Wirtschaftsforum

Trump, der Amerikator – So lief sein Auftritt in Davos

US-Präsident Donald Trump.

US-Präsident Donald Trump.

Foto: JIM WATSON / AFP

Davos.  Wahlkampfbühne in den Alpen: US-Präsident Trump lobte beim Weltwirtschaftsforum in Davos sich selbst und verärgert Klima-Aktivisten.

Da steht er, im dunkelblauen Anzug mit knallroter Krawatte, am linken oberen Revers prangt eine US-Flagge. Die Föhnfrisur sitzt tadellos. Zeigefinger und Daumen der rechten Hand hat er zum Kreis geformt. Es spricht Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten. Es wird ein Feuerwerk der Superlative.

„Amerika hat einen ökonomischen Boom, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat“, sagt er. Die königsblaue Wand bei der Eröffnung der 50. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) im exklusiven Schweizer Ski-Ort Davos bildet den Rahmen der Inszenierung. Vor Unternehmensführern, Bankern, Politikern und Nichtregierungsorganisationen hat Trump am Dienstagmittag nur eine Botschaft in unzähligen Variationen parat: Die USA sind das gelobte Land unter der Sonne.

Ob Wirtschaftswachstum, Börsen-Rallye oder Jobs – Trump gibt sich in allen Disziplinen eine „Eins“ mit Stern. Und immer muss es bombastisch klingen.

„Die Arbeitslosenrate ist so niedrig wie unter keiner anderen Präsidentschaft“, preist er sich selbst. Tatsächlich sank die Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahrhundert: 3,5 Prozent.

Trump, der Erlöser nach den dunklen Jahren unter seinem Vorgänger Barack Obama, lautet die Devise. Wenn man sein Programm in drei Worten zusammenfassen sollte, wäre die Formel: Ich, ich, ich.

Auf Konfrontationskus- Trump und Thunberg in Davos

Der Egomane Trump sucht eine zweite Bühne

Der Chef des Weißen Hauses entwirft ein fulminantes Gemälde, weil er zu Hause innenpolitisch unter Druck steht. Im Kongress läuft derzeit das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn auf Hochtouren. Ein Egomane wie Trump sucht da eine zweite Bühne, auf der er seine Show darbieten kann. „Alles ist so gut wie noch nie“, heißt der Text des Ablenkungsmanövers. Fast jeder Satz ist für das heimische Publikum formuliert. Anfang November wählt Amerika einen neuen Präsidenten.

Die Spielverderber für seine Wahlkampagne mit der Wunderpille Optimismus hat Trump schnell ausgemacht. „Wir lassen nicht zu, dass radikale Sozialisten unser Leben beeinflussen“, predigt er. Ein Seitenhieb gegen Elizabeth Warren und Bernie Sanders, die stramm linksstehenden Präsidentschaftsanwärter der Demokraten.

Bei den Zuhörern im Saal springt der Funke nicht über. Viele spielen mit ihrem Handy, andere schauen gelangweilt zur Bühne. Auch die schwedische Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg hört zu, ihr Gesichtsausdruck spiegelt Fassungslosigkeit wider. Trump sagt kein Wort zu brennenden Fragen der Weltwirtschaft und -gesellschaft: Klimawandel und Unternehmertum, organisches Wachstum, die auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich, neue Antworten zur Linderung von Fluchtursachen.

Das diesjährige Motto des Weltwirtschaftsforums lautet immerhin „Stakeholder für eine solidarische und nachhaltige Welt“. Das englische Wort „Stakeholder“ steht für „Interessenvertreter“.

Greta Thunberg in Davos- Welt versagt beim Klimaschutz

Trumps Spitze gegen Greta Thunberg

Auch wenn Trump Greta Thunberg nicht beim Namen nennt, attackiert er sie indirekt. „Dies ist keine Zeit für Pessimismus, dies ist eine Zeit für Optimismus ... Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und die Vorhersagen einer Apokalypse ablehnen“, unterstreicht er.

