Insektensterben

So dramatisch steht es um die Insekten in Deutschland

Bei 45 Prozent aller in der Roten Liste aufgeführten Insektenarten ist die Zahl zurückgegangen, so eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen.

Bei 45 Prozent aller in der Roten Liste aufgeführten Insektenarten ist die Zahl zurückgegangen, so eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen.

Foto: imago stock&people / imago/blickwinkel

Berlin  Fast die Hälfte aller heimischen Insektenarten der Rote-Arten-Liste gehen zurück. Der Landwirtschaft droht ein Milliarden-Verlust.

Weniger Vielfalt, aber auch weniger Tiere insgesamt: Das Insektensterben in Deutschland ist ein langfristiger Trend. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegt, hat der Bestand von 3086 in der Roten Liste erfassten Insektenarten in den vergangenen 50 bis 150 Jahren abgenommen.

Das entspricht 45 Prozent aller in der Liste aufgeführten Arten. Bei 40 Prozent ist der Bestand gleich geblieben, nur für etwa zwei Prozent wurde der Trend positiv eingeschätzt. Mit Blick auf die vergangenen 10 bis 25 Jahre ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild: In diesem Zeitraum werden 23 Prozent der Insektenarten auf der Liste als abnehmend eingestuft, 44 Prozent als gleichbleibend und vier Prozent als zunehmend. In fast einem Drittel der Fälle war die Datenlage nicht aussagekräftig.

Insekten-Arten: Sieben Prozent bereits ausgestorben

Insgesamt war die Zahl der Arten mit abnehmendem Bestand in allen untersuchten Insektengruppen „erheblich höher“ als die Zahl der zunehmenden Arten, wie es in der Antwort des Umweltministeriums heißt. Sowohl die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Arten sei in Deutschland stark zurückgegangen.

Nur bei zwei bis vier Prozent der Arten wachsen die Bestände. Dazu gehört unter anderem die Honigbiene. Für viele Wildbienen- und Hummelarten dagegen ist die Lage dramatisch: Mehr als ein Drittel – 34,9 Prozent – der Arten auf der Liste sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Sieben Prozent sind bereits ausgestorben.

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Insektensterben: Verlust von Lebensräumen entscheidend

Wichtigste Ursachen für das Insektensterben sind laut Umweltministerium der Verlust beziehungsweise die Verschlechterung von Lebensräumen für die Tiere. Ein Rückgang von Wildpflanzen, der Einsatz von Pestiziden, Nähr- und Schadstoffe in Gewässern und Lichtverschmutzung trügen alle zur sinkenden Qualität der Lebensräume bei.

Werden bestäubende Insekten wie Wildbienen und Hummeln seltener, hat das auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Sollte die Insektenbestäubung in Zukunft vollständig ausfallen, drohen laut Umweltministerium Verluste von 1,13 Milliarden Euro in der Landwirtschaft. Allein durch Honigbienen ist die Bestäubungsleistung der wilden Arten dabei nicht zu kompensieren: Von Wildbienen besuchte Blüten bringen laut Antwort der Bundesregierung deutlich mehr Fruchtknoten und -stände hervor als Blüten, die nur durch Honigbienen bestäubt wurden.

„Beim Artensterben ist es fünf nach zwölf“

Steffi Lemke, Sprecherin der Grünen im Bundestag für Naturschutzpolitik, zeigte sich alarmiert: „Beim Artensterben ist es fünf nach zwölf“, sagte Lemke unserer Redaktion. Die Artenvielfalt brauche jetzt konsequentes Handeln der Bundesregierung.

„Statt Hunderte Pestizide ohne Prüfung zuzulassen, muss der Ausstieg aus bienengefährlichen Pestiziden wie Glyphosat und Neo­nikotinoiden endlich erfolgen“, so Grünen-Politikerin Lemke. Die Bundesregierung dürfe auch die derzeit laufende Sitzung des Welt-Biodiversität-Rates in Paris nicht ignorieren.

Insektenschutz: Bundesregierung arbeitet am Aktionsprogramm

Das Umweltministerium verweist auf das Aktionsprogramm Insektenschutz , für das 2018 Eckpunkte verabschiedet wurden. Derzeit befindet sich das Programm in der Ressortabstimmung – einen konkreten Zeitplan zur Umsetzung gibt es bislang nicht. (

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