Heimatkongress

NRW-Ministerin eröffnet Debatte über Heimat

Heinos Ehefrau Hannelore Kramme(li), Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) und „Heimatbotschafter“ Heino beim ersten Heimat-Kongress in Münster. Foto:Olaf Fuhrmann/FUNKE Foto Services

Heinos Ehefrau Hannelore Kramme(li), Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) und „Heimatbotschafter“ Heino beim ersten Heimat-Kongress in Münster. Foto:Olaf Fuhrmann/FUNKE Foto Services

Münster.   Der bundesweit erste Kongress zu diesem Thema lockte 500 Teilnehmer nach Westfalen. CDU-Ministerin Scharrenbach will Zusammenhalt in NRW stärken.

Eiskalt war die Heimat am Wochenende, und die rund 500 Gäste des bundesweit ersten Heimatkongresses schützten sich auf dem Weg zur Halle Münsterland mit Schals und Mützen vor dem sibirisch kalt anmutenden Wind. Drinnen aber war es heimelig. Wertschätzung sollten die Teilnehmer, viele von ihnen Mitglieder in Heimatvereinen, hier erfahren. Die meisten waren dankbar dafür, denn über ihre Ehrenämter wurde bisher nicht viel Aufhebens gemacht.

Heino als Promi-Botschafter

Der Kongress stand unter dem Motto „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen“. „Kompliment. So etwas habe ich in 18 Jahren in keinem anderen Bundesland gesehen“, lobte Herlind Gundelach, die Präsidentin des Bundesverbandes der Bürger- und Heimatvereine. Beim Blick ins Publikum wurde aber auch eines der größten Probleme der ehrenamtlichen Heimatkümmerer – rund 160 000 von ihnen gibt es in Nordrhein-Westfalen – sichtbar: Viele sind im fortgeschrittenen Alter. Die Kabarettisten „Bullemänner“ sagten es bei ihrer „Platzinspizierung“ westfälisch-herb: „Ich sehe keinen grünen Rasen, sondern viel weißes Haar. Das ist ein reifes Baumwollfeld“.

Jeder, der vorne auf der Bühne stand oder in den fünf „Arbeitsforen“ die guten Seiten der Heimat betrachtete, stellte klar: Heimat dürfe nicht ausgrenzen, sie müsse Zugezogene einbeziehen. Der rückwärtsgewandte, trennende Heimatbegriff, sollte bei diesem Kongress keine Rolle spielen. „Heimat hat jeder in sich. Man nimmt sie mit. Sie ist immer dabei“, sagte Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU), die Gastgeberin der Veranstaltung. „Heimat ist nichts, was von oben verordnet werden kann.“ Vor einer festen Definition des Begriffs scheut sie allerdings zurück. Am Ende sei das ja Privatsache.

Heimat soll Zugezogene einbeziehen

Um Flüchtlinge ging es immer wieder. „Heimat gewinnt an Bedeutung, wenn man keine mehr hat“, sagte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU). Lob erfuhr unter anderem ein Projekt des Heimatvereins Siegen-Achenbach. Dieter Solms, Mario Benshausen und andere Aktive dort binden Flüchtlinge erfolgreich in den Bundesfreiwilligendienst ein. Die „Bufdis“ helfen zum Beispiel im Sozialkaufhaus, bei der Grünpflege, kümmern sich um Senioren.

Heino war da, als Promi-“Heimatbotschafter“ des Landes. „Ich bin froh, dass man das Wort Heimat wieder in den Mund nimmt“, sagte der 79-Jährige. Die Inflation des Heimatbegriffs ruft bei Matthias Löb (SPD) aber auch „eine gewisse Skepsis“ hervor. Der Chef des Landschaftsverbandes LWL und des Westfälischen Heimatbundes warf ein, die Landesregierung hätte bei der Planung ihres 113 Millionen Euro schweren Förderprogramms die Heimatbünde enger einbeziehen sollen. Mit dem Geld sollen zahlreiche Projekte zum Thema gefördert werden.

Ist es richtig, Heimat zum Kongressthema zu machen? Ist es, meint Mathias Austermann, Stadtheimatpfleger für Dortmund. „Weil es unsere Arbeit aufwertet.“

Vorsitzender des Heimatvereins Hattingen/Ruhr erhofft sich mehr „Wir Gefühl“ in Nordrhein-Westfalen

Fast 100 Jahre alt ist der Heimatverein Hattingen/Ruhr. Das bekannteste Fachwerkhaus der Altstadt, das „Bügeleisenhaus“, ist im Besitz des Vereins. Vorsitzender Lars Friedrich ist „positiv überrascht“, dass das Land erstmals zu einem Heimatkongress eingeladen hat.

Was kann der Heimatkongress bewirken?

Friedrich: Ich hoffe auf eine bessere Vernetzung der vielen Heimatvereine. Es sollte ein regionales Netzwerk aufgebaut werden, im Ennepe-Ruhr-Kreis, aber auch darüber hinaus.

Warum wäre das wichtig?

Weil es zum Beispiel bei uns im EN-Kreis kaum Berührungspunkte zwischen den Heimatvereinen in den elf Kommunen gibt.

Heimatvereine machen gern ihr eigenes Ding?

Nicht alle. Aber einige schotten sich ab, viele Vereine existieren nebeneinander her. Dabei sind ihre Probleme ganz ähnlich.

Welche Probleme meinen Sie?

Zum Beispiel die Überalterung. In unserem Verein liegt der Altersschnitt bei 65 Jahren. Außerdem ist die Zahl der Aktiven viel kleiner als die der Mitglieder. Schließlich haben wohl alle Vereine Probleme, Geld für Projekte einzuwerben. Also über das hinaus, was Sparkassen und Volksbanken geben.

Weckt das Ruhrgebiet Heimatgefühle?

Gute Frage. Ich glaube, die meisten denken bei Heimat eher an die eigene Stadt. Sogar der Ennepe-Ruhr-Kreis ist für manche schon weit weg. Je kleiner, je näher, desto mehr Heimat. Die Vereine tragen ja nicht zufällig oft Namen von Stadtteilen. Heimatverein Blankenstein, zum Beispiel.

Ist NRW eine Heimat?

Jedenfalls nicht so wie Bayern für die Bayern. NRW ist vielschichtig. Im Revier, im Sauer- oder Münsterland ticken die Menschen unterschiedlich. Aber man kann ja am Heimatbegriff für NRW arbeiten. Ich glaube, da geht noch was beim Wir-Gefühl.

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