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Anwältin Sevgül Asan wandert zwischen den Kulturen

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Hagen. Die Antwort kommt ganz spontan: „Familienrecht. Darauf habe ich mich spezialisiert. Ich bearbeite gerne Zivilsachen. Familienrecht ist dabei mein Spezialgebiet", erzählt Sevgül Asan.

Sevgül Asan hat ihr berufliches Leben bisher im Schnelldurchlauf gemeistert. Zunächst Realschule, dann Abitur am Gymnasium Hohenlimburg, das komplette Jurastudium in nur acht Semestern abgeschlossen. Anschließend zwei Jahre Rechtsreferendariat. Danach in der Kanzlei „Wolf & Göbel” gearbeitet und seit drei Jahren selbstständig als Rechtsanwältin tätig: „Ich bin sehr ehrgeizig.” Und sie wollte immer unabhängig sein. Über ihr Leben selbst bestimmen. „Was ich mir in den Kopf setze, das will ich auch durchsetzen.”

Die junge Rechtsanwältin kommt ursprünglich aus dem äußersten Osten der Türkei - „die armenische Grenze ist nur einen Steinwurf von meinem Geburtsort entfernt. Als ich nach Deutschland kam, war ich gerade zwei Monate alt.” Der Vater lebte bereits seit 1969 in Deutschland und arbeitete bei Krupp. Integration war in diesen Jahren noch unbekannt. Deutschkurse für ausländische Arbeiter, die hier den Wohlstand mit aufbauten - Fehlanzeige. „Als ich in die Schule kam, konnte ich auch noch nicht gut Deutsch sprechen„, lacht Sevgül Asan. Das aber änderte sich rasant. Dann die Realschule. Doch Sevgül wollte mehr und wechselte nach dem 10. Schuljahr ans Gymnasium. Hier war sie ein Exot unter 70 Mitabiturienten. Von ihrem ursprünglichen Berufswunsch 'Medizin' nahm die junge Frau schnell Abstand: „Ich wollte zwar Menschen helfen. Kann aber kein Blut sehen.” Also Jura. Und in diesem Beruf geht Sevgül Asan voll auf. „Er hat so viele Facetten.„ Wer ausschließlich auf Paragraphen herumreite, der habe den falschen Beruf gewählt. „Als Anwalt muss gern mit Menschen zu tun haben und jede Menge Fingerspitzengefühl besitzen.„ Vor allen Dingen aber ehrlich sein: „Völlig aussichtslose Fälle lehne ich ab”, sagt die Rechtsanwältin. „Schließlich vertrauen die Mandanten ihrem Anwalt. Man hat in diesen Momenten Verantwortung für sie.” Diese dürfe sie nicht wohlwissend enttäuschen.

Als türkischstämmige Anwältin wandelt Sevgül Asan zwischen den Kulturen. Immer wieder muss sie sich beispielsweise bei Sorgerechtsentscheidungen mit Kollegen in der Türkei auseinandersetzen. Sie beherrscht eben beide Sprachen perfekt. Beim Thema „Intergation” aber wird sie ernst: Natürlich bleibt der engagierten Anwältin nicht verborgen, dass viele Menschen mit Migrationshindergrund viel zu selten Deutsch beherrschen. Beide Seiten seien gefordert. Hier die deutsche Gesellschaft, die eine solide Integration über Jahrzehnte versäumt haben. Dort die Migranten selbst. „Die müssen alles dransetzen, um Deutsch zu lernen. Eine vernünftige Integration geht nur über die Sprache.„ Ohne wenn und aber. Sie mache auch unabhängig. Sevgül Asan ist dafür ein Paradebeispiel.

In Hagen fühlt sich die sympathische Anwältin übrigens ausgesprochen wohl.

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