbollah im Libanon bekommt Geld und wird mit Waffen ausgerüstet. Zudem liefert der Iran den schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen Militärgerät.

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Saudi-Arabien: Das Königreich beäugt die Aktivitäten des Irans seit Jahren mit großem Misstrauen. In Riad sieht man den Iran als Unruhestifter, der nur ein Ziel kennt: Ausbau der Macht und regionale Herrschaft. Das Königreich ist einer der größten Waffeneinkäufer weltweit.

Saudi-Arabiens Verbündete: Die natürlichen Allianzpartner der Saudis sind benachbarte Golfstaaten – vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Beide unterstellen dem Iran eine feindliche Agenda. Riad steht voll hinter Trumps Eskalationskurs gegen Teheran. Hier berühren sich die strategischen Interessen zwischen Saudi-Arabien und Israel.

Israel: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu legt eine außenpolitische Geschmeidigkeit an den Tag wie kaum ein anderer Regierungschef in der Region. Er kann gut mit Trump, mit Kremlchef Wladimir Putin – und auch mit den Saudis. Mit Putin handelte Netanjahu eine stillschweigende Vereinbarung aus, dass die israelische Luftwaffe in Syrien Stellungen der iranischen Revolutionsgarden und der Hisbollah bombardieren kann – sollten sie zu nahe an Israels Grenze rücken. Trump entlockte der Israeli Zugeständnisse wie die Anerkennung der Souveränität über die Golanhöhen. Und mit den Saudis schmiedete Netanjahu eine Anti-Iran-Front.


Jemen: Im Jemen herrscht ein Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Seit 2013 kämpfen schiitische Hu­thi-Rebellen gegen die sunnitische Zentralregierung. Die Huthis werden vom Iran unterstützt, die Zen­trale vom sunnitischen Königreich Saudi-Arabien.

Russland: Die russische Regierung ist durch zwei Ereignisse der letzten Jahre traumatisiert: den Einmarsch der USA in den Irak 2003 und den Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi durch eine westliche Allianz 2011. Aus Moskauer Sicht waren in beiden Fällen Anarchie und Staatszerfall die Folge. Russland fühlt sich vor diesem Hintergrund als der Hüter des Status quo.

Im Zweifelsfall will es lieber autokratische Regime stützen, als das Risiko von Instabilität eingehen. Deshalb der Schulterschluss mit Assad in Syrien oder mit den Mullahs. So sichert sich Moskau auch seinen Einfluss im geopolitischen Pulverfass Nahost.

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