Hochschule

Verbot von Anwesenheitspflicht an NRW-Unis gekippt

Bei der Vertretung der Studierenden in NRW stieß die geplante Anwesenheitspflicht auf Kritik.  Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Foto: Lars Fröhlich

Bei der Vertretung der Studierenden in NRW stieß die geplante Anwesenheitspflicht auf Kritik. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services Foto: Lars Fröhlich

Düsseldorf.  Gleich in einer ihrer ersten Initiativen als Ministerin fällt Isabel Pfeiffer-Poensgen umstrittene Entscheidungen. Die Studierenden üben Kritik.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die schwarz-gelbe Landesregierung will den Hochschulen wieder mehr Freiheit geben und zieht sich aus der Detailsteuerung weitgehend zurück. Die angestrebte Autonomie für die Unis zieht sich wie ein roter Faden durch die Pläne für ein neues Hochschulgesetz. NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) stellte die Eckpunkte dazu am Dienstag erstmals vor.

Unis und Fachhochschulen sollen weitgehend selbstständig wichtige Fragen zur Beschäftigung von Mitarbeitern, zur Auswahl von Studenten und zur Forschung regeln dürfen. Geplant ist zum Beispiel, das Verbot von Anwesenheitspflichten zu streichen. Die Hochschulen sollen selbst entscheiden können, ob Studenten in Veranstaltungen anwesend sein müssen. Auch die „Zivilklausel“, die Hochschulen zur friedlichen Forschung verpflichtet, soll gestrichen werden, weil die Regierung sie als „Ausdruck des Misstrauens gegenüber den Hochschulen“ ansieht. Eine „staatliche Hilfestellung“ bei der Verpflichtung zu friedlichen Zielen ist aus Sicht der Ministerin überflüssig, weil das Grundgesetz schon eine Friedensordnung vorgebe.

Mehr Einflussmöglichkeiten für Hochschulen

Eine Reihe von neuen Instrumenten soll dazu führen, dass künftig weniger Studenten ein Studium abbrechen. So sollen die Hochschulen erweiterte Möglichkeiten erhalten, so genannte „Online-Self-Assessments“ einzuführen. Das sind Selbsttests für Studienbewerber, mit denen geprüft wird, ob sie die Voraussetzungen für ein Studium vorliegen. Sollte ein Bewerber nicht die nötigen Kenntnisse, zum Beispiel in Mathe, mitbringen, ist eine Nichtzulassung zum Studium möglich. Darüber hinaus ist angedacht, die Studienberatung und die Betreuung während des Studiums zu intensivieren. Hochschulen dürften dann Studienverlaufsvereinbarungen mit „verbindlichem Charakter“ mit den Studenten abschließen.

Der Staat überträgt seine Einflussmöglichkeiten auf die Hochschulen wieder weitgehend auf die Hochschulräte. Das ist eine einem Aufsichtsrat vergleichbare Runde von Fachleuten, die nicht dem klassischen Hochschulbetrieb angehören. Die Senate sollen nicht mehr zwingend zu gleichen Teilen aus Vertretern von Professoren, Mitarbeitern und Studenten zusammengesetzt sein. Erleichterungen sind vorgesehen bei der Promotion von Fachhochschul-Absolventen.

Die Opposition kritisiert die Pläne scharf. Matthi Bolte-Richter (Grüne) sprach von einer „ideologischen Retro-Politik mit mehr Bürokratie, Bevorzugung der Rektorate, weniger Freiheit für Studierende, mehr Freiheit für Militärforschung und Professoren.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (11) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik