Gesundheit

So helfen Universitäten Studenten bei psychischen Problemen

Das Studium fordert junge Akademiker stark und macht sie anfällig für psychische Störungen. Jeder vierte junge Erwachsene ist in NRW betroffen.

Das Studium fordert junge Akademiker stark und macht sie anfällig für psychische Störungen. Jeder vierte junge Erwachsene ist in NRW betroffen.

Foto: iStock

Essen.  Leistungsdruck, Stress, Erschöpfung: Immer mehr 18- bis 25-Jährige leiden an psychischen Störungen. Universitäten bieten erste Hilfestellungen an.

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Hoher Leistungsdruck und die eigenen Ansprüche sorgen bei 18- bis 25-Jährigen vermehrt für psychische Störungen. Das geht aus dem Barmer-Ärztereport 2018 hervor. In der Altersgruppe erhält in Nordrhein-Westfalen jeder Vierte die Diagnose und hat beispielsweise mit Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken zu kämpfen.

Hilfe gibt es beim Psychotherapeuten, aber freie Therapieplätze sind rar. Schon im Vorfeld haben Studenten die Möglichkeit, sich am Campus an Ansprechpartner zu wenden, um dort eine erste Hilfe zu erhalten. Oft ist in die zentrale Studienberatung eine psychische Beratung integriert.

Hilfe ab der Einführungswoche

An der Universität Duisburg-Essen lernen die Studenten in ihrer Einführungswoche nicht nur den Asta und die Fachschaften kennen, sondern erhalten auch direkt Informationen über die beiden Beratungseinrichtungen. Auf dem Campus bieten sowohl das Studierendenwerk Essen-Duisburg als auch das Akademische-Beratungs-Zentrum psychologische Beratungen an.

Dort können Interessenten Fragen zum Thema Psychotherapie stellen oder auch Gruppenangebote in Anspruch nehmen. Letztere befassen sich zum Beispiel mit Themen, wie Prüfungsangst, Zeitmanagement und Meditation. „Vor Ort ist aber auch die Caritas und das Bistum Essen mit kirchlicher Trägerschaft vertreten“, sagt Cathrin Becker, Pressesprecherin der Universität Duisburg-Essen.

Der Bedarf an psychologischen Beratungen steigt

Das Studierendenwerk hat vier Berater zur Verfügung. „Die Studenten können in der offenen Sprechstunde vorbeikommen und auch anonym bleiben. Der Bedarf hat zugenommen“, weiß Johanne Peito, Pressesprecherin des Studierendenwerks Essen-Duisburg.

Während Studenten sonst zu größeren Teilen die soziale Beratung nutzen, wo es zum Beispiel um die Finanzierung des Studiums geht, ist der Anteil an psychologischen Beratungen mittlerweile höher.

„Oft stehen Leistungsthemen im Vordergrund, wie Zeitdruck oder Prüfungsangst, aber sie sind nicht selten Türöffner für tiefergehende Probleme, wie Depressionen, über die Studenten dann reden“, so Peito.

Beratung am Campus ist der erste Schritt

Die Technische Universität Dortmund stellt ebenfalls eine psychologische Beratung. Bei offenen Sprechstunden oder auch am Telefon können die Studenten über alle Probleme reden. In einem Vorgespräch klären die Psychotherapeutinnen den Beratungsbedarf und schreiben den Studenten dann auf eine Warteliste. Laut Website der Universität haben akute Anliegen Vorrang, auch ein kurzfristiger Termin ist dann möglich. „Hier findet der erste Schritt statt und gegebenenfalls folgt dann die Vermittlung an eine Klinik oder einen Psychologen“, erklärt Livia Rüger, Pressesprecherin der TU Dortmund.

Die Hemmschwelle für Studenten ist groß

Ein großes Problem bemerkt aber Diplom Psychologin Emine Selvi. Sie arbeitet in der Beratungsstelle der Universität Siegen. „Es gibt sehr große Hemmungen bei den Studenten und die fangen schon bei Problemen wie Prüfungsangst an, über die manch anderer offen reden kann.“ Sie erlebt immer wieder Akademiker, die Wochen, Monate oder auch mehrere Semester mit dem Gedanken spielen, die Beratungsstelle zu besuchen, aber sich dann nicht trauen. In den Gesprächen versucht sie zunächst den Therapiebedarf zu ermitteln und gibt dem Interessenten dann eine Übersicht der niedergelassenen Psychotherapeuten in der Nähe.

Wenn ein Therapieplatz frei wird, endet die Betreuung. „Bis dahin gibt es unterstützende Gespräche jede Woche oder alle zwei Wochen. Ich gucke darauf, wie sozial stabil die Person ist, ob sie vielleicht einsam ist und im schlimmsten Fall Suizidgefahr besteht“, so Selvi.

Bekanntheit des Angebots steigern

Wie viele Studenten wegen Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken zu ihr kommen, könne sie nicht sagen. Um die Bekanntheit des Angebots und auch die Hemmschwelle kontinuierlich zu senken, versucht die Psychologin mit Workshops und Kooperationen auf die Hilfe aufmerksam zu machen. Selvi: „So weiß dann vom Asta bis zum Familienservicebüro und den Professoren jeder von dem Angebot und kann bei Auffälligkeiten an die Studenten herantreten.“

Der Arztreport 2018 hat bisher noch keine Folgen für die Universitäten, allerdings passen beispielsweise das Studierendenwerk Essen-Duisburg und die Beratungsstelle in Dortmund das Angebot immer wieder an, wie Livia Rüger verrät. „Immer wieder gibt es Veranstaltungen für die Studenten und da stehen dann die aktuellen Bedürfnisse im Vordergrund und die Berater klären darüber auf.“

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