Internet-Hetze

Opposition will Netzwerkdurchsetzungsgesetz abschaffen

„Das Gesetz schlägt allen rechtsstaatlichen Grundsätzen ins Gesicht“, Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht gegenüber unserer Redaktion. Gemeinsam mit FDP und Grünen will ihre Partei das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz kippen.

„Das Gesetz schlägt allen rechtsstaatlichen Grundsätzen ins Gesicht“, Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht gegenüber unserer Redaktion. Gemeinsam mit FDP und Grünen will ihre Partei das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz kippen.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin  Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gilt erst seit diesem Jahr – und steht massiv in der Kritik. FDP, Grüne und Linke wollen es abschaffen.

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Nach der Blockade von Twitter-Accounts und der Löschung mehrerer Tweets fordern FDP, Grüne und Linke die Abschaffung des erst seit Jahresbeginn geltenden Netzwerkdurchsetzungsgesetzes.

Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht monierte: „Das Gesetz schlägt allen rechtsstaatlichen Grundsätzen ins Gesicht.“ In einem Rechtsstaat würden Gerichte darüber entscheiden, was rechtswidrig ist und was nicht – und nicht private Unternehmen, sagte sie unserer Redaktion.

SPD hält am Gesetz von Justizminister Maas fest

„Das Gesetz ist vermurkst und gehört durch ein ordentliches ersetzt“, sagte auch FDP-Generalsekretärin Nicola Beer in der „Welt am Sonntag“. Die SPD hält jedoch weiter an dem Gesetz fest.

Der Kurznachrichtendienst Twitter hatte am Dienstag den Account der Satire-Zeitschrift „Titanic“ geblockt und einen Tweet gelöscht. Darin hatte das Magazin den Begriff „Barbarenhorden“ verwendet und damit eine Nachricht der AfD-Politikerin Beatrix von Storch parodiert.

Die Bundestagsabgeordnete hatte zu Silvester von „barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden“ geschrieben, woraufhin Twitter ihren Account für zwölf Stunden sperrte.

„Offensichtlich strafbare“ Inhalte binnen 24 Stunden löschen

Der AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland kritisierte die Neuregelung in der Folge als „Zensurgesetz“ zur Löschung von unliebsamen Meinungsäußerungen und verglich es mit Stasi-Methoden.

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Beer fordert mehr Ermittler

FDP-Politikerin Beer sagte, es habe sich gezeigt, dass private Anbieter nicht in der Lage seien, „in allen Fällen mutmaßlich strafbarer Äußerungen im Netz die richtige Entscheidung darüber zu treffen, ob eine rechtswidrige, eine satirische oder aber eine geschmacklose, in einer Demokratie aber zu ertragende Meinungsäußerung vorliegt“.

Benötigt werde die sachgerechte Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden zur Durchsetzung des Rechts auch im Netz, nicht die Privatisierung dieser Entscheidungen bei internationalen Plattformbetreibern.

Peter: Mit viel zu heißer Nadel gestrickt

Grünen-Chefin Simone Peter sagte der „Welt am Sonntag“, ihre Partei sehe deutlichen Nachsteuerungsbedarf im Kampf gegen Hass und Hetze im Netz, wie sie gerade auch von AfD-Politikern massiv betrieben werde. Die Sperrung des Twitter-Accounts der „Titanic“ offenbare die Schwächen des mit viel zu heißer Nadel gestrickten Gesetzes.

Es sei nicht hinnehmbar, dass ein US-amerikanisches Unternehmen wie Twitter die Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland beeinflusse. Offenbar habe Twitter ignoriert, dass es sich bei der „Titanic“ um ein Satire-Magazin handele.

„Gesetz ist gut und richtig“

Dagegen verteidigte SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles in der „Bild am Sonntag“ (Bezahlangebot) das Gesetz. Es sei gut und richtig und müsse umgesetzt werden. „Wir müssen mehr Verantwortung ins Internet bringen, das ist kein rechtsfreier Raum. Mit Zensur hat das nichts zu tun.“

Der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, kritisierte, dass Gauland das Gesetz mit Stasi-Methoden verglichen hatte. Dies sei „überhaupt nicht angebracht“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Bei dem Gesetz gehe es um das demokratische Ringen um die richtige Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit. „Das ist nicht mit dem Prinzip der Stasi, Angst und Schrecken zu verbreiten, gleichzusetzen.“ (dpa)

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