Bachelor-Abschluss

Studenten und Firmen misstrauen dem „Turbo-Studium“

Viele Studenten sind enttäuscht vom Bachelor-Studiengang.

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Viele Studenten sind enttäuscht vom Bachelor-Studiengang. Foto: dpa

Essen.   Wirtschaft und Politik hatten große Hoffnungen in die „Bologna-Reform“ gesetzt. Doch die Erwartungen an den „Bachelor“ haben sich nicht erfüllt.

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Die großen Hoffnungen, die mit der Umstellung der Studiengänge auf das zweistufige Bachelor- und Mastersystem verbunden wurden, haben sich nicht erfüllt. Die Mehrzahl der Studierenden misstraut dem nur sechssemestrigen Bachelor und strebt höhere Abschlüsse an.

Auch bei den Unternehmen wächst die Unzufriedenheit mit den „Turbo-Studenten.“ Gerade einmal zwölf Prozent aller Studierenden wollen sich mit dem Bachelor-Abschluss begnügen. Etwa vier von fünf Nachwuchsakademikern streben hingegen einen Master oder einen noch höheren akademischen Abschluss an, ergab eine Studie.

Eigentlich wurde der Bachelor nach sechs Semestern Studiendauer mit der „Bologna-Reform“ als erster berufsqualifizierender Studienabschluss eingeführt. Doch offenbar wagen nur die wenigsten jungen Menschen mit diesem Abschluss den Schritt auf den Arbeitsmarkt, ergab eine Untersuchung der Universität Maastricht im Auftrag des Personalvermittlers Studitemps. Dazu wurden 41 000 Studierende in Deutschland befragt.

Die Zufriedenheit der Unternehmen sinkt

Danach peilen 61 Prozent der Studenten den Master-Abschluss an, eine Promotion ist bei 15 Prozent der Befragten das Ziel. Ein Staatsexamen wollen sieben Prozent machen. „In den meisten Fächern wird mehr verlangt, als ein Bachelor-Studiengang vermitteln kann“, sagt Matthias Jaroch, Sprecher des Deutschen Hochschulverbands in Bonn der WAZ.

Das sehen viele Unternehmen offenbar ähnlich. Nach einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sinkt die Zufriedenheit der Betriebe mit den „Turbo-Studenten“ stetig. So sind mehr als die Hälfte aller Unternehmen unzufrieden mit den Fähigkeiten, die ein Bachelor-Absolvent mitbringt. Im Jahr 2011 waren nur 37 Prozent von den Absolventen enttäuscht. Die Personalchefs bemängeln vor allem eine geringe Anwendungsorientierung sowie fehlende persönliche und soziale Kompetenzen. Zugleich stieg die Zufriedenheit mit den älteren Master-Absolventen auf 78 Prozent.

„Man kann die Inhalte eines Diplomstudiengangs nicht in sechs Semester pressen und glauben, dies habe die gleiche Qualität“, kritisiert Prof. Jörg Bogumil, Experte für Hochschulreformen an der Ruhr-Uni Bochum. Der Hochschulverband fordert, den Master als Regelabschluss anzuerkennen.

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