Es ist offensichtlich eine Replik auf düstere Prognosen zu den Auswirkungen des Klimawandels und auf die Warnungen der Bewegung Fridays for Future. Schon in der Vergangenheit hätten „Alarmisten“ falsch gelegen, ergänzt der Präsident und verweist auf deren Einschätzungen zu Bevölkerungskrisen, Hungersnöten und dem Ende des Öls.

Trump kontert mit dick aufgetragenem Eigenlob. „In den letzten 40 Jahren waren Luft und Wasser noch nie so sauber wie heute“, behauptet er. Früher hatte der Präsident den Klimawandel einen Scherz genannt. Davon ist er mittlerweile abgerückt. Aber er bezweifelt immer noch, dass die Klimaveränderungen menschengemacht sind.

Grünen-Chef Robert Habeck hält es nicht mehr auf dem Sitz. „Das war die schlechteste Rede, die ich in meinem Leben gehört habe – ein Desaster für die Konferenz “, poltert er im Interview in einem Versammlungsraum in Davos. „Manche Politiker bewegen sich noch schneller in die Richtung, die unseren Planeten erst in die schwierige Situation gebracht haben, in der wir sind.“ Und: „Wir müssen den Kampf mit Donald Trump aufnehmen, er steht auf der anderen Seite“, fügt Habeck hinzu. Es klingt wie eine politische Kriegserklärung.

Trumps Gegenentwurf gegen die „grüne Welt“ à la Habeck lautet: Wirtschaft, Wachstum, mehr Geld für alle. Er rühmt sich, sieben Millionen neue Arbeitsplätze seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren geschaffen zu haben. Frauen, Arbeiter, Farbige, Asiaten und Latinos würden erheblich besser dastehen als vor seiner Zeit. „Die unteren zehn Prozent haben die höchsten Lohnzuwächse“, betont er. Es ist eine Ansprache an die Wählersegmente, die er vor allem braucht.

14 Prozent der US-Bürger sind ohne Krankenversicherung

Doch Trumps Lobeshymne auf sich selbst stimmt nur zum Teil mit der Wirklichkeit überein. Zwar legte die US-Wirtschaft 2018 um knapp drei Prozent zu. Für 2019 erwartete der Internationale Währungsfonds ein Plus von 2,4 Prozent, während die deutsche Wirtschaft nur um 0,6 Prozent wuchs. Profiteure waren aber vor allem Spitzenverdiener.

Ähnliches Bild bei der Arbeitslosigkeit, wo die Rate auf ein historisches Tief von 3,5 Prozent sank. Viele leben allerdings in prekären Beschäftigungsverhältnissen und können sich nur mit zwei oder drei Jobs über Wasser halten. Weitere Schattenseite in der Sozialpolitik: Die Zahl der US-Bürger ohne Krankenversicherung stieg in Trumps Amtszeit um zwei Millionen Menschen. Demnach stehen knapp 14 Prozent aller erwachsenen Amerikaner ohne Versicherungsschutz da.

Auf der internationalen Ebene präsentiert sich Trump als der große Bändiger der aufstrebenden Wirtschaftsgiganten. „Unsere Beziehungen zu China sind besser als je zuvor“, meint er und preist die kürzlich abgeschlossene erste Phase eines Handelsabkommens mit der Volksrepublik. Mit Blick auf Chinas Staatschef Xi Jinping sagt er: „Er ist für China, ich bin für die Vereinigten Staaten. Aber ansonsten lieben wir uns.“

Und mit Blick auf die Europäer gibt sich der Präsident ebenso zuversichtlich. Er hoffe, beide Seiten könnten sich auf einen Deal verständigen, kündigt er vor einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an. Sie sei als „sehr harte Verhandlungsführerin“ bekannt, fügt er hinzu. In der Vergangenheit hat der Präsident stets das Handelsbilanz-Defizit zwischen den USA und Europa beklagt und mit der Verhängung von Strafzöllen auf Autoimporte in Höhe von 25 Prozent gedroht.

Die versöhnlichen Worte ändern aber nichts an Trumps Ego-Trip in den Schweizer Alpen. „Fast 25 Prozent aller ausländischen Investitionen weltweit gehen in die USA. Es gibt keinen besseren Platz auf der Welt“, sagt er. Da war er wieder: Trump, der Amerikator.

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