Schulpolitik

Landesregierung kämpft gegen Lehrermangel an Schulen in NRW

Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz zum Schulstart von einem „Versäumnis der Vergangenheit“ und kritisiert die Vorgängerregierung.

Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz zum Schulstart von einem „Versäumnis der Vergangenheit“ und kritisiert die Vorgängerregierung.

Foto: Christophe Gateau/dpa

Düsseldorf.   Zum Schulstart bleiben knapp 40 Prozent der offenen Stellen unbesetzt. Schulministerin setzt auf pensionierte Pädagogen und mehr Quereinsteiger.

In Nordrhein-Westfalen bleiben auch zu Beginn des neuen Schuljahres Tausende Lehrerstellen unbesetzt. Von landesweit 9623 offenen Stellen konnten nur 5929 besetzt werden. Das entspricht einer Besetzungsquote von 61,6 Prozent. Damit fehlen für 3694 Stellen zu Beginn des neuen Schuljahres geeignete Interessenten. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sprach von „Versäumnissen der Vergangenheit“ und kritisierte, dass die Vorgängerregierung „versagt“ habe. Der absehbare Mangel sei seit Jahren nicht entschlossen bekämpft worden.

Damit hat sich die schwierige Lage auf dem Bewerbermarkt im ersten Jahr nach dem Regierungswechsel nur leicht entspannt. Im vergangenen Sommer hatte das Land sogar eine Besetzungsquote von nur 53,3 Prozent vorweisen können. Hauptleidtragende der vielen offenen Stellen sind Grundschulen, Förderschulen und Berufskollegs.

„Auf jeden Lehrer kommt es an“

An Gymnasien und Gesamtschulen fehlen vor allem für Mangelfächer in den Naturwissenschaften Fachkräfte. Gebauer sieht insgesamt eine Schieflage bei Angebot und Nachfrage. In den kommenden zehn Jahren würden in NRW rund 15 000 Lehrkräfte vor allem in der Sekundarstufe I fehlen, während es für Gymnasien und Gesamtschulen absehbar 16 000 Bewerber zu viel gebe.

Versuche der Umverteilung brachten bislang ein mäßiges Ergebnis. Im vergangenen Jahr wollte Gebauer 2400 ausgebildete Lehrkräfte der Sekundarstufe II vorübergehend für die Sekundarstufe I gewinnen. Mit der Aussicht auf eine feste Stelle in ihrem Wunschbereich sollten sie auf eine vorgeschaltete mindestens zweijährige Schleife vor allem in Grundschulen gelockt werden. Nur 153 Kandidaten ließen sich darauf ein. Gebauer nannte das Modell dennoch einen Erfolg: „Auf jeden Lehrer kommt es an.“

Verbände fordern höhere Besoldung für Grundschullehrer

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) nannte den flexiblen Einsatz von Lehrern in den unterschiedlichen Schulformen nur „die beste der schlechten Notlösungen“. Wichtiger sei es, die Bezahlung in der Sekundarstufe I und II anzupassen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stieß ins gleiche Horn: Die einheitliche Besoldung für Berufsstarter sei unabdingbar, um Grundschulen attraktiver zu machen: „Hier spielt die Landesregierung fahrlässiger Weise auf Zeit“, so GEW-Landeschefin Dorothea Schäfer. Trotz inzwischen gleicher Studiendauer werden Grundschullehrer weiterhin schlechter bezahlt. Gebauer erklärte, die Landesregierung habe das Problem im Blick, sehe darin aber „nicht den einen Schalter“, um den Lehrermangel abzustellen.

Mehr Seiteneinsteiger sollen Lehrer werden

Zunächst soll ein „zweites Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Lehrerversorgung“ Abhilfe schaffen. Gebauer will noch mehr Oberstufenlehrer in die Sekundarstufe I umleiten: Sie bietet sofort eine unbefristete Stelle und nach einer vierjährigen Zeit an Grundschulen bzw. in der Unterstufe eine Garantie auf eine Sekundarstufe II-Stelle. Zudem können erstmals Fachhochschul-Absolventen als Seiteneinsteiger Lehrer werden. Überdies werden pensionierte Pädagogen mit einem zehnprozentigen Besoldungszuschlag aufs Grundgehalt zurück ins Klassenzimmer gelockt.

Wie sich der Lehrermangel im Schulalltag auswirkt, soll schon bald in Tabellen nachzulesen sein. Während der Sommerferien seien landesweit alle Schulen mit der erforderlichen Software ausgestattet worden, um endlich schulscharf den Unterrichtsausfall zu erfassen. Im nächsten Jahr sollen die ersten Zahlen vorliegen. „Ich weiß, Statistik allein bekämpft keinen Ausfall, aber wir brauchen verlässliche Daten“, sagte Gebauer.

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