Grundschule

Diese Dinge müssen Kinder bei der Einschulung können

Kann mein Kind genug, um schulfähig zu sein? Eltern machen sich oft Sorgen –  ohne Grund.

Kann mein Kind genug, um schulfähig zu sein? Eltern machen sich oft Sorgen – ohne Grund.

Foto: dpa Picture-Alliance / DAVIDE AGOSTA

Essen.  Schwimmen, Schleifebinden, Namen schreiben – was müssen Kinder bei der Einschulung können? Viel nicht, aber ein paar Voraussetzungen gibt es.

Angst vor der Schule haben oft nur die Eltern. Ist meine Tochter reif fürs Lernen? Sie Interessiert sich doch noch gar nicht für Buchstaben! Oder: Schafft mein Sohn das alles allein? Er kann ja nicht mal eine Schleife...

Aber Grundschul-Expertin Rixa Borns beruhigt: Kinder müssen bei der Einschulung viel weniger können als viele Eltern denken. "Jedes Kind hat sein eigenes Tempo", erklärt sie. Forscher seien sich einig: Der Entwicklungsstand von Erstklässlern liegt bis zu drei Jahre auseinander. Gemessen am Alter eines Sechsjährigen ist das die Hälfte des Lebens! Mit den Jahren gleicht sich dieser Unterschied nach und nach aus. Aber anfangs ist er natürlich noch deutlich spürbar und bereitet vielen Eltern Sorge.

40 Jahre lang hat Rixa Born, ehemalige Grundschulleiterin aus Münster, Kinder durch die ersten vier Schuljahre begleitet. Auch nach ihrer Pensionierung ist sie weiter als Vorsitzende der "Fachgruppe Grundschule" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW aktiv. Uns hat sie erklärt, was Kinder bei der Einschulung wissen und können müssen – und das ist gar nicht viel.

Buchstaben, Schreiben, Lesen:

Bei der Einschulung ist alles vertreten, weiß Rixa Borns – einige Kinder können ganze Sätze lesen, andere nicht mal ihren Namen schreiben. "Das war schon immer so, und das ist auch völlig in Ordnung", meint sie. Eltern müssen natürlich nicht vor der Einschulung mit ihren Kindern das Alphabet üben. Aber falls sich die Kinder für Buchstaben interessieren, sollte man ihre Neugierde nicht bremsen. Den eigenen Namen schreiben zu können, macht stolz – aber wenn ein Kind es nicht kann, hinkt es noch lange nicht hinterher.

Zahlen, Zählen, Rechnen:

Es sei gut, wenn Kinder bei der Einschulung gewisse Zahlenvorstellungen haben, so Borns. Müssen sie also 3+3 rechnen können? Nicht wirklich, obwohl viele das natürlich können. Sie brauchen erstmal nur ein lockeres Mengenverständnis - sollten also wissen, dass 6 mehr ist als 4.

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Uhr und Datum:

Es gehöre zwar zu unseren Grundfertigkeiten, die Uhr lesen zu können. Aber Borns nimmt Eltern auch hier den Druck: "Kinder müssen das bei der Einschulung nicht können." In vielen Haushalten gebe es ohnehin keine klassische runde Uhr mit Zeigern mehr – und Armbanduhren für Kinder seien auch meist digital. Auch den Kalender müssen die Kleinen noch nicht können. "Die Wochentage lernen sie zwar im Kindergarten", weiß Borns. "Aber ein echtes Zeitgefühl wie 'heute ist Mittwoch' ist bei Kindern völlig unterschiedlich ausgeprägt."

Schleife:

Eine schöne Kulturtechnik, dieses Schleifebinden! Auch in der Schule sei das sehr praktisch, meint Borns. Aber müssen Kinder das wirklich können? "Ehrlich gesagt: Das ist ein Relikt aus alter Zeit, als die Turnschuhe noch Schnürbänder hatten. Welche Kinderschuhe haben denn heute noch eine Schleife?" Ja, Schleifebinden schult Fingerfertigkeit, Feinmotorik und die Koordination zwischen beiden Händen. Aber mit Klett-Turnschuhen brauche das erstmal kein i-Dötzchen.

