Banken

Sparkassen in der Region schließen jede zweite Filiale

Geld gibt’s am Automaten oder Online – die Arbeit in den Sparkassen-Filialen selbst aber wird nach Angaben der Verbände immer weniger genutzt.

Geld gibt’s am Automaten oder Online – die Arbeit in den Sparkassen-Filialen selbst aber wird nach Angaben der Verbände immer weniger genutzt.

Düsseldorf.   Immer mehr Kunden haben Online-Konten. Und die Niedrigzinsen schmälern den Gewinn. Die Sparkassen reagieren – und wollen Filialen schließen.

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Die Sparkassen in NRW stehen vor tiefen Einschnitten. Der Verband Westfalen-Lippe kündigte am Dienstag an, das Filialnetz bis zum Jahr 2021 zu halbieren. Auch rheinische Sparkassen wie die in Essen, Duisburg und Oberhausen haben die Schließung von Niederlassungen angekündigt.

Mit der erheblichen Ausdünnung des Filialnetzes reagieren die Sparkassen auf die wachsende Verlagerung der Bankgeschäfte ins Internet, aber auch auf ihren Kostendruck, der durch die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank entstanden ist. „Obwohl unsere Bilanz wächst, rechnen wir in diesem Jahr mit 100 Millionen Euro weniger Zinsüberschuss“, sagte Liane Buchholz, die neue Präsidentin des Sparkassen-Verbandes Westfalen-Lippe. Sie erwartet für 2017 ein schrumpfendes Jahresergebnis.

„Die Kunden haben längst mit den Füßen abgestimmt“

Wegen der wegbrechenden Einnahmen und des veränderten Kundenverhaltens wollen die Sparkassen ihre Kosten weiter senken. „Wir werden auf Sicht weitere Mitarbeiter abbauen. Bis 2021 wird das Filialnetz kontinuierlich um die Hälfte oder darunter abnehmen“, kündigte Jürgen Wannhoff, Vizepräsident des westfälischen Verbands, an. Im Service-Bereich würden die meisten Stellen wegfallen. Viele der Kassen-Mitarbeiter könnten aber zu Bankberatern weiterqualifiziert werden.

Präsidentin Buchholz verteidigte die Filialschließungen: „Die Kunden haben längst mit den Füßen abgestimmt“, sagte sie im Hinblick darauf, dass rund die Hälfte der Sparkassen-Kunden ihre Konten inzwischen online führten. „Filialschließungen werden kaum noch wahrgenommen. Sie sind eine logische Folge des Kundenverhaltens“, so Buchholz.

Die Sparkassen-Präsidentin rechnet im Frühjahr 2018 mit einer Zinswende und Ende 2019 mit einer „leichten Zinsentwicklung“ nach oben. Negativzinsen für private Anleger schloss Buchholz bis zu diesem Zeitpunkt aus. „Bis Ende 2019 werden wir das durchhalten“, sagte sie.

Nach ihren Angaben müssen die 63 westfälisch-lippischen Sparkassen jährlich 380 Millionen Euro drauflegen, um die auf 94 Milliarden Euro angewachsenen Einlagen ihrer Kunden zu verwalten. „Damit subventionieren und fördern wir das Sparen unserer Kunden“, erklärte die Präsidentin und forderte die Bundesregierung auf, wegen der Zinsflaute mehr für die Vermögensbildung der Bürger zu tun.

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