Rüstungskontrolle

Angst vor Wettrüsten: USA testen ballistische Rakete

Die USA testeten bereits im August einen nach dem INF-Vertrag verbotenen Marschflugkörper.

Die USA testeten bereits im August einen nach dem INF-Vertrag verbotenen Marschflugkörper.

Foto: Scott Howe / dpa

Washington/Brüssel.  Die USA haben eine bodengestützte ballistische Rakete getestet. Die Sorge, dass Russland und China entsprechend reagieren, wächst.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Provozieren die USA ein neues Wettrüsten? Am Donnerstagmorgen (Ortszeit) hat das US-Verteidigungsministerium zu Testzwecken eine bodengestützte ballistische Rakete abgeschossen. Der Erprobungsflug sei von der Luftwaffenbasis Vandenberg an der Pazifikküste zwischen San Francisco und Los Angeles gestartet, teilte das Pentagon mit.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigten, dass der Raketentest gegen Vorgaben des INF-Vertrags verstoßen hätte: Der Prototyp sei weiter als 500 Kilometer weit geflogen und anschließend ins offene Meer gestürzt. Die Erkenntnisse aus dem Test würden das Verteidigungsministerium bei der „Entwicklung künftiger Mittelstreckenfähigkeiten“ unterstützen.

Ballistische Raketen können mit konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums handelte es sich bei der getesteten Rakete um eine „konventionell konfigurierte“. Die Ergebnisse des Tests würden derzeit ausgewertet, hieß es.

Die USA hatten zum 2. August den sogenannten INF-Vertrag aufgekündigt, mit dem das Land sich verpflichtete hatte, auf landgestützte Mittelstreckensysteme zu verzichten.

Grund für diesen Schritt war die Annahme, dass Russland das Abkommen seit Jahren mit einem System namens SSC-8 (Russisch: 9M729) verletzte. Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die sich mit Atomsprengköpfen bestücken lassen und mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können. Moskau weist dies zurück und gibt die Reichweite des Systems mit unter 500 Kilometern an.

INF-Vertrag untersagte Herstellung, Test und Besitz von ballistischen Raketen

Der INF-Vertrag untersagte beiden Seiten Produktion, Tests und Besitz von bodengestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern. Ballistische Raketen können mit konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums handelte es sich bei der getesteten Rakete um eine „konventionell konfigurierte“. Die USA hatten bereits im August einen Marschflugkörper getestet, was unter dem INF-Vertrag ebenfalls verboten gewesen wäre. Russland und China hatten daraufhin vor einem neuen Wettrüsten gewarnt und eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt.

Hoffnungen auf neue wirksame Absprachen zur Rüstungskontrolle gibt es derzeit kaum. Als Grund für die Kündigung des Vertrages durch die USA gilt nämlich auch die Tatsache, dass der INF-Vertrag nur Amerikaner und Russen band, nicht aber aufstrebende Militärmächte wie China.

China soll mittlerweile über knapp 2000 ballistische Raketen und Marschflugkörper verfügen, die unter das Abkommen fallen würden. (mbr/dpa)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben