Serap Güler

Staatssekretärin Serap Güler: Die CDU ist kein Christenclub

Serap Güler (CDU) in der Kölner Keupstraße, dem Ort des NSU-Attentats im Juni 2004. Foto:Katja Hoffmann/laif

Serap Güler (CDU) in der Kölner Keupstraße, dem Ort des NSU-Attentats im Juni 2004. Foto:Katja Hoffmann/laif

Düsseldorf.   Kämpferin aus Köln: Die Muslima Serap Güler (CDU) verliert zunächst ihr Landtagsmandat und steigt anschließend doch zur Staatssekretärin auf.

Wie groß ist die Chance, dass eine muslimische Frau mit türkischem Migrationshintergrund in der NRW-CDU in höchste Ämter kommt? Noch vor 15 Jahren wäre die Antwort wohl gewesen: praktisch unmöglich. Aber die Union von heute ist weltoffener, was nicht zuletzt an Armin Laschet liegt, dem Ministerpräsidenten und früheren Integrationsminister. Serap Güler (37) hat – Anfeindungen zum Trotz – eine bemerkenswerte Karriere geschafft: Seit drei Wochen ist die Tochter eines Bergmanns Staatssekretärin im Integrationsministerium.

Misstrauen zwischen Religionen

Ihr erster offizieller Termin im neuen Amt führte sie nicht zufällig ins erste jüdische Gymnasium in NRW. In einer Zeit, in der das Misstrauen zwischen Religionen größer zu werden scheint, ist das ein Ausrufezeichen. Das Albert-Einstein-Gymnasium ist eine Vorzeige-Schule, die nicht nur Juden, sonder Schülern aus allen Konfessionen oder Religionen offen steht. Nach den Sommerferien werden rund 100 Mädchen und Jungen mit modernsten Lehrmitteln und -methoden zu Schulabschlüssen geführt. Pavle Madzirov, stellvertretender Schulleiter, erklärt Besuchern stolz, dass hier alle Kinder einen Tablet-PC nutzen und mit 3-D-Brillen das alte Rom oder den menschlichen Körper erkunden können.

Serap Güler erkundigt sich nach den Erfahrungen mit Antisemitismus. Das sei ein Problem, versichern die Lehrer. „Jude ist an vielen Schulen heute ein Schimpfwort“, sagt Rektor Michael Bock. Der Verwaltungschef der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Michael Szentei-Heise, berichtet von Gesprächen mit Jugendlichen, die in ihren Schulen unter Anfeindungen gelitten haben: „Uns stehen die Haare zu Berge, wenn wir das hören.“

Warnung vor Erdogans Einfluss

Ob Christen, Juden oder Muslime – Serap Güler lässt sich auf alle Perspektiven ein. Sie warnt vor Erdogans Einfluss auf die türkische Community in NRW, kritisiert die Abhängigkeit des Ditib-Moscheeverbandes von Ankara, sagt aber auch, dass viele Türkeistämmige an Rhein und Ruhr üble Diskriminierung erfahren haben und daher empfänglich seien für die Vereinnahmung durch den türkischen Präsidenten.

Der Aufstieg von Serap Güler ist eng mit Armin Laschet verbunden. Sie arbeitete als dessen Referentin, als er Integrationsminister im Kabinett Rüttgers war. Mit Laschets Unterstützung und mit eigenem Durchsetzungsvermögen schaffte sie die Landtagskandidatur, den Einzug ins Parlament und in den CDU-Bundesvorstand.

Die „schwarzhaarige Dame“

Der Wahlabend am 14. Mai 2017 war für sie eine extreme Erfahrung: Die Union gewann zwar die Wahl, aber Güler verlor ihr Landtagsmandat, weil die Landesliste wegen der vielen Direktmandate nicht zog. „Traurig“ sei sie gewesen, sagt sie. „Ich habe fünf Wochen in der Luft gehangen.“ Dann kam das Angebot, Staatssekretärin zu werden. Sie habe mit sich „gerungen“.

Ausgerechnet einem unbedachten Satz über Serap Güler hatte es im Februar der frühere NRW-Integrationsminister Rainer Schmeltzer (SPD) zu „verdanken“, dass er bundesweit in die Schlagzeilen geriet. Weil er seine Gegenspielerin im Landtag als „gut aussehende schwarzhaarige Dame“ bezeichnete, deren Pressemitteilungen „Gott sei Dank“ keiner abdrucke, hatte Schmelzer plötzlich eine Sexismus-Debatte am Hals. Damals dürfte er kaum geahnt haben, dass ihn eine Art Rollentausch erwartete: Schmeltzer ist heute einfacher Abgeordneter, Güler sitzt in der Chefetage des Ministeriums.

Irritiert hat zuletzt viele, dass ausgerechnet Güler gegen anonymisierte Bewerbungen, die die Chancen von Zuwanderern verbessern sollten, ist. Sie wolle nicht, dass Menschen ihre Herkunft verstecken müssten, erwiderte sie darauf. Ihr Engagement in einer Partei, die das „C“ im Namen trägt, erklärt Güler so: „Die CDU ist aus meiner Sicht kein Christenclub.“ Die liberal eingestellte Muslima empfindet das christliche Menschenbild, das in der Union gepflegt werde, als positiv. Und dass man dort auch zu Nicht-Christen sagt: Willkommen im Club.

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