Ausstellung auf Zollverein

Merkel: Rassismus ein „widerlicher Angriff“ auf unsere Werte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) und der Holocaust-Überlebende Naftali Fürst (87) vor dem Foto der „Survivors“-Ausstellung in Essen, das das Porträt des Star-Fotografen Martin Schoeller von Fürst zeigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) und der Holocaust-Überlebende Naftali Fürst (87) vor dem Foto der „Survivors“-Ausstellung in Essen, das das Porträt des Star-Fotografen Martin Schoeller von Fürst zeigt.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Bundeskanzlerin Angela Merkel betont in Essen, das Rassismus ein „widerlicher Angriff auf grundlegende Werte unserer Gesellschaft“ sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung einer Ausstellung zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar die Bürger zu Zivilcourage aufgerufen. Sie betonte, dass die Erinnerung an den Holocaust auch eine Mahnung an alle Bundesbürger bedeute, „im Alltag eben nicht zu schweigen und wegzuschauen, wenn jemand angegriffen, gedemütigt und in seiner Würde verletzt wird. Wir haben leider Gründe, daran zu erinnern, nicht erst seit dem Anschlag in Halle“. Rassismus, so Angela Merkel, sei „ein widerlicher Angriff auf grundlegende Werte unserer Gesellschaft“. Die Erinnerung an seine schlimmsten Auswüchse wachzuhalten „schulden wir jedem einzelnen Opfer“; sie mache „uns die Verantwortung dafür bewusst, eine menschliche Zukunft zu gestalten.“

Armin Laschet: „Eigentlich ein Skandal!“

Auch andere Redner wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betonten, dass Antisemitismus derzeit wieder gegenwärtig sei bis in Parlamente hinein: „Hass auf Juden, nichts dazugelernt.“ Gerade deshalb sei es wichtig, die Erinnerung lebendig zu halten: „Eigentlich ein Skandal, dass das nach 75 Jahren noch erforderlich ist!“, sagte Laschet. Die jüngeren Generationen müssten immer neu und auf neue Weise von der Judenverfolgung erzählt bekommen, „auch die, die eingewandert sind, auch sie stehen in dieser deutschen Geschichte.“

Holocaust-Überlebender Naftali Fürst (8/) wurde eingeflogen

Zur Eröffnung der „Survivors“-Ausstellung wurde der 87-Jährige Naftali Fürst, einer der 75 porträtierten Holocaust-Überlebenden, mit seiner Familie in einer Maschine der Bundesluftwaffe aus Tel Aviv nach Deutschland eingeflogen – ein Vorgang, den Bundeskanzlerin Merkel „symbolisch“ nannte: „Es bedeutet uns unendlich viel, dass Sie diese Reise auf sich genommen haben. Ich empfinde tiefe Scham für das Leid, das Ihnen und Millionen anderen widerfahren ist.“

Fürst überlebte als Kind Auschwitz, Buchenwald und zwei weitere Konzentrationslager. „Ich hatte nur sechs glückliche Kindheitsjahre“, bekannte er, „seither lebe ich im Schatten der Schoah.“ Fürst hatte ein halbes Jahrhundert lang über sein Leid geschwiegen, bis er zu der Einsicht gelangte: „Es ist unsere heilige Pflicht, die Erinnerung an die Shoah zu bewahren, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen kann.“ Fürst hielt ein Album mit Fotos von der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald in die Höhe, die ihn mit anderen Häftlingen dem Tode nah zeigen: „Für mich hat sich in dieser Ausstellung mit den temperamentvollen Gesichtern der Holocaust-Überlebenden ein Kreis geschlossen.“

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