Frühpensionierung

Nur noch jeder fünfte Lehrer arbeitet bis zur Altersgrenze

Viele Lehrerinnen und Lehrer klagen über zunehmenden Stress. Die Zahl derer, die vor dem Erreichen der Pensionsgrenze aufhören will, steigt ständig an.

Viele Lehrerinnen und Lehrer klagen über zunehmenden Stress. Die Zahl derer, die vor dem Erreichen der Pensionsgrenze aufhören will, steigt ständig an.

Foto: dpa

Düsseldorf.   Immer mehr Lehrer werden vor Erreichen der regulären Altersgrenze pensioniert. Bildungsforscher und Gewerkschafter warnen vor diesem Trend.

Bildungsforscher und Gewerkschafter warnen vor dem Trend zur Frühpensionierung von Lehrern. Im vergangenen Jahr schieden nur noch 20,8 Prozent der pensionierten Pädagogen mit dem Erreichen der regulären Altersgrenze aus dem Dienst aus. Vor zehn Jahren waren es noch knapp 42 Prozent.

„Wenn nur jede fünfte Lehrkraft die Regelaltersgrenze erreicht, ist das ein Alarmsignal. Es zeigt, dass die angestiegenen Belastungen im Lehrerberuf mit zunehmendem Alter nicht mehr zu bewältigen sind“, sagte Dorothea Schäfer, Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW, der WAZ.

Seit etwa fünf Jahren fragten Lehrer immer häufiger nach einem frühzeitigen Ausstieg aus dem Job, so Jürgen Gottmann, der für die GEW Lehrer zu Pensionierung und Rente berät. „Die Rückmeldungen werden dramatischer. Ich höre in diesen Gesprächen immer öfter: ,Ich möchte so schnell wie möglich raus aus dem Schuldienst, egal, was es mich bei der Altersversorgung kostet’“, sagte Gottmann. Der Umgang mit manchen Schülern, Eltern oder auch Vorgesetzten sei für diese Pädagogen extrem belastend.

„Im Schulbereich schmerzt das besonders“

Nach Ansicht des Essener Bildungswissenschaftlers Klaus Klemm kann die gewachsene Belastung allerdings nicht die alleinige Ursache für die vielen Frühpensionierungen sein. „Die Belastungen waren auch schon vor zehn Jahren enorm“, sagte der Professor. Er vermutet, dass der zunehmend hohe Frauenanteil unter den älteren Lehrkräften den Trend mit erklären könnte.

Viele dieser Lehrerinnen im Alter über 60 Jahre seien in Teilzeit beschäftigt. Ein vorgezogener Ruhestand – zumal, wenn auch der Partner berufstätig ist – wirke sich in dieser Gruppe finanziell nicht so stark aus. Der Trend zur „Feminisierung“ des Lehrerberufs werde sich fortsetzen. Darauf deuten auch aktuelle Statistiken zum Frauenanteil unter den Lehrkräften hin.

„Auch wenn die Lehrerinnen und Lehrer nicht früher in den Ruhestand gehen als alle anderen Landesbeamten, schmerzt es im Schulbereich aufgrund des gravierenden Lehrermangels natürlich besonders. Ich freue mich über jede und jeden, der länger im Schuldienst bleibt“, so NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Laut Ministerium verbleiben sogar mehr Lehrer im Vergleich zu anderen Beamten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze im Dienst.

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