Krieg und Corona

Ukraine: Chef des Präsidialamts setzt auf Gipfel in Berlin

Corona-Krise macht Zoo in der Ukraine zu schaffen

In einem Zoo im ukrainischen Demydiv, nahe der Hauptstadt Kiew, bleiben wegen der Corona-Beschränkungen die Besucher aus. Finanziell ein schwerer Schlag: Die Kosten alleine für das Futter für die 450 Tiere liegt bei rund 17.000 Euro im Monat.

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Berlin.  Konflikt mit Russland, Krieg im Donbass und Corona – die Ukraine steckt in der Dauerkrise. Der Präsidialamtschef hat dennoch Hoffnung.

Bis vor Kurzem gab es im Krieg in der Ostukraine kleine Oasen des Friedens. Sie befanden sich an der mehr als 400 Kilometer langen Kontaktlinie, wo sich ukrainische Soldaten und prorussische Rebellen mit schweren Waffen gegenüberstanden.

An fünf Übergängen konnten die Menschen von ukrainischem Territorium in die von den Separatisten besetzten Gebiete passieren und umgekehrt. Doch die Corona-Krise hat dieser neuen Normalität einen Riegel vorgeschoben.

Misstrauen: Kontaktlinie zu Rebellengebiet geschlossen

„Auf dem Höhepunkt der Pandemie hat die Ukraine wie viele andere Länder ihre Grenzen dichtgemacht“, sagte Andrij Jermak, Chef des Präsidialbüros der Ukraine und Verhandlungsführer für den Ukraine-Konflikt, unserer Redaktion. Aber in Kiew wächst auch das Misstrauen gegen die von den Rebellen ausgerufenen Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Lesen Sie auch:

„Heute hat niemand verlässliche Informationen dazu, wie viele Menschen in den besetzten Gebieten mit dem Coronavirus infiziert sind“, kritisiert Jermak. „Deshalb haben wir die Grenze an den Übergangspunkten geschlossen, um unsere Bürger zu schützen.“

Corona-Krise macht Zoo in der Ukraine zu schaffen
Corona-Krise macht Zoo in der Ukraine zu schaffen

Lage in den Konfliktgebieten „ziemlich dramatisch“

In der Ukraine wurden laut Zählung der Johns-Hopkins-Universität bis Mittwoch 25.385 Corona-Infektionen und 742 Todesfälle registriert. Die Lage in den Rebellengebieten sei „ziemlich dramatisch“, erklärt die rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Es fehle an medizinischer Infrastruktur, Test-Kits, Masken und Schutzkleidung.

Teile des Donbass stehen seit 2014 unter der Kontrolle prorussischer Rebellen. Bei Gefechten mit Regierungstruppen wurden seither UN-Schätzungen zufolge rund 13.200 Menschen getötet. Die Volksrepubliken werden von Moskau mit Geld und Waffen unterstützt.

Konflikt seit sechs Jahren

Deutschland, Frankreich, die Ukraine und Russland versuchen seit sechs Jahren, den Konflikt zumindest zu entschärfen. Doch ein umfassender Waffenstillstand lässt ebenso auf sich warten wie die weitere Entflechtung von Truppen und Waffen entlang der Kontaktlinie. Lesen Sie auch: Waffenstillstand vereinbart: Neue Hoffnung für die Ukraine

Skeptiker in der Bundesregierung machen geltend, dass Russlands Präsident Wladimir Putin kein wirkliches Interesse an einer Lösung habe. Er wolle den Konflikt am Kochen halten, um eine Stabilisierung der Ukraine samt EU-Beitritt zu verhindern.

Jermak: „Der Dialog mit Russland läuft“

Präsidialamtschef Jermak ist optimistischer: „An manchen Stellen ist es ein schwieriger Dialog – aber der Dialog mit Russland läuft.“ In Koordination mit seinem russischen Verhandlungspartner Dmitri Kosak seien immerhin drei Gefangenenaustausche gelungen. Lesen Sie auch: Ukraine-Gipfel in Paris: Kanzlerin Merkel „sehr zufrieden“

Kiew wolle nun als nächsten Schritt eine Liste mit Repräsentanten aus den Rebellengebieten zusammenstellen, die an den Gesprächen in der trilateralen Kontaktgruppe (Ukraine, Russland, OSZE) teilnehmen sollen. Diese sollten aus der Zivilgesellschaft kommen und nicht von den Volksrepubliken benannt werden, fordert Jermak.

Die Aussichten auf Bewegung schätzt er trotz allem als günstig ein: „Ich bin mir sicher, dass noch in diesem Jahr ein Gipfel der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, der Ukraine und Russland in Berlin stattfinden wird.“

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