Krankheit

Parteienforscher: Politiker sollten offen mit Krebs umgehen

Mit Mütze kam Mike Mohring, Landesvorsitzender der CDU in Thüringen, Ende Januar zur Sitzung des CDU-Vorstands nach Potsdam.

Mit Mütze kam Mike Mohring, Landesvorsitzender der CDU in Thüringen, Ende Januar zur Sitzung des CDU-Vorstands nach Potsdam.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin   Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und der thüringische CDU-Landeschef Mike Mohring haben Krebs. Sie gehen offen damit um.

Als Mike Mohring im Januar nach den Feiertagen bei der Vorstandsklausur der CDU in Potsdam eintraf, scherzte noch mancher über den neuen jugendlichen Look des thüringischen CDU-Chefs. Doch die Mütze auf seinem Kopf hatte einen bitteren Hintergrund: Der 47-Jährige machte an diesem Tag seine Krebserkrankung öffentlich, zunächst mit einem Video in sozialen Netzwerken, später auch in Interviews.

Der Hashtag „Mützen für Mike“, eine Solidaritätsbekundung von Freunden, folgte. „Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Jetzt steht noch eine Behandlung an zur Prophylaxe und dann hoffe ich, dass alles so gut ausgeht, wie die Ärzte das diagnostiziert haben“, sagte Mohring am Dienstag der „Bild“-Zeitung.

Mohrings Parteifreund, der hessische CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier, ließ wiederum seine Staatskanzlei zu Beginn der Woche mitteilen, dass er sich wegen Hautkrebs ambulant behandeln lasse. An seiner Nase wurde das „Vorliegen eines begrenzten Hautkrebses festgestellt“, hieß es. Die Strahlentherapie habe bereits begonnen.

Parteienforscher hält offenen Umgang für richtig

Täuscht der Eindruck oder gehen Politiker inzwischen offener mit Krankheiten und damit mit Schwächen um? Parteienforscher Oskar Niedermayer, emeritierter Professor der FU Berlin, stellt tatsächlich einen neuen Umgang und eine neue Offenheit fest. „Politiker werden anders als früher nicht mehr nur als Amtsinhaber gesehen, sondern als Menschen. Deswegen ist der offene Umgang mit Krankheiten klug, denn es kommt ja ohnehin ans Licht“, sagte der Wissenschaftler unserer Redaktion.

Gehe man offensiv damit um, sichere man sich als Politiker dagegen Respekt, betont Niedermayer. Durch die sozialen Medien und Polittalkshows gebe es auch die Bühne, selbstbestimmt zu informieren. Niedermayer geht davon aus, dass den betroffenen Politikern die Information nicht zum Nachteil gereicht, „wenn sie die Krankheit nicht instrumentalisieren“. Das sei aber bisher bei keinem Betroffenen der Fall gewesen, so der Experte. Im Gegenteil habe sich etwa Mohring „absolut richtig“ verhalten, die Spekulationen über sein verändertes Aussehen hätte es ohnehin gegeben.

Viele Politiker gingen offen mit ihrer Erkrankung um

Der frühere Innenexperte der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach, ist einer der wenigen Politiker, die schon vor Jahren offensiv mit dem Krebs umgegangen sind. Auch der ehemalige SPD-Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, hielt mit seiner Krebserkrankung nicht hinterm Berg, sondern erklärte, warum er sich zurückzog. Sellering ist heute Landtagsmitglied in Schwerin.

Der ehemalige Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle hatte sich nach seiner Leukämiediagnose zunächst zurückgezogen. Doch dann suchte er ebenfalls die Öffentlichkeit, stellte sein Buch vor und entschied sich, offen über seine Krankheit und seine Diagnose zu sprechen.

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