Schwimmen:

"Wir freuen uns über jedes Kind, das schwimmen kann", meint Borns. Aber das sind immer weniger, und einige Kinder haben sogar Angst vor dem Wasser. Dafür steht in der Schule ja auch Schwimmunterricht auf dem Lehrplan – sofern es vor Ort noch ein Schwimmbad gibt. Aber auch Schwimmer-Kinder langweilen sich im Unterricht nicht: An Technik, Sicherheit und Ausdauer gibt es immer etwas zu verbessen.

Fahrrad fahren:

Nein, das muss kein Kind bei der Einschulung können, obwohl es für Gleichgewichtssinn und Koordination sicher erstrebenswert wäre. Zudem aktivieren bestimmte Bewegungsabläufe das Gehirn – dann fällt das Lernen leichter. Aber beim Radfahren gibt es riesige Unterschiede zwischen den Regionen: "Hier in Münster fahren schon Kleinkinder mit dem Laufrad zur Kita...", scherzt Borns. Und eine Mutter aus dem bergigen Wuppertal habe nur müde gelächelt, als sie sie aufs Radfahren ansprach. Man gehe ohnehin davon aus, dass Kinder frühestens mit neun Jahren verantwortlich am Verkehr teilnehmen können. Den Schulweg meistern sie besser zu Fuß. Radfahren sollen keinesfalls allein.

Filigranes mit der Schere ausschneiden:

Ausschneiden gehört zu den Kindergarten-Standards, müsse bei Bedarf aber auch zuhause geübt werden, fordert Borns. Wenn ein Kind entnervt die Schere weglegt, weil's nicht klappt, dürfen Eltern und Kitaerzieher das Ausschneiden bloß nicht selbst übernehmen: "Kinder müssen lernen, mit Frustration umzugehen und es nochmal zu versuchen." Ein gewisser Geschicklichkeitsgrad an der Schere muss bei der Einschulung schon sein.

Alleine duschen und Haare waschen:

Kinder sollten frühzeitig selbstständig werden, weiß Lehrerin Borns. Dazu gehört neben Haarewaschen (was man in der Schule direkt nicht braucht) natürlich auch das Umziehen beim Sportunterricht. Die meisten Kinder wollen das ganz von allein lernen, weil es sie stolz macht. Die, die es nicht können, halten allerdings die gesamte Gruppe auf. Da müssen die Eltern ran!

45 Minuten still sitzen:

"Ach, das Rumhampeln legen einige Kinder in der gesamten Grundschulzeit nicht ab", weiß Borns. Aber sie beruhigt: Heute sitzen Grundschulkinder nicht mehr 45 Minuten still am Platz und machen immer das Gleiche. Der Unterricht wird oft aufgebrochen – mit Yoga, Liedern, Gymnastik... Das ändert aber nichts daran, dass Kinder während der ersten Schulzeit lernen müssen, sich lange mit einer Sache zu beschäftigen und nicht ständig durch die Klasse zu laufen. Konzentration ist wichtig! Eltern sollten sich aber nicht sorgen, weil ihr Kind vor der Einschulung keine 45 Minuten lang still sitzen kann. Das kommt mit der Zeit.

Allein nach Hause finden:

Das sei ein großes Problem, meint Rixa Borns. "Eltern haben zu viel Angst um ihre Kinder. Sie müssen ihnen mehr zutrauen!" Um nach Hause zu finden muss man das Wohnumfeld kennen (grundsätzlich sollte die Grundschule ja in der Nachbarschaft liegen). Kinder müssen sich langsam daran herantasten, "ihre" Straßen zu erfassen. Das geht nur durch Eigenverantwortung. Das heißt natürlich nicht, kleine Kinder alleine ziehen zu lassen. Aber sie können den Weg weisen oder ein (großes) Stück vorgehen – auch in Straßen, die nicht zum direkten Weg gehören. Vor allem aber: Kinder müssen ihre Adresse kennen, um im Notfall danach fragen zu können.

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