Bildung

Mark Benecke gibt in Siegen Einblicke in die Rechtsmedizin

Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke (l.) mit der Gruppemit den angehenden Medizinern. Ziel des Seminars war es, den Teilnehmern ein Gespür für Spurensicherung an Tatorten und Kliniken zu vermitteln.

Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke (l.) mit der Gruppemit den angehenden Medizinern. Ziel des Seminars war es, den Teilnehmern ein Gespür für Spurensicherung an Tatorten und Kliniken zu vermitteln.

Foto: Uni Siegen

Siegen.   Beim ersten Modul des Medizin-Campus Bonn-Siegen erhielten die Studierenden praxisnahe Seminare zu Themen wie Rechtsmedizin und Medizinrecht.

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Blutspritzer auf dem Boden, Aufkleber mit Maßeinheiten daneben – der Vorlesungsraum gleicht einem Tatort. Die Aufgabe ist leicht erklärt: In welcher Körperposition und an welcher Stelle befand sich das Opfer, als diese Blutspritzer verursacht wurden? Das erste Modul des neuen Medizin-Campus Bonn-Siegen hat es in sich: Fünf Tage lang beschäftigten sich die angehenden Mediziner sowie Studierende medizinnaher Fachrichtungen mit den Themen Rechtsmedizin und Medizinrecht. Sechs Dozenten stellten ihre Spezialthemen in Theorie oder Praxis vor, allen voran der bekannte Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke. Die 30 Teilnehmer des Moduls kamen dabei nicht nur aus Siegen, sondern auch aus Rotterdam, Marburg oder Ulm.

1. Thema: Konsequenzen des eigenen Handelns

Bereits zum Einstieg in die Woche wurden die Teilnehmenden mit medizinrechtlichen Themen konfrontiert. Joachim Lüblinghoff, Vorsitzender des 26. Zivilsenats am Oberlandesgericht Hamm, und die Medizinrechtlerin Sabrina Diehl sensibilisierten für die hohe Verantwortung in medizinischen Berufen. „Ich denke es ist wichtig, dass sich die Studierenden schon während ihrer Ausbildung mit den Konsequenzen ihres Tuns beschäftigen“, sagte Lüblinghoff. Medizinrechtlerin Sabrina Diehl vertritt Patienten im Fall von Behandlungsfehlern. Sie weiß, wie wichtig der ausführliche Austausch zwischen Ärzten und Patienten ist. „Ärzte müssen täglich schnelle Entscheidungen treffen, sollten aber auch besonnen überlegen, was zu tun ist und dies mit dem Patienten detailliert besprechen. Jedes Handeln kann Konsequenzen für den Patienten und dann auch für den behandelnden Arzt haben“, sagt Diehl.

2. Thema: Patienten und Luftfahrt

Patientensicherheit stehe dabei ganz oben auf der Prioritätenliste. Deshalb war es für Prof. Veit Braun, Studiendekan Gesundheitswissenschaften der Lebenswissenschaftlichen Fakultät (LWF) der Universität Siegen, naheliegend, einen Spezialisten einzuladen, der erstaunliche Parallelen aus der Luftfahrt auf die Medizin übertragen konnte.

Der Flugkapitän in einem großen deutschen Luftfahrtunternehmen Frank Dunz referierte über Risiken, Prioritäten und Sicherheitsmechanismen in der Luftfahrt. „So wie Passagiere eines Verkehrsflugzeugs höchste Sicherheit während ihres Flugs erwarten, verlassen Patienten sich darauf, dass sie im Krankenhaus eine gute und komplikationsfreie Behandlung erfahren“, sagt Dunz. Jedoch sei kein Flug und keine Behandlung frei von Risiken. Arbeitsbelastung, Entscheidungsfindung unter hohem Zeitdruck, Ablenkung, Müdigkeit durch Schichteinsätze und wirtschaftlicher Druck systemimmanent.“ Wenn dann noch Konflikte im Team, Kommunikations- und Hierarchieprobleme hinzukommen, erhöht sich die Fehlerwahrscheinlichkeit, so Dunz.

3. Thema: Eine Frage der beruflichen Moral

Um ein Fehlerbewusstsein auf moralischer Ebene warb Prof. Dr. Hartmut Collmann, der viele Jahre Kinderneurochirurg in Würzburg war und sich intensiv mit der Vergangenheit der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie- und damit auch mit der Medizin während des dritten Reichs befasste. Er führte den Teilnehmern mit Beispielen aus dieser Zeit vor Augen, dass medizinische Arbeit nicht vorurteilsfrei sein kann, Jeder Mensch habe Wünsche und Ängste, die das eigene Verhalten beeinflussen. Es sei eine Frage des Berufsethos und der Moral, wie weit man gehe, um die eigenen Karriereziele zu erreichen

4. Thema: Banale Erklärung für Foltermale

Den inhaltlichen Schwerpunkt des Seminars gestaltete der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke mit seinem Team. Sein Ziel: Den Studierenden vermitteln, warum es so wichtig ist, an Tatorten oder auch in der Klinik, Spuren und Details beispielsweise mithilfe von Fotos gut zu sichern und damit die Basis für die Aufklärung von mutmaßlichen Gewaltverbrechen zu legen. Aber nicht alle Indizien und Spuren weisen auf einen außergewöhnlichen Tathergang hin, erklärte Benecke.

Manchmal seien sie auch ganz banal zu erklären. Verletzungen, die wie Foltermale aussehen, könnten durch Insekten am Leichenfundort verursacht worden sein. „Ich möchte den Teilnehmern ein Gespür dafür geben was man macht, wenn man ganz früh am Tatort ankommt, was mit Spuren passiert, wenn jemand zum Beispiel in der Notaufnahme gewaschen wird oder wie stark sich Spuren verändern, weil sich der Körper nicht mehr am Fundort befindet“, sagt Benecke. Die Gruppe sei sehr „auf Zack“ und das Training auf englisch durchzuführen und mit internationalen Teilnehmern zu arbeiten, habe ihm besonders viel Spaß gemacht.

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