Corona-Impfungen

„Zu viel Impfstoff im Kühlschrank“: Wann wird ausgeweitet?

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Bald sollen Impfungen gegen Corona nicht mehr ausschließlich in Impfzentren, sondern auch in Arztpraxen durchgeführt werden.

Bald sollen Impfungen gegen Corona nicht mehr ausschließlich in Impfzentren, sondern auch in Arztpraxen durchgeführt werden.

Foto: Kerstin Bögeholz / Funke Foto Services

Essen.  Angesichts zunehmender Impfstoff-Verfügbarkeit wird die Ausweitung der Impf-Kapazitäten nötig. Im Mai könnte in Arztpraxen geimpft werden.

Spätestens ab Mai soll auch in den Arztpraxen der Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erwartet „einen Impfstart für die Praxen in den nächsten sechs bis acht Wochen“, wie ein KBV-Sprecher der „Rheinischen Post“ vom Freitag sagte. Nach Angaben des Apothekerverbands Nordrhein stehen allein in Nordrhein-Westfalen 4000 Apotheken bereit, die niedergelassenen Ärzte ab Mai mit Impfstoff zu versorgen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnte die Länder am Freitag zur zügigen Aufstockung der Impf-Kapazitäten: „Noch liegt zu viel Impfstoff im Kühlschrank“, sagte der CDU-Politiker. Laut Spahn werden bis Ende kommender Woche schon rund elf Millionen Impfdosen an die Länder ausgeliefert worden sein. Schon jetzt seien rund 5,7 Millionen Impfungen verabreicht worden.

Der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet aufgrund der „Schwemme an Impfstoffen“ mit einer Überforderung der Impfzentren. „Wir werden in zwei Monaten sehr viel mehr Impfstoff in Deutschland haben, als die bisherigen Impfzentren verimpfen können“, sagte er am Freitag im Interview mit den Fernsehsender RTL und ntv.

Er dringt daher auf Konzepte, wie etwa der Impfstoff zu den Hausarztpraxen transportiert werden kann. „Das alles muss jetzt geplant werden und ich sehe schon jetzt mit Grausen, wie wir dann wieder von einer Ad-Hoc-Lösung in die nächste Ad-Hoc stolpern, weil es keinen präzisen Plan gibt“, sagte Montgomery.

Apothekerverband warnt vor erneuten Fehlern beim Impfen

Wie das genau ablaufen könnte, erklärte der Chef des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis, gegenüber der Rheinischen Post (Bezahlinhalt). So könnten die niedergelassenen Ärzte den Bedarf für die Woche beim Verband ordern. Der Großhandel würde demnach den Impfstoff an die Apotheken liefern, diese wiederum brächten diesen dann in Kühlboxen in die Praxen.

Zugleich warnte Preis in dem Bericht vor erneuten Fehlern: "Nach dem Terminvergabe-Chaos bei den über 80-Jährigen warne ich davor, einen zentralen Startschuss für die Impfung in den Praxen zu geben. Sonst wird es dort zu Staus kommen." Vielmehr sollten die Praxen nach und nach umgestellt werden.

Drosten: Impffortschritt ist maßgeblich für Pandemiebekämpfung

Auch Virologe Christian Drosten verwies im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ auf die Dringlichkeit der Fortschritte beim Impfen. "„Es geht auf der organisatorischen Ebene, auf der logistischen Ebene jetzt um die Wurst“, so der Leiter der Virologie an der Berliner Charité.

Gleichzeitig erklärte er, dass das Ganze viel Organisation benötige. "Ich glaube, es ist ein bisschen naiv, zu denken, dass das alles so schön der Reihe nach wie am Schnürchen klappt." Für den 48-Jährigen sind Impffortschritte maßgeblich, um aus der Pandemie zu kommen. Entscheiden sei dabei der Zeitkorridor. "Schaffen wir das im Groben bis zum Sommer oder dauert das eben doch bis zum Ende des Jahres." (red mit afp/dpa)

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