Kommentar

Psychische Leiden müssen endlich ernst genommen werden

Die Versorgung von psychisch Kranken ist noch deutlich ausbaufähig.

Die Versorgung von psychisch Kranken ist noch deutlich ausbaufähig.

Foto: Jens Wolf / dpa

Berlin  Durch die Reform wird die Ausbildung zum Therapeuten künftig gerechter und attraktiver. Doch damit alleine ist es noch nicht getan.

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Wenn Menschen erkennen, dass sie psychologische Hilfe brauchen, geht es ihnen meist schon schlecht genug. Wie ein unüberwindbarer Berg fühlt sich dann eine Liste mit Therapeuten an, die es gilt abzutelefonieren. Und nicht, um festzustellen, ob man miteinander kann oder das Behandlungsangebot passt, sondern um zu fragen, ob es einen freien Platz gibt.

Ein „Nein“ wiegt von Telefonat zu Telefonat schwerer. Zyniker meinen, dass die Therapeutensuche die erste Stufe der Heilung markiert, sicher ist aber, dass sie viele Kranke einfach nur abschreckt.

Therapeuten-Azubis sollen künftig bezahlt werden

Mit der Reform der Therapeutenausbildung soll nun eine bessere Versorgung von psychisch Kranken gewährleistet werden, damit sie nicht – mit den Worten von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesprochen – „im System von Pontius zu Pilatus laufen“ müssen.

Ein Baustein hierfür ist die geplante Vergütung der angehenden Therapeuten. Denn bisher folgte auf das Studium eine unbezahlte zwei Jahre dauernde Ausbildung – und diese war ohne Unterstützung der Eltern oder ohne Zweitjob nicht zu stemmen.

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Mit der Reform wird die Ausbildung gerechter und attraktiver. Und wenn die Hürde der teuren Ausbildung wegfällt, so die Rechnung, gäbe es am Ende mehr Therapeuten in Deutschland.

Kassenärztliche Vereinigung muss mehr Zulassungen verteilen

Doch so einfach ist es nicht. Die Leistungen für eine Therapie werden von den gesetzlichen Krankenkassen nur übernommen, wenn der Therapeut eine Kassenzulassung hat. Und von diesen Zulassungen gibt es in Deutschland leider immer noch viel zu wenige.

Daraus resultieren auch die langen Wartezeiten für einen Platz. Die Kassenärztliche Vereinigung, die diese Zulassungen erteilt, ist nun gefragt zu handeln. Denn immer mehr seelische Erkrankungen werden diagnostiziert und laut Krankenkassen sind sie für ein Fünftel der Fehltage verantwortlich.

Für eine moderne Gesellschaft ist es Zeit, die Leiden der Psyche endlich ernst zu nehmen.